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US-Sexualtherapeutin Ruth Westheimer sorgt sich um das Liebesleben der Amerikaner in Zeiten der Finanzkrise.

USA

Das Geschäft mit dem Sex in der Krise

"Stimulus plan" heißt Präsident Obamas Konjunkturpaket. Auf eine ganz andere Art der Stimulierung setzt die Sex-Industrie in den USA. Von Rita Neubauer

Von Rita Neubauer

San Francisco. "Recession and divorce go together like carriage and horse", heißt es in den USA. Anders gesagt, eine wirtschaftliche Rezession ist gut für Scheidungsanwälte. Denn, so die Theorie, ein fettes Bankkonto macht die alltäglichen Frustrationen einer Ehe erträglicher. Ein Leeres Konto dagegen sorgt für Stress, Depressionen und Flaute im Federbett.

Der Erotik-Handel hat das bereits erkannt. Mag er sich auch nicht zum Retter ehelicher Gemeinschaften aufschwingen, er setzt auf den Krisen-Sex als erschwingliches Vergnügen. Die Rationale: Abendessen und Kino für zwei verschlingt leicht 100 Dollar, während ein Dinner zu Hause und ein Video im Bett dem Geldbeutel und der Zweisamkeit gut tut.

Das heißt: die Branche diversifiziert. Kondom-Hersteller verkaufen neuerdings Dildos und anderes Sexspielzeug. Und mit cleverem Marketing dient sie sich plötzlich in Publikationen wie "Rolling Stone" oder "Men’s Health" dem Durchschnittspublikum an.

Sexspielzeug-Hersteller Liberator vermarktet sich im Magazin des Seniorenverbandes AARP als Firma, der "Beziehungen am Herzen" liegen. Gleitmittel-Hersteller K-Y hat eine Produktlinie mit Namen Yours+Mine und dem Slogan "Try K-Y and see what happens" - Testen Sie K-Y und schauen Sie, was passiert - kreiert.

Sex-Seminare für junge Mütter

"Babeland", ein Sexspielzeug-Imperium in Brooklyn, New York, offeriert jungen Müttern Sex-Seminare samt einer Windelwechsel-Station. Selbst traditionelle Discounter wie Wal-Mart oder Target sind sich nicht zu schade, das "Cocooning", den Rückzug ins Private also, mit Vibratoren, Massage-Ölen und die Sexualität steigernden Mittelchen so angenehm wie möglich zu gestalten.

"Babeland" und Co liegen auf der richtigen Linie. Während im vergangenen Jahr die Investmentbank Lehman Brothers pleite machte und andere Branchen ins Minus rutschten, erfreute sich der Sexladen steigender Beliebtheit. Die Umsätze lagen um 25 Prozent höher im Herbst im Vergleich zum Vorjahr.

Seit Grün in den USA in ist, versucht mancher Erotik-Händler auch hier mitzumischen und labelt seine Produkte als frei von Phthalaten, Weichmachern im Plastik, die immer wieder mit einer bestimmten Art Krebs in Verbindung gebracht werden.

Andererseits gehört Jammern zum Geschäft. Selbst die Porno-industrie, die jährlich Milliarden umsetzt, betreibt Krisen-Prophylaxe. Sie hält wie die Banken und die Autohersteller die Hand auf und fordert fünf Milliarden Dollar aus dem Konjunkturpaket von Barack Obama. "Die Menschen sind zu deprimiert, um Sex zu haben", argumentiert Porno-König Larry Flynt. "Das ist ungesund für die Nation."

Banker-Groupies leiden

Ein paar gute Seiten versuchen Psychologen der Rezession abzugewinnen. "Man muss den Paaren verständlich machen, dass der Wirtschafts-Tsunami nicht nur in den boardrooms, sondern auch in den bedrooms Auswirkungen zeigt", schreibt die Sex-Therapeutin Ruth Westheimer im "Forbes"-Magazin. Ihr Ratschlag: "Mit Essen kommt auch der Appetit."

Mag sein, muss aber nicht, klagt hingegen eine Gruppe frustrierter Frauen, die sich in einer Selbshilfegruppe mit dem köstlichen Namen "Dating a Banker Anonymous" (Daba) zusammengetan hat. Es sind sogenannte Banker-Groupies, die plötzlich mit der Krise auch Probleme mit ihrem Private Equity-Analysten oder ihrem Investment Banker haben.

Hat dieser doch derzeit keine Zeit mehr, da er entweder mit Zähnen und Klauen um seinen Job kämpft oder selbst in Geldschwierigkeiten geraten ist nun auch die ach so lieb gewonnene Kreditkarte seiner Freundin einkassiert oder aber sich gar selbst an Letztere klammert, um sein Ego zu streicheln.

Kurz: Aus den Alpha-Männchen ist die Luft raus und ihre hübschen Freundinnen fragen sich plötzlich, was sie nur bloß in ihnen gesehen haben. Werden sie zudem noch von ihrem Banker Boyfriend schnöde abserviert oder finden sich statt in Luxus-Restaurants beim Italiener wieder, dann ist der Jammer groß.

Auf ihrem Blog (dabagirls.com/) findet sich gar eine Richterskala, die die Girls der FBFs (Financial Guy-Boyfriends) täglich über die Kalamitäten an der Wall Street warnt. Rot heißt, der Dow ist im freien Fall und es ist besser, mit der Freundin eine Pediküre zu planen als auf eine Fussmassage zu Hause zu hoffen. Gelb bedeutet, die Stimmung des Banker-Boyfriend ist gut, und Grün ist die Hoffnung auf bessere Zeiten - wie am Tag als Barack Obama ins Weiße Haus einzog.

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