Ausstiegsplan

Gestaffelter Neustart

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Eine interdisziplinäre Forschergruppe plädiert für eine stufenweise Lockerung der Corona-Beschränkungen. Den Anfang sollen hochautomatisierte Fabriken und Schulen machen.

Die derzeitigen Einschränkungen des öffentlichen Lebens und der heimischen Wirtschaft sollen differenziert und unter Abwägung medizinischer Risiken nach und nach gelockert werden. Das fordert eine 14-köpfige Expertengruppe unter Führung von Ifo-Chef Clemens Fuest und des Präsidenten der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte, Martin Lohse. Priorität hätten dabei Beschränkungen, die hohe wirtschaftliche Kosten verursachen oder zu starken sozialen wie gesundheitlichen Belastungen führen. Regionen mit niedrigen Infektionsraten und freien Kapazitäten im Gesundheitssystem sollten beim allmählichen Neustart vorangehen.

Beginnen sollten zudem Sektoren mit niedriger Ansteckungsgefahr wie etwa hochautomatisierte Fabriken sowie Bereiche mit weniger gefährdeten Personen wie Schulen und Hochschulen, erklärt die interdisziplinäre Forschergruppe in ihrem Positionspapier. „Die aktuellen Beschränkungen sind sinnvoll und zeigen erste Wirkung“, betont Mediziner Lohse. Wirtschaftliche, soziale und auch medizinische Nebenwirkungen seien aber teils gravierend, etwa für Menschen mit schweren Erkrankungen, deren Behandlung aktuell erschwert ist.

Weil Deutschland damit rechnen müsse, dass die Pandemie Gesellschaft und Wirtschaft noch monatelang begleitet, brauche man eine flexible und nach Risiken gestaffelte Strategie, wirbt Lohse. Ein genereller Shutdown sei keine langfristige Lösung. „Gesundheit und stabile Wirtschaft schließen sich keineswegs aus“, meint Fuest als Chef des Münchner Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung.

Auch neue Kapazitäten zur Bewältigung der sozialen und psychischen Folgeschäden der Pandemie müsse man schaffen, fordern die Experten.

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