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An der Zapfsäule kommt das böse Erwachen: Das Auto verbraucht mehr, als vom Hersteller angegeben.

Interview

"Da gibt es ganz viele kleine Dinge"

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ICCT-Experte Peter Mock über die Trickserei.

Herr Mock, warum weichen die offiziellen Angaben der Autokonzerne derart drastisch vom realen Spritverbrauch ab?
Die Hersteller wenden immer noch diverse Tricks an und nutzen jede noch so kleine gesetzliche Schlupflücke aus. Niemand möchte hinter seinen Konkurrenten zurückstehen. Die Autokonzerne fürchten Wettbewerbsnachteile, wenn sie ehrliche Angaben zum Kraftstoffverbrauch machen. Der Kunde könnte ja zur Konkurrenz gehen. Dorthin, wo die Verbrauchsangaben niedriger liegen.

Wie wird geschummelt?
Da gibt es ganz viele kleine Dinge. Reifen werden extrem aufgepumpt. Das Profil wird abgeschabt, das Gummi im Ofen gehärtet. Die Klimaanlage wird ausgebaut, das Radio ausgestellt.

Seit September 2018 gelten schärfere Gesetze. Werden die Ergebnisse im nächsten Jahr ehrlicher ausfallen?
Für 2018 rechne ich noch nicht mit deutlich anderen Abweichungen. Allerfrühestens 2019 könnten die Angaben der Hersteller verbraucherfreundlicher werden. Das ICCT rechnet mit offiziellen Angaben der Hersteller, die um zehn bis 15 Prozent höher liegen werden als zurzeit – also realistischer sind. Aber niemand weiß, ob die Automobilkonzerne bis dahin nicht wieder neue Schlupflöcher gefunden haben.

Welche Auswirkungen haben geschönte Angaben auf die Klimabilanz Deutschlands?
Die Emissionen von CO2 hängen unmittelbar mit dem Spritverbrauch zusammen. Je höher der Verbrauch, desto höher die CO2-Emissionen. Das Problem ist aber nicht die Klimabilanz. Das Problem besteht darin, dass die Automobilverbände die offiziellen Herstellerangaben zugrundelegen und damit prahlen, sie würden Emissionen deutlich reduzieren. Dass das nicht stimmt, muss am Ende Kanzlerin Angela Merkel ausbaden, wenn sie den Vereinten Nationen die tatsächlichen CO2-Emissionen meldet.

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