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Deka-Chefvolkswirt Ulrich Kater. 

Aktienmärkte

„Es gibt immer eine Erholung“

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Der Chefvolkswirt der Deka-Bank über den Einbruch der Aktienmärkte und darüber, wie Anleger sich jetzt verhalten sollten.

Die Deutschen gelten nicht als große Aktienfans, Herr Kater, aber sie haben sich langsam vorgewagt, viele haben Fondsanteile gekauft. Dann hat der Dax innerhalb von Wochen die Gewinne von Jahren verloren. Das war es wohl mit der Begeisterung?

Jetzt zeigt sich, ob zur Begeisterung auch Durchhaltevermögen kommt. Bei 15 oder 20 Prozent Kursrückgängen hat man dafür vielleicht gerade keinen Sinn, aber die Märkte kommen immer wieder zurück. So wird es auch dieses Mal sein.

Das kann aber dauern.

Natürlich kann das dauern, manchmal Jahre. Wir haben uns frühere Krisen angesehen und geschaut, wann der Aktienmarkt wieder den Hochpunkt erreicht hat, von dem er vorher abgerutscht war. Das waren nach einer Krise mal fünf Jahre und mal nur zwei, übrigens unabhängig von der Schwere der Krise. Aber die wichtigste Erkenntnis ist: Es gibt immer eine Erholung.

In den vergangenen Wochen hat man sie schon gesehen, der Dax ist deutlich gestiegen. Wie passt das zu den katastrophalen Wirtschaftsdaten?

Dieses Verhalten der Investoren ist vor allem eine Reaktion auf die Notenbankpolitik in der Krise. Viel neue Liquidität und noch länger extrem niedrige Zinsen treiben die Anleger an die Aktienmärkte, mehr oder weniger unabhängig von wirtschaftlichen Hiobsbotschaften. So war der Anstieg der Arbeitslosenquote in Deutschland in der Plötzlichkeit tatsächlich ohne Beispiel. Glücklicherweise liegt das Niveau immer noch sehr niedrig. Aber die Aktienmärkte vertrauen darauf, dass die Wirtschaft sich schnell wieder erholen wird.

Trotzdem ist der Rückschlag am Aktienmarkt noch lange nicht verdaut, Anfang des Jahres stand der Dax auf Rekordhöhe. Wer dort eingestiegen ist und in fünf Jahren wieder dort landet, hat fünf Jahre verloren.

Wer beim Maximum mit vollem Einsatz eingestiegen ist, war schlecht beraten. Sparkassen raten von Einmalanlagen eher ab und ziehen lieber einen schrittweisen Einstieg an den Märkten vor. Wer aber seit zehn Jahren dabei ist, hat Kurszuwächse und Dividenden gesehen und erlebt nicht mehr als einen Rücksetzer. An den Aktienmärkten gehören Schwankungen nun mal dazu! Dafür, dass der Anleger diese Schwankungen aushält, erhält er langfristig eine höhere Rendite als beim planbaren Sparbuch. Für manche Anleger ist das jetzt die Zwischenprüfung auf dem Weg zum Aktienabitur. Man kann nicht oft genug sagen, dass Aktien und Fonds langfristige Geldanlagen sind. Deswegen raten wir auch immer, schrittweise anzulegen – wie bei einem Sparplan.

Zur Person

Ulrich Kater  ist seit 2004 Chefvolkswirt der Deka-Bank. Er studierte Volkswirtschaftslehre in Göttingen und Köln und promovierte dort 1995 in Finanzwissenschaften. Die Deka-Bank ist das Wertpapierhaus der Sparkassenorganisation und einer der größten Fonds-anbieter in Deutschland.

Kann es sein, dass Sie Ihre Kunden nur beruhigen wollen, weil auch den Fondsgesellschaften zuletzt die Anleger weggelaufen sind?

Das kann ich jedenfalls für uns definitiv nicht bestätigen. Es gibt verschiedene Kundengruppen, die jetzt dringend Liquidität brauchen – das ja. Aber Verkäufe auf breiter Front – überhaupt nicht. Im Gegenteil: Wir hören von den Beratern in den Sparkassen, dass Kunden nach Einstiegsgelegenheiten fragen.

Und – soll man jetzt kaufen?

Man kann schrittweise wieder ans Aufbauen denken – wie gesagt: schrittweise und mit langfristiger Perspektive. Das heißt nicht, dass es von jetzt an nur noch aufwärtsgeht. Es bleiben unruhige Zeiten, und es werden sicher auch noch Tiefstände getestet.

Vor zehn Jahren gab es eine Kettenreaktion: erst die Bankenkrise, dann die Rezession, dann die Staatsschuldenkrise. Eins folgte auf das andere – über Jahre. Kann es wieder so kommen?

Die erste Welle der Panik ist dieses Mal am Finanzsektor abgeprallt. Das Bankensystem ist heute stabiler aufgestellt als 2009. Aber die Staatsschulden werden durch die riesigen Hilfsprogramme natürlich rapide steigen. Die Rettungsmentalität ist ja zum Normalfall geworden – und dieses Mal war der Notarzt schon da, bevor der Unfall überhaupt passiert war: An ökonomischen Daten war die Krise überhaupt noch nicht abzulesen und schon waren Rettungsnetze in bislang ungekannter Stärke gespannt. Die Erste Hilfe wird wirken, die Frage ist nur, wie es den Rettern hinterher geht.

Da wartet also die nächste Schuldenkrise?

Irgendwann kommt man nicht mehr an der Frage vorbei, wie man diese Last der Staatsschulden in einigen Ländern bewältigt. Aber die Europäer haben auch gelernt und werden eine akute Zuspitzung jetzt verhindern. Und erst einmal lösen die Notenbanken das Problem mit ihren Anleihenkäufen.

Interview: Stefan Winter

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