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Fertigung von BMW-SUVs im US-Bundesstaat South Carolina.

Deutsche Autobranche

BMW gibt wieder Gas

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Der deutsche Autokonzern BMW wächst vor allem mit SUVs. Zugleich ist er deutscher Marktführer bei Elektrofahrzeugen. Der Mix schafft Zuversicht. Die Analyse.

Positive Nachrichten sind in der deutschen Autoindustrie derzeit rar. BMW mit seinem neuen Konzernchef Oliver Zipse schwimmt nach einem unerwartet erfolgreichen dritten Quartal 2019 insofern gegen den Strom. Ökologisch auf den ersten Blick nicht vorbildhaft, aber ökonomisch erfolgreich hat der operative Gewinn zwischen Juli und September getragen von Geländewagenmodellen um fast ein Drittel auf knapp 2,3 Milliarden Euro zugelegt. „Es wird sich die Lösung durchsetzen, die der Kunde annimmt“, sagt Zipse pragmatisch zum Verkaufsschlager SUV. Während VW sich betont auf Elektromobilität konzentriert, halten sich die Bayern durch in der Branche einzigartig flexible Produktion die Antriebsvarianten offen, mit denen sie ihre Autos bestücken. Im dritten Quartal brachte diese Philosophie im reinen Autogeschäft eine operative Umsatzrendite von immerhin 6,6 Prozent.

Das ist im Vorjahresvergleich eine Verbesserung von 2,2 Prozentpunkten. Der in der Branche viel beachtete Wert liegt über den 6,0 Prozent die Daimler mit Mercedes im dritten Quartal – bei sinkender Tendenz – erreicht hat. Von den drei deutschen Premiumherstellern liegt aktuell nur Audi mit 7,8 Prozent Rendite vor den Münchnern, die zudem im Abschlussquartal eine weitere Verbesserung ihrer Profitabilität erwarten. Die ist auch nötig, um auf das Gesamtjahr 2019 gerechnet noch in den geplanten Renditekorridor zwischen 4,5 und 6,5 Prozent zu kommen. Derzeit liegt BMW nach neun Monaten bei 4,1 Prozent. Denn im ersten Halbjahr mussten satte 1,4 Milliarden Euro als zu erwartende Strafe bei einem EU-Kartellverfahren zurückgestellt werden. Rein operativ betrachtet geht es den Bayern aber besser als der Konkurrenz.

Autoanalysten hätte es nach dem Wechsel von Harald Krüger zu Zipse nicht überrascht, hätte dieser zu seinem Antritt die Jahresprognosen gesenkt. Aber der Neue bleibt bei allen bisherigen Zielen, zu denen auch ein leichtes Absatzplus im Gesamtjahr zählt. Gut 1,6 Millionen Autos und damit gut zwei Prozent mehr haben die Bayern mit ihrer Stammmarke BMW nach neun Monaten abgesetzt. Geht es so weiter, könnte BMW demnächst wieder Mercedes als global führende Premiummarke ablösen.

Zipse macht es dabei nicht nervös, dass die Erholung im eigenen Haus betont auf Geländewagenmodelle zurückgeht. Schärfere EU-Abgasgrenzwerte ab 2021 werde BMW dennoch ohne Strafzahlungen erreichen. Das liegt zum einen daran, dass BMW zunehmend auch die Geländewagenflotte elektrifiziert. SUV heißt dann nicht mehr automatisch spritschluckend. Ein Hoffnungsträger ist der vollelektrische BMW iX3, der ab nächstem Jahr in China zum weltweiten Export von BMW-Bändern laufen soll. „Wir rechnen damit, dass die Elektromobilität ab 2021 deutlich zulegt“, schätzt Zipse zudem und will diese vermeintliche Kundennachfrage dann mit neuen voll- und hybridelektrischen Modellen bedienen können.

Schon jetzt sieht sich BMW in Deutschland mit Ende 2019 einem Dutzend elektrifizierter Modelle als elektromobiler Marktführer mit einem Anteil von 21 Prozent. Gut jedes fünfte hierzulande verkaufte Elektro- oder Hybridauto stammt damit von BMW. Zum Vergleich: Über alle Antriebsarten kommt BMW auf einen heimischen Marktanteil von rund acht Prozent. Insofern schaffen die Münchner den Spagat zwischen SUV-Boom und Elektromobilität.

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