Öffentlicher Dienst

Gewalt gegen Krankenschwestern und Co: „Prellbock für angestauten Ärger“

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  • Pauline Rabe
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Zwei Drittel der Beschäftigten im öffentlichen Dienst erleben laut einer DGB-Umfrage Angriffe und Beleidigungen. Gewerkschaftsbund vermutet Personalmangel und Sparmaßnahmen als einen Grund.

Im Arbeitsalltag beleidigt, bespuckt oder getreten zu werden, ist für sie Normalität: Zwei Drittel der Mitarbeiter im öffentlichen Dienst haben in den vergangenen zwei Jahren Beleidigungen und tätliche Angriffe erlebt. Das hat eine Umfrage des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) ergeben. Um diesen Umstand ins öffentliche Bewusstsein zu tragen, hat der DGB nun die Initiative „Vergiss nie, hier arbeitet ein Mensch“ gestartet.

Die Beschäftigten würden zum „Prellbock für angestauten Ärger und Frustration“ gegenüber dem Staat, sagt Elke Hannack, stellvertretende DGB-Vorsitzende, am Mittwoch bei der Auftaktveranstaltung der Initiative in Berlin. „Dabei sorgen genau diese Menschen dafür, dass unser Alltag funktioniert – im Großen wie im Kleinen.“

Für die DGB-Studie wurden insgesamt 2000 Beschäftigte befragt. Viele gaben an, dass die Gewalt in den vergangenen zehn Jahren zugenommen habe. Die Folgen für die Opfer von Übergriffen sind oft schwerwiegend. Neben Krankheitstagen benötigten laut der Umfrage 15 Prozent der Befragten eine stationäre oder psychotherapeutische Behandlung. Knapp 34 Prozent der Mitarbeiter wünschen sich, die Arbeitsstelle zu wechseln.

Teil der Initiative sind sieben emotionale Plakatmotive, die seit dem 18. Februar im ganzen Land hängen. Zu sehen sind Betroffene in ihrer Arbeitskleidung. Auf dem Plakat der Krankenschwester Simone Witzel steht: „Ich versorge deine Wunden. Und du spuckst mich an?“ Große Hoffnung, dass die Kampagne tatsächlich etwas in der Gesellschaft bewirkt, hat die Berlinerin aber nicht. Seit 36 Jahren arbeitet Witzel als Krankenschwester, 20 davon in Rettungsstellen. „Die Gewalt gegenüber uns Schwestern hat jedes Jahr zugenommen“, erzählt sie. Die Folge: Wo früher noch der Eingang frei zugänglich war, gibt es heute verschlossene Türen und einen Wachdienst rund um die Uhr.

Der Gewerkschaftsbund fordert eine systematische Erfassung aller Vorfälle in allen Bereichen des öffentlichen Sektors – bei Polizeibeamten und Rettungskräften wird dies bereits getan – und mehr Geld für die öffentliche Hand. Personalmangel, dürftige Ausstattung, schlechte Services und ein hoher Bürokratieaufwand seien häufig Auslöser für Aggressionen bei Bürgerinnen und Bürgern.

Laut DGB-Umfrage fühlen sich die Betroffenen häufig nicht von ihren Vorgesetzten unterstützt und bringen Beleidigungen deshalb nicht zur Anzeige. Jede zweite Dienststelle verfüge darüber hinaus nicht einmal über einen Notfallplan im Falle eines Übergriffs.

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