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Innovationen gesucht: Sanofi-Aventis-Chef Chris Viehbacher.
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Innovationen gesucht: Sanofi-Aventis-Chef Chris Viehbacher.

Pharmabranche

Genzyme zeigt Abwehrkraft

  • Daniel Baumann
    VonDaniel Baumann
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Der Pharmakonzern Sanofi-Aventis blitzt bei der US-Biotech-Firma Genzyme ab - trotz eines 14,5 Milliarden teuren Übernahmeangebots.

Ein resolut geführter Briefwechsel in der Pharmabranche könnte in einer der größten Übernahmeschlachten seit Jahren enden. Geschrieben haben sich in den vergangenen Monaten Sanofi-Aventis-Chef Chris Viehbacher und der Chef des Biotechunternehmens Genzyme, Henri Termeer. Viehbacher will Genzyme für umgerechnet 14,5 Milliarden Euro kaufen.

Das US-Unternehmen beschäftigt weltweit rund 10 000 Mitarbeiter, davon 170 in Marketing und Vertrieb in Neu-Isenburg bei Frankfurt. Der Verwaltungsrat von Genzyme lehnte das Kaufangebot des Pharmariesen ? der alleine in Deutschland gut 10000 Beschäftigte hat, 8000 davon in Frankfurt ? gestern aber ab.

Wie dem Briefwechsel zu entnehmen ist, wendet sich Genzyme nicht zum ersten Mal gegen das Übernahmeangebot. Dieses komme zum falschen Zeitpunkt und sei überdies zu niedrig. Für Viehbacher ist das allerdings kein Grund, die Pläne aufzugeben. Seinem Kollegen Termeer teilte er mit, dass er sich alle Alternativen zu einer einvernehmlichen Übernahme offenhalte, also auch eine feindliche Übernahme.

Sanofi-Aventis ist auf Zukäufe angewiesen. Wie viele Pharmakonzerne ist das Unternehmen in den vergangenen Jahren in seinen Strukturen erstarrt. Seit Viehbacher Ende 2008 seinen Job als Chef angetreten hat, krempelt er deshalb den deutsch-französischen Arzneimittelriesen um. Der Forschungsabteilung warf Viehbacher vor, „wie eingemauert“ geforscht zu haben: ohne Partnerschaften oder den Austausch mit Biotechfirmen und Universitäten.

Die Folge ist, dass in der Forschungspipeline Präparate fehlen, die Umsatzeinbrüche kompensieren können. Denn im kommenden Jahr wird der Blutgerinnungshemmer Plavix (2,6 Milliarden Euro Umsatz in 2009) seinen Patentschutz verlieren. 2012 folgt der Blutverdünner Lovenox (drei Milliarden Euro). Dann werden günstigere Nachahmerpräparate auf den Markt drängen. Derzeit erzielt Sanovi-Aventis nur mit dem Insulinmittel Lantus höhere Umsätze als mit Plavix und Lovenox. Um die Pipeline zu füllen, schloss Sanofi-Aventis 2009 deshalb bereits 33 kleinere Übernahmen oder Partnerschaften ab.

Genzyme passt in die Strategie von Konzernchef Viehbacher. Das Unternehmen gehört zu den erfolgreichsten Biotechfirmen weltweit. Es stellt unter anderem Arzneien gegen Stoffwechsel- , Autoimmun-, Nieren- und Krebserkrankungen her. Einige vielversprechende Mittel stehen kurz vor der Marktreife. Allerdings kann Genzyme sein Potenzial derzeit nicht ausschöpfen, weil es mit starken Problemen in der Produktion seiner Medikamente kämpft. Viehbacher hält diese Probleme für lösbar und käme mit der Übernahme deshalb seinem Ziel näher, neue Wachstumsperspektiven für Sanofi-Aventis zu schaffen.

Weniger Neuzulassungen

Wie Sanofi suchen die meisten Pharmakonzerne nach neuen Präparaten. Ihre Produktpalette ist überaltert. Von den 50 Topprodukten mit einem weltweiten Umsatz von insgesamt 130 Milliarden Dollar verlieren nach einer Studie der Beratungsfirma Accenture innerhalb der nächsten zwei Jahre 40 Prozent ihren Patentschutz. Die Unternehmen werden die Verluste nicht durch neue Medikamente kompensieren können, schreibt Accenture.

Die Zahl der Neuzulassungen ist deutlich zurückgegangen. Zwischen 2002 und 2006 wurden 43 Prozent weniger Medikamente zugelassen als in den fünf Jahren zuvor. Bis 2014 wird die Industrie nach Einschätzung von Thomas Bucher von der Fondsgesellschaft DWS noch mit ablaufenden Patenten zu kämpfen haben. Danach werden sich die Perspektiven wieder bessern.

Die Forschung der Unternehmen konzentriert sich mittlerweile auf Nischenprodukte und lukrative Gebiete wie Krebs und Multiple-Sklerose. Dennoch wird es schwierig werden, in Zukunft mit einzelnen Arzneimittel hohe Umsätze zu erzielen. Dafür sind die Innovationssprünge zu klein und der Spardruck in den Gesundheitssystemen zu groß. Accenture sieht deshalb bereits das „Ende der Blockbuster-Ära“ kommen.

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