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Rohstoffe

Geplünderte Erde

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Das UN-Umweltprogramm fordert eine Umkehr beim Verbrauch von Ressourcen wie Erdöl, Kohle, Kies und Sand. Ungebremst würde der Verbrauch bis 2050 drastisch steigen.

Der globale Hunger nach Rohstoffen wie Erdöl und Kohle, Metalle, Kies, Sand und anderen Ressourcen ist nicht gestillt. Gibt es keine Trendwende, wird sich der Verbrauch bis 2050 gegenüber heute fast verdreifachen, wie ein neuer Report des UN-Umweltprogramms Unep zeigt. Pro Jahr müssten dann 180 Milliarden Tonnen Material aus und von der Erde geholt werden, um den Bedarf der dann voraussichtlich rund zehn Milliarden Menschen an Lebensmitteln, Energie, Wohnraum und Mobilität zu decken – pro Kopf wären das rund 18 Tonnen. Unep warnt vor den Folgen eines solchen Raubbaus: verschärfter Klimawandel, steigende Luftverschmutzung, schwindende Artenvielfalt und Konflikte um Rohstoffe.

Seit den 1970er Jahren nimmt der Ressourcenverbrauch stark zu. In den vier Jahrzehnten bis 2010 stieg er von 22 auf 70 Milliarden Tonnen. Besonders ausgeprägt zeigt die Kurve seit 2000 nach oben. Hauptgrund ist der Wirtschaftsboom in Schwellenländern wie China, Brasilien und Südafrika. Für die wachsende Industrie und die rasante Verstädterung dort wird laut Report eine „beispiellose Menge an Eisen, Stahl, Zement und anderem Baumaterial benötigt“.

Die Hoffnung, den Trend mit Hilfe eines effizienteren Einsatzes von Rohstoffen und mit Recycling umzukehren, hat sich nicht erfüllt. Seit 1990 gab es nach der Analyse der Unep-Experten nur noch geringe Fortschritte in der globalen Materialeffizienz. Etwa seit der Jahrtausendwende sinkt sie sogar. Das heißt: Es wird heute im weltweiten Durchschnitt mehr Material pro Einheit der Wirtschaftsleistung verbraucht als um 2000. Ursache: Der Schwerpunkt der Produktion hat sich von relativ material-sparsame Ökonomien wie den EU-Ländern, Japan und Südkorea nach China, Indien und Südost-Asien verlagert, deren Unternehmen weniger effizient wirtschaften.

Bei der Nutzung der Ressourcen gibt es weiterhin sehr große Ungleichgewichte. Die reichsten Nationen verbrauchen für jeden ihrer Bürger rund zehnmal so viel Rohstoffe wie die ärmsten. Die USA, Kanada und die EU-Staaten liegen mit einem „Material-Fußabdruck“ von 20 bis 25 Tonnen pro Kopf an der Spitze, die afrikanischen Länder hingegen kommen im Schnitt auf weniger als drei Tonnen, einige bleiben noch deutlich darunter. Die Schwellenländer haben sich zunehmend den Werten der alten Industrieländer angenähert. Entwicklungsländer in Asien und Lateinamerika liegen bei neun oder zehn Tonnen.

Aufgabe für die Menschheit

Die Expertin Alicia Barcena Ibarra warnt: „Das alarmierende Tempo, mit dem die Ressourcen gewonnen werden, hat bereits heute schwerwiegende Folgen auf die Gesundheit der Menschen und ihre Lebensqualität“. Es sei offensichtlich, dass die derzeitigen Produktions- und Konsummuster nicht nachhaltig sind. Die Staaten müssten dieses Problem dringend angehen, bevor die Ressourcen erschöpft seien, die gebraucht würden, „um die Armut weltweit zu beseitigen“. Das „sehr komplexe Problem“ zu bewältigen, sei einer der größten Aufgaben der Menschheit.

Ibarra ist die Co-Chefin des „Internationalen Ressourcen-Rats“ (IRP), der bei Unep angesiedelt ist und die Studie erarbeitet hat. Dem Gremium gehören 34 internationale Experten an, aus Deutschland etwa der Co-Präsident des Thinktanks „Club of Rome“ und frühere Präsident des Wuppertal-lnstituts, Ernst Ulrich von Weizsäcker.

Die Experten fordern Regierungen und Unternehmen weltweit auf, mehr für die Entkopplung von Wirtschafswachstum und Ressourcen-Einsatz zu tun. Das schaffe auch neue Jobs. Zudem empfiehlt der Rat, den Abbau von Primär-Rohstoffen zu verteuern, um die sozialen und ökologischen Kosten widerzuspiegeln, und die Nachfrage zu senken – zugunsten von Recyclingmaterial und sparsamerem Materialeinsatz. Die Einnahmen sollten genutzt werden, um in mehr Forschung und Entwicklung zur Materialeffizienz zu investieren, so der Rat.

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