Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Greenpeace-Protest gegen die andauernde Stromerzeugung aus Kohle
+
Greenpeace-Protest gegen die andauernde Stromerzeugung aus Kohle

Schwarzbuch Kohlepolitik

Gewerkschaft zofft sich mit Greenpeace

  • VonEva Roth
    schließen

Greenpeace bringt ein "Schwarzbuch Kohlepolitik" heraus. Daraufhin vergleicht die IG Bergbau, Chemie, Energie die Umweltschützer mit Rechtsextremen.

Beide sehen es als ihre Aufgabe, Unternehmen zu kontrollieren: Gewerkschaften und Umweltverbände achten darauf, dass Firmen nicht nur Gewinne erwirtschaften, sondern auch die Belange von Arbeitnehmern und Umwelt berücksichtigen. Doch nun ist die Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) heftig mit Greenpeace aneinandergeraten. „Die Umweltschutz-Organisation ist für die IG BCE kein ernstzunehmender Gesprächspartner mehr“, befindet die Gewerkschaft.

Stein des Anstoßes ist das „Schwarzbuch Kohlepolitik“ von Greenpeace, in der Politiker und Gewerkschafter porträtiert werden um zu zeigen, wie eng „Politik und Kohlewirtschaft miteinander verfilzt“ sind. Das Buch enthalte „verunglimpfende Unterstellungen“, schreibt IG-BCE-Chef Michael Vassiliadis in einem Brief an Greenpeace. „Den von Greenpeace gewählten Stil der persönlichen Diffamierung kennen wir sonst nur aus dem rechtsextremen Lager.“ Greenpeace sollte sein Verhältnis zu Demokratie und Mitbestimmung klären, so Vassiliadis.

Gewerkschaftler in Aufsichtsräten

Warum regt er sich so auf? In dem Schwarzbuch werden vor allem Politiker, aber auch Gewerkschafter kritisiert, weil sie Posten in Energiekonzernen innehaben. So weist das Schwarzbuch darauf hin, dass der Ex-IG-BCE-Vorstand Werner Bischoff Mitglied in RWE-Aufsichtsräten ist. „Bei RWE verdient Bischoff jährlich zwischen 160.000 und 230.000 Euro. Und er tut etwas für sein Geld: Den ersten rot-grünen Koalitionsvertrag in NRW bezeichnete er als einen Angriff auf die Kohle.“

Was Greenpeace nicht erwähnt: Arbeitnehmer-Vertreter wie Bischoff müssen ihre Aufsichtsrats-Vergütung fast vollständig an die Hans-Böckler-Stiftung und andere gemeinnützige Einrichtungen abführen. „Ich bin gern bereit, die Abführungen der Tantiemen notariell zu bestätigen“, schreibt Vassiliadis. Greenpeace schreibe gar nicht, dass der Gewerkschafter das Geld einstecke, verteidigt ihr Energie-Experte Niklas Schinerl. Doch wird genau dieser Eindruck erweckt.

Das Schwarzbuch hebt nicht nur auf Vergütungen ab. Allein die Tatsache, dass Gewerkschafter in Aufsichtsräten sitzen, wird ins Zwielicht gerückt. Vassiliadis gehöre dem Kontrollgremium bei den Chemiekonzernen Henkel, BASF und Evonik an, schreiben die Autoren und schlussfolgern: „Im Dienste der Chemieindustrie fordert er niedrigere Strompreise“.

Nun schreibt das Mitbestimmungsgesetz nun einmal vor, dass in Aufsichtsräten nicht nur Anteilseigner, sondern auch Arbeitnehmer-Vertreter sitzen. Sollen Gewerkschafter auf dieses Mitbestimmungsrecht verzichten, damit sie von Greenpeace nicht an den Pranger gestellt werden? Nein, betont der gemeinnützige Verein Lobby-Control. „Grundsätzlich ist es richtig, dass Gewerkschafter in Aufsichtsräten sitzen“, sagt Sprecher Timo Lange. Dies bedeute in der Regel auch, dass sie sich nicht nur für Arbeitnehmer-Interessen einsetzen, sondern auch für die Branche. Da gerate man eben auch in Konflikt mit Umweltbelangen.

Absurder Vergleich

Dass Gewerkschaften und Umweltschützer andere Positionen vertreten, ist logisch und legitim. Mit dem Schwarzbuch versucht Greenpeace aber, die Gewerkschafter zu diskreditieren. Dass die IG BCE Greenpeace gar mit Rechtsextremen vergleicht, nennt Schinerl absurd. Die Gewerkschaft solle zu den Inhalten des Schwarzbuchs Stellung nehmen. Doch die lehnt ab. Es gebe noch andere Umweltverbände, mit denen man den öko-sozialen Dialog führen könne.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare