Care Arbeit

„Gibt’s noch Klopapier?“

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Frauen managen weiterhin den Familienalltag. Falls Sie mir nicht glauben, führen Sie einfach den Selbsttest durch:

Es geht mal wieder um Arbeit. Genauer gesagt um Care Arbeit – also unbezahlte Hausarbeit wie Waschen, Putzen, Kochen, sich um die Kinder kümmern. Oft wird diese Arbeit auch als „unsichtbar“ bezeichnet. Aber so unsichtbar ist diese Arbeit gar nicht. Gekochtes Essen, gewaschene Wäsche und eine geputzte Wohnung sind deutlich erkennbar.

Doch es gibt noch einen weiteren Teil der Care Arbeit, der tatsächlich unsichtbar ist: den „Mental Load“. Dieser „mentale Ballast“ umfasst all die Management-Prozesse, die hinter der sichtbaren Care Arbeit liegen. Es sind die vielen wiederkehrenden einfachen und komplizierten To-Dos und Fragen des Alltags: Welche Lebensmittel müssen wann eingekauft werden? Welche Rechnungen sind zu bezahlen? Dem Vermieter schreiben! Neue Zahnpasta kaufen!

Besonders drängend sind diese Fragen in Familien. Denn hier geht es um das Management komplexer Bedürfniskonstellationen: Wann muss das Kind zum Kinderarzt? Passt die Winterkleidung vom Vorjahr noch? Auf Lebensmittelallergien achten! Windeln kaufen! Noch immer ist es hierzulande Usus, dass vor allem Frauen diese Tätigkeiten ausführen und managen.

Emma Clarke hat dieses Phänomen in ihrem Comic „You should’ve asked“ dargestellt. Er handelt von einer Frau, die gleichzeitig Gäste empfängt, für alle Essen kocht und das Kind füttert. Als sich dann auch noch das überkochende Essen über den Boden ergießt, fragt ihr Mann verdutzt, warum sie ihn nicht einfach um Hilfe gebeten hat. Die Frau als Managerin des Familienalltags trägt nicht nur die Hauptlast der Verantwortung – sie delegiert sie auch. Der Mann hilft. Auf Anfrage.

Heute verstehen viele Paare ihre Beziehungen als gleichberechtigt, zumindest geht der gesellschaftliche Trend glücklicherweise dahin, dass die sichtbare Care Arbeit gerechter aufgeteilt wird. Der unsichtbare „Mental Load“ jedoch wird immer noch vor allem von Frauen geleistet. Unbezahlt, versteht sich.

Falls Sie mir nicht glauben, führen Sie einfach den Selbsttest durch: Gehen Sie die genannten Fragen durch und überlegen sich, ob Sie sich dieser Aufgaben von selbst annehmen, oder darauf warten, bis Sie sie delegiert bekommen.

Die Autorin hat einen Master in Volkswirtschaft. Sie ist Teil der Initiative „Was ist
Ökonomie?“ und kritisiert Ökonomisches aus einer
feministischen Perspektive.

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