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Auch die Mitarbeiter des Sicherheitspersonals nehmen am Frankfurter Flughafen am Warnstreik teil.

Flughafen Frankfurt

Gestrandet am Flughafen

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Am größten deutschen Airport wird gestreikt - viele Menschen stehen ratlos in der Frankfurter Abfertigungshalle.

Streik am Frankfurter Flughafen, keine Sicherheitskontrollen, keine Abfertigung für 18 Stunden. Eigentlich müsste die Halle vom Terminal 1 fast leer sein, doch das Bild am gestrigen Dienstagvormittag ist ein anderes. Hunderte Menschen laufen durch das weiträumige Gebäude. Ein Teil sind Polizisten, Flughafenmitarbeiter und Streikende mit orangen und rosa Warnwesten, die Mehrheit aber sind Flugreisende.

Mit Koffern, Taschen und Rucksäcken stehen sie vor der großen Abflugtafel, doch hinter 57 von 100 Verbindungen steht das Wort „canceled“ – gestrichen. Viele Menschen haben das Telefon am Ohr, andere suchen Hilfe bei den Mitarbeitern an den Flugschaltern. Wer einen Inlandflug hat, wird auf die Bahn umgebucht und erreicht sein Ziel. Ein Vormittags-Flug nach Bahrain ist auf 20.30 Uhr verschoben, wenn der Streik vorbei ist.

Weniger Glück haben Simone Buderus und ihre Reisebegleiter. Ihr Ziel ist Tel Aviv in Israel und natürlich ist ihr Flug gestrichen. „Eigentlich wollten wir gar nicht herkommen. Der Streik war ja lange angekündigt gewesen“, sagt die Frau aus dem Taunus. Doch ihre Reisegesellschaft RSD hatte sie im Vorfeld extra noch mal angerufen und gesagt, dass sie fünf Stunden vor Abflug am Frankfurter Flughafen sein sollten. Ihr Flug solle nun von Stuttgart aus starten. „Doch ist im Zug nach Stuttgart überhaupt noch Platz? Und wer bezahlt uns die Fahrt“, fragt Buderus verärgert, während ihr Mann weiter am Handy in der Warteschleife des Anbieters hängt. Verständnis für den Streik hat die Frau nicht. „Jeder Handwerker verdient weniger Geld.“ Zwanzig Euro sei ein hoher Stundenlohn für einen ungelernten Job als Sicherheitskraft am Flughafen. „Die sollten sich mal Gedanken machen, wer sonst 20 Euro pro Stunde verdient“, schimpft Buderus. 

Hakan Cicek vom Betriebsrat bei Fraport möchte hingegen eine Lanze für die Sicherheitsmitarbeiter brechen. „Es gibt keine Ausbildung dafür, weil es eine sehr individuelle Tätigkeit ist.“ Die Mitarbeiter würden bedarfsgerecht über die Bundespolizei geschult und auch ausgebildet. Bloß weil dem keine vollwertige Berufsausbildung zu Grunde liege, sei die Arbeit nicht weniger anspruchsvoll oder wichtig. „Diese Menschen sorgen für die Sicherheit von allen Flugreisenden.“

Es fehle an der richtigen Wahrnehmung in der Bevölkerung, was die Sicherheitskräfte eigentlich machen und leisten. Zudem seien 20 Euro im Ballungsraum durchaus legitim. „Wer im Umfeld des Flughafens wohnt, hat hohe Lebenshaltungskosten.“

Verständnis für den Arbeitskampf des Sicherheitspersonals hat auch Moe. Seinen Nachnamen möchte der junge Mann nicht nennen. Er ist gemeinsam mit seiner Freundin Sandra am Morgen aus Bonn angereist. Eigentlich wollte er schon im Flieger nach Helsinki sitzen. Doch statt in der Economy-Class sitzt er nun auf dem Boden des Frankfurter Flughafens. Sein Flug wurde abgesagt und er wurde auf den nächsten Flieger 24 Stunden später gebucht. Doch jetzt sind beide in Frankfurt gestrandet. „Wir haben kein Fernsehen und waren in den letzten Tagen wandern“, erzählt Sandra. Dadurch hätten sie nichts vom Streik mitbekommen. „Die Fluggesellschaft zahlt uns keine Rückfahrt und auch keine Unterkunft“, erklärt die junge Frau. Sie ärgert sich, dass sie nicht wenigstens per E-Mail benachrichtigt wurde. Mit etwas Glück kommen beide in der Nacht bei Freunden unter. „Aber ich weiß in so einem Fall leider auch nicht, was meine Rechte sind. Ich muss auf die Aussagen der Airline vertrauen“, sagt Moe auf Englisch.

Außerhalb der Abflughalle haben sich die Streikenden am Tor 3 des Flughafens versammelt. Mehr als 600 Menschen, so schätzt die Polizei, stehen in einem Halbkreis um einen Lkw und hören den Rednern der Gewerkschaft zu. Mit Trillerpfeifen und Ratschen machen sie Radau. Sie tragen gelbe oder rosa Warnwesten. Banner werden in die Luft gehalten. Zwei Männer erzählen auf Nachfrage aus ihrem Arbeitsalltag. Ihre Namen wollen sie vorsichtshalber nicht nennen. Seit gut vier Jahren sind sie bei der Sicherheitskontrolle. „Eine Schicht geht nicht selten zehn Stunden oder länger“, berichtet der 30-Jährige. Die Schichtpläne werden kurzfristig bekanntgegeben, anschließend beginne oft das große Tauschen, das immer noch genehmigt werden müsse. „Mal beginnt man um 4 Uhr, tags darauf um 5, dann wieder um 4“, sagt sein 32-jähriger Kollege. Es sei ein Chaos und ein Schlafrhythmus könne sich nicht entwickeln. Von genervten Passagieren, Handgreiflichkeiten und verbalen Angriffen sprechen sie nur beiläufig. Der Druck sei hoch und die Sicherheitskräfte oft der Sündenbock. Beide ärgern sich über die veraltete Technik im B-Bereich des Terminal 1. „Die Geräte sind alt, laut und erschweren die Arbeit. In anderen Bereichen gibt es die neuste Technik. Wann wird mal der B-Bereich modernisiert?“, fragt der 32-Jährige.

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