Escada-Schriftzug (Archivbild)
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Escada-Schriftzug (Archivbild)

Escada

Gerloff bittet zur Kasse

Für seine erfolgreiche Insolvenzverwaltung hat der Rechtsanwalt Christian Gerloff fünf Millionen Euro in Rechnung gestellt. Für zehn Wochen Arbeit hat ein Gericht das auch bewilligt.

Von Thomas Magenheim

Die letzte Zeile der Vergütungsberechnung des Insolvenzverwalters der Münchner Modefirma Escada hat es in sich. "Gesamtbetrag brutto Euro 5.053.705,73" hat Rechtsanwalt Christian Gerloff ausgerechnet. Fast die gesamte Summe von über fünf Millionen Euro hat ihm das Amtsgericht München für die zehnwöchige Arbeit seiner Kanzlei Ende 2009 bewilligt.

Außer Frage steht, dass Gerloffs Team die Pleitefirma vor der Zerschlagung bewahrt und ihr zu einem neuen Leben verholfen hat. Den Lohn der Arbeit finden dennoch manche überzogen. Die Aktionärsschutzvereinigung SdK will die Zahlung per Beschwerde verhindern.

Insolvenzrechtler Hans Haarmeyer spricht von Selbstbedienung. Der an der Fachhochschule Koblenz tätige Professor ist auch Vorsitzender der Gläubigerschutzvereinigung Deutschland (GSV), die es sich zum Ziel gesetzt hat, Licht in von der Öffentlichkeit oft abgeschottete Insolvenzverfahren zu bringen. Haarmeyer hält Gerloffs Rechnung für falsch und völlig überzogen. Allenfalls 800.000 bis eine Million Euro seien als Vergütung gerechtfertigt.

Zumal die Münchner Kanzlei jetzt erst ihre vorläufige Insolvenzverwaltung in Rechnung stelle und ein zweiter Anspruch für das eigentliche Insolvenzverfahren noch folge. Das bestätigt ein Sprecher Gerloffs. Dieser selbst bezeichnet seine Ansprüche als korrekt. "Die vom Amtsgericht München festgesetzte Vergütung bewegt sich im üblichen Rahmen für Verfahren dieser Größe", beteuert Gerloff.

Escada sei ein sehr komplexer und unter hohem Zeitdruck stehender Fall gewesen. Seine Kanzlei habe daran mit dem kompletten Personal von rund 50 Personen gearbeitet und "erhebliche" Aufwendungen gehabt. Beziffern will Gerloff sie nicht. Aber er begrüße die Prüfung seiner Rechnung. Dazu kommt es nach dem Protest von Rechtsanwalt Leo Plank im Auftrag der SdK. Das Amtsgericht habe völlig überhöhte Vergütungsansätze übernommen. "Im Ergebnis findet hier eine kaum verhohlene Selbstbereicherung des Insolvenzverwalters auf Kosten der durch die Insolvenz mehr als ausreichend geschädigten Gläubiger statt", schreibt Plank.

Die SdK ist der einzige Gläubiger, der Gerloffs Forderung fristgerecht angefochten hat, sagt ein Sprecher des Insolvenzverwalters. Das sei auch nicht verwunderlich, kontert Haarmeyer. Vergütungen von Insolvenzverwaltern würden von Gerichten lediglich im Internet publik gemacht, quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Viele Gläubiger wüssten gar nicht oder erst nach Ablauf der zweiwöchigen Einspruchsfrist, welche Summen verlangt würden.

Viele Insolvenzverfahren seien intransparent, was die GSV ändern wolle, indem sie einzelne Fälle publik macht. So wie bei Escada laufe es oft, sagt Haarmeyer. Amtsgerichte seien vielfach im Vergütungsrecht überfordert. Gerloff habe bei Escada den 18fachen Regelsatz in Rechnung gestellt und liege damit "völlig außerhalb des Systems", kritisiert Haarmeyer. Dagegen weist der Münchner Insolvenzverwalter in seinen Berechnungen einen 4,5fachen Satz aus. Einen bloßen Rechenfehler will keiner der Experten begangen haben.

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