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„Gespräch mit Chef suchen“

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Vor allem jüngere Arbeitnehmer greifen vermehrt auch zu leistungssteigernden Substanzen wie Amphetaminen.
Vor allem jüngere Arbeitnehmer greifen vermehrt auch zu leistungssteigernden Substanzen wie Amphetaminen. © dpa

Arbeitnehmer fehlen immer häufiger, weil sie falschen Umgang mit Zigaretten, Alkohol, Tabletten oder illegalen Drogen haben. Psychiater Arnim Quante, Oberarzt an der Berliner Charité, über Suchtprobleme im Beruf.

Arbeitnehmer fehlen immer häufiger, weil sie falschen Umgang mit Zigaretten, Alkohol, Tabletten oder illegalen Drogen haben. Psychiater Arnim Quante, Oberarzt an der Berliner Charité, über Suchtprobleme im Beruf.

Herr Quante, können Sie bestätigen, dass Suchterkrankungen zunehmen?
Gerade bei Männern ist der vermehrte Konsum von Suchtmitteln eine Strategie, mit Druck und Stress umzugehen. Vor allem in der Altersgruppe 30 bis 50 haben wir zunehmend Patienten, die einen Alkoholentzug machen wollen. Cannabis ist in allen Teilen der Gesellschaft angekommen, nicht nur bei jungen Leuten.

Was bewirken Drogen?

Sie unterdrücken Symptome. Man hat Stress, Schlafstörungen, Ängste, Unruhe, denkt an die Arbeit oder das, was man nicht geschafft hat. Und versucht gegenzulenken, indem man Substanzen konsumiert, die relaxt machen. Das ist meist Alkohol.

Was soll man tun, wenn man in den Kreislauf einer Sucht gerät?

Wenn man merkt, dass man aufgrund von Stress oder Burnout mehr Alkohol konsumiert, dann sollte man Hilfe in Anspruch nehmen, zum Beispiel von Suchttherapeuten – Psychiatern oder Psychologen. Es gibt auch Selbsthilfegruppen. Ich finde es aber sehr wichtig, zunächst mit seinem Arzt darüber zu sprechen, um zu sehen, ob man bereits alkoholabhängig oder sogar schon körperlich geschädigt ist. Dann sollte man einen Entzug oder eine Entwöhnungstherapie machen.

Wie bemerkt man ein depressives Syndrom, das oft hinter zu viel Alkoholkonsum steckt?

Erstes Anzeichen ist das Gefühl, nicht mehr zu können. Man schläft schlecht. Dann versucht man das mit Suchtmitteln zu therapieren. Neben Alkohol etwa Benzodiazepine (Beruhigungs- oder Schlafmittel, d.Red.), die vom Arzt verschrieben werden. Wenn der nicht aufpasst, kann das gefährliche Folgen haben. Irgendwann lassen sich Schlafstörungen nicht mehr bekämpfen. Irgendwann bewältigt man Arbeit und Alltag nicht mehr.

Was macht man, wenn der Arbeitsdruck zu groß ist?

Wenn man Stress im Job als Verursacher seiner Probleme identifizieren kann, ist es ratsam, mit dem Chef ein Gespräch zu führen und zu sagen: Ich fühle mich überlastet, schaffe das Pensum nicht. Man könnte auch eine Vertrauensperson ansprechen oder den Betriebsarzt. Wenn der Druck weiter wächst und es keine Chance gibt, das Pensum einzuschränken, muss man sich auch nach Alternativen umschauen.

Interview: Torsten Harmsen

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