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Gericht stärkt Rechte von Piloten

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Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit begrüßt das Urteil des Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg.
Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit begrüßt das Urteil des Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg. © REUTERS

Ein Pilot darf bei Fluguntauglichkeit nicht einfach entlassen werden. Die Airlines müssen ihm eine alternative Stelle anbieten. Das urteilte das Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg.

Von Petra Sorge

Fluggesellschaften dürfen fluguntaugliche Piloten nicht automatisch entlassen, ohne ihnen vorher einen anderen Arbeitsplatz anzubieten. Das urteilte das Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg am Mittwoch – und gab der Klage des Ex-Flugkapitäns Günter Knorr statt. Eine Revision wurde nicht zugelassen.

Die Germania hatte seine Entlassung mit einer Klausel im Rahmenarbeitsvertrag von Piloten begründet. Demnach führt der Verlust der medizinischen Fluglizenz auch zum Verlust des Arbeitsplatzes. Kritiker sehen darin eine Gefahr für die Luftsicherheit: Erkrankte Piloten könnten aus Existenzängsten mögliche Erkrankungen verschweigen.

Der Kläger Knorr war erstmals 2009 an Erschöpfung, Konzentrationsstörungen und Schlafmangel erkrankt. Nach mehreren Monaten im Dienst kamen Nervenleiden, Sprachstörungen, Vergesslichkeit und Koordinationsprobleme hinzu. Im November 2010 wurde er für fluguntauglich erklärt und unbezahlt freigestellt, 2016 entlassen.

Seine Symptome erklärt er mit dem „aerotoxischen Syndrom“, das Betroffene auf giftige Kabinenluft zurückführen. Der Anwalt der Germania bezweifelte die Existenz einer solchen Erkrankung. Forscher am Institut für Arbeitsmedizin der Uni Göttingen fanden 2016 allerdings in Blut- und Urinproben von Kabinenpersonal flüchtige organische Verbindungen, die Nervenschäden wie bei Knorr auslösen können. Sie entstehen, wenn sich Kerosin, Öle oder Enteisungsmittel in den Triebwerken erhitzen und über die Klimaanlage in die Kabinenluft geraten.

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit begrüßte das Urteil. „Es kann nicht sein, dass sich die Airlines bei schwerwiegenden Erkrankungen von Kollegen einfach so aus der sozialen Verantwortung stehlen dürfen“, sagte Vorstandsmitglied Jörg Handwerg. „Wir haben schon im Fall des Germanwings-Co-Piloten Lubitz gesehen, wohin solche Regelungen führen können.“ Die Untersucher des Falls hätten den Behörden empfohlen, für Kollegen, die ihre Lizenz verlieren, ein Auffangnetz zu schaffen.

In einem ähnlich gelagerten Fall hatte das Landesarbeitsgericht Hessen im Dezember einer Klage gegen die Lufthansa stattgegeben. Auch dort hatte das Unternehmen keine Beschäftigungsmöglichkeiten außerhalb des Cockpits geprüft, sagt die Frankfurter Arbeitsrechtlerin Martina Stickler-Posner, die in beiden Fällen die Piloten vertritt. „Hier wurde ganz klar der Kündigungsschutz umgangen.“

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