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Wie leergefegt: Ein Strand im türkischen Antalya Ende Juli.
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Wie leergefegt: Ein Strand im türkischen Antalya Ende Juli.

Tourismus

Getrübte Reiselust

  • vonStefan Sauer
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Terrorangst und politische Instabilität: Die Tourismusbranche meldet sinkende Umsätze.

Der Reiselust der Deutschen schien in den vergangenen Jahrzehnten nichts etwas anhaben zu können. Konjunktureinbrüche, Naturkatastrophen und selbst Terroranschläge führten zwar zu vorübergehenden Einbußen in den betroffenen Regionen, der Markt insgesamt aber wuchs weiter. Nun aber scheinen Grenzen erreicht. Die führenden Reiseveranstalter Tui und Thomas Cook vermelden sinkende Umsätze für diesen Sommer.

Und auch die Aussichten auf das Wintergeschäft sind angesichts eines Buchungsrückgangs von bis zu zehn Prozent eher trostlos. „Die Rahmenbedingungen ändern sich rasant“, so die überaus nüchtern formulierte Analyse des Präsidenten des Bundesverbands der deutschen Tourismuswirtschaft (BTW), Michael Frenzel.

Mit Rahmenbedingungen umschrieb Frenzel am Montag auf dem BTW-Tourismusgipfel in Berlin die wachsende Zahl der Terrorakte und die politische Instabilität in wichtigen Zielländern. Die Anschläge in Istanbul, Ankara, Paris und Nizza, der Putschversuch in der Türkei mit Massenverhaftungen und Verhängung des Ausnahmezustands sowie anhaltende Unruhen in nordafrikanischen Ländern haben dem Tourismus in diesen Regionen drastische Einbußen beschert.

So werden in diesem Jahr nicht 5,6 Millionen Urlauber aus Deutschland die Türkei besuchen, sondern allenfalls drei Millionen. Die Ausweichziele im westlichen Mittelmeer, allen voran Spanien, sind im Sommer an ihre Aufnahmegrenzen gestoßen, insbesondere was die Bettenzahlen angeht. So konnten Fluglinien wie Easyjet frei gewordene Transportkapazitäten nicht in vollem Umfang auf Ziele in Spanien, Portugal und Griechenland umlenken, schlicht weil dort die Hotels ausgebucht waren.

Dies ist aber nicht der einzige Grund für die Einbußen von Veranstaltern und Fluggesellschaften. Mittlerweile schlagen die wiederkehrenden Terrorakte offenbar zielunabhängig auf die Reiseneigung durch. Bereits Ende 2015 hatten in einer Erhebung der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) deutlich weniger Befragte als in den Vorjahren angegeben, 2016 sicher eine Urlaubsreise antreten zu wollen. Nach den bisher vorliegenden Branchenzahlen ist die Zurückhaltung seither eher gewachsen. Marktführer Tui meldete für das zweite Quartal 2016 einen Rückgang des Konzernumsatzes im Touristikgeschäft um fünf Prozent.

Auch beim Konkurrenten Thomas Cook gingen die Buchungszahlen in der sommerlichen Hochsaison um fünf Prozent zurück. Anders als Tui mussten die Briten zwischen April und Juni zudem einen drastischen Gewinneinbruch von mehr als 90 Prozent gegenüber 2015 hinnehmen. Der Ertrag ging auf nur noch zwei Millionen Pfund zurück. Daraufhin senkten die Briten ihre Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr, das in der Reisebranche am 30. September endet, von 335 auf 300 Millionen Pfund.

Baldige Besserung ist nicht in Sicht. Denn zusätzlich machen die Folgen des Brexit dem Unternehmen zu schaffen: Britanniens Urlauber mussten durch den Verfall des Pfundes empfindliche Wechselkurseinbußen und damit steigenden Preise hinnehmen, was die an sich durchaus ausgeprägte Reiselust des Inselvolkes dämpfte.

Demgegenüber laufen die Geschäfte der deutschen Gastbranche zufriedenstellend. Zwar gingen im Juni die Übernachtungszahlen von ausländischen Gäste in hiesigen Betrieben mit mindestens zehn Betten um 0,7 Prozent auf 7,2 Millionen zurück. Im gesamten ersten Halbjahr wurden nach Angaben des Statistischen Bundesamts aber 35,5 Millionen Übernachtungen ausländischer Gäste in den Hotels gezählt, 3,3 Prozent mehr als 2015.

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