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Nationalpark in Bolivien - von Wirtschaftsinteressen bedroht.

Förderbank

KFW gibt sich gute Zensuren

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Die Staatsbank sieht einen Großteil der Entwicklungsprojekte als Erfolg.

Note 2,8 - das klingt nicht berauschend, ist aber immer noch ein ordentliches Resultat. Diese Durchschnittszensur hat sich die Förderbank KFW bei einer hauseigenen Evaluierung von mehr als 180 Projekten verpasst. Fast vier von fünf Vorhaben wertet das Institut damit als erfolgreich. Zu diesem Ergebnis kommt der Prüfbericht, den Vorstandsmitglied Joachim Nagel am Donnerstag in Frankfurt vorstellte. „Mit einer Erfolgsquote von 77 Prozent können wir uns durchaus sehen lassen“, betonte Nagel. Die Weltbank beispielsweise erreiche Werte zwischen 60 bis 70Prozent.

Die KFW-Evaluierungsabteilung unter Leitung von Eva Terberger hatte in einer repräsentativen Stichprobe abgeschlossene Projekte in Entwicklungs- und Schwellenländern unter die Lupe genommen. Projekte mit einem Gesamtvolumen von rund 2,8 Milliarden Euro - zum größten Teil aus Töpfen des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) finanziert.

Geprüft wurde nach den fünf Kriterien Relevanz, Effektivität, Effizienz, Impact und zeitliche Nachhaltigkeit. Die Durchschnittsnote der bewerteten Projekte lag auf einer Skala von eins (sehr gut) bis fünf (eindeutig unzureichend) bei 2,8. Selbst für die Region Subsahara, wo oft unter schwierigsten Rahmenbedingungen gearbeitet wird, gab es eine glatte 3. Am besten schnitt mit einer Erfolgsquote von 91 Prozent der asiatische Raum ab.

Zu den Vorzeigeprojekten gehörte mit der Note 1 beispielsweise ein Vorhaben zur Eindämmung saisonaler Arbeitsmigration in Indien, das Menschen dauerhafte Jobs und ein Auskommen im heimischen Ackerbau verschafft, wie Eva Terberger betonte. Der erfolgreiche Ansatz sei gleich in fünf weiteren Regionen des Landes übernommen worden.

Mit der Note 4 wurde ein Vorhaben zum Schutz von Fauna und Flora im bolivianischen Naturschutzpark Madidi bedacht. Politische Umwälzungen im Land gaben wirtschaftlichen Interessen Vorrang vor dem Umweltschutz, wie der KFW-Bericht ausführt. So wurde 2015 die Förderung von Öl- und Gas in Schutzgebieten bewilligt.

Mittelstädte im Fokus

Richtig in den Sand setzte die KFW ein Projekt im Transportsektor in Guinea. Ursache dafür war laut Report die Insolvenz einer Baufirma, die die Infrastruktur schaffen sollte. Von den Prüfern gab es dafür eine 5.

Terberger bezeichnete die Evaluierung als ein sehr effektives Lerninstrument. „Wir geben damit Rückmeldungen ins Haus, was dazu führt, dass Konzeptionen angepasst und schärfer gemacht werden.“

Grundsätzlich müssten in armen Ländern mittelgroße Städte stärker in den Mittelpunkt einer nachhaltigen Entwicklung rücken, heißt es im 15. Evaluierungsbericht der staatlichen Förderbank. Dieser Städtetyp - und nicht etwa die Megacities - werde laut Prognosen im Zuge der ungebrochenen Landflucht in Afrika und Asien die meisten Menschen aufnehmen müssen. Die sogenannten Mittelstädte seien ein wichtiges Bindeglied zwischen nationalen Zentren und dem ländlichen Raum und könnten einen entscheidenden Beitrag zur Armutsbekämpfung leisten, wenn die Potenziale für „Wachstum und Fortschritt“ genutzt würden.

Terberger betonte, im Sinne der globalen Nachhaltigkeitsziele könne in den mittelgroßen Kommunen vieles besser gemacht werden als in den Millionen-Metropolen. „Da bieten sich jetzt richtig viele Chancen, eine nachhaltige Entwicklung anzugehen.“

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