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Warnstreik des Sicherheitspersonals am Flughafen Hannover.

Interview

"Es ist genug der Dinge"

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Der Verhandlungsführer der Arbeitgeber, Rainer Friebertshäuser, über die Lohnforderung der Sicherheitsbeschäftigten an den Flughäfen.

Herr Friebertshäuser, Sie haben die Lohnforderung für das private Sicherheitspersonal an Flughäfen als „Schlag ins Gesicht von Krankenschwestern und Rettungssanitätern“ bezeichnet. Mitarbeiter und Gewerkschaften fordern einen Stundenlohn von 20 Euro. Ist das wirklich zu viel? An den Auswirkungen der Warnstreiks hat man ja gesehen, dass ohne diese Mitarbeiter an den Flughäfen nicht viel läuft.
Es gibt eine ganze Reihe von solchen problematischen Bereichen. Ich denke etwa an die Mitarbeiter in den Schaltzentralen der großen Energieversorger – das sind vielleicht 200 Leute. Aber wenn die streiken, können die ja jeden Lohn fordern – einfach nur, weil sie Deutschland lahmlegen können. Wollen wir da hin? Wir brechen das Tarifgefüge komplett auseinander, wenn wir für angelernte Tätigkeiten einen total überzogenen Lohn zahlen. Da sind wir uns auch einig mit allen anderen Arbeitgeberverbänden. Es gibt viele Lehrberufe mit hoher Verantwortung – Busfahrer, Straßenbahnfahrer, von der Krankenschwester will ich gar nicht reden –, die deutlich weniger verdienen.

Jetzt würden die Gewerkschaften wahrscheinlich einwenden: „Na, dann müssen wir bei den Busfahrern und Krankenschwestern eben auch nachfordern, wenn die zu wenig verdienen …“
Naja, die haben ja grade abgeschlossen. Die Busbetriebe zum Beispiel hatten auch eine überproportionale Lohnerhöhung, und trotzdem liegen sie jetzt erst bei 13 Euro. Das ist ja das Interessante, da wird offensichtlich mit zweierlei Maß gemessen. Da, wo man den Staat erpressen kann, also an Stellen, die infrastrukturell von Bedeutung sind, da haut man richtig drauf und andere Bereiche haben das Nachsehen. 

Trotzdem: Sind 20 Euro so utopisch? Die Mitarbeiter an den Flughäfen sorgen mit einem gewissen Risiko für unsere Sicherheit, sie arbeiten oft nachts und am Wochenende. Schätzen Sie deren Arbeit nicht genug, wie es die Gewerkschaften behaupten?
Das stimmt überhaupt nicht. Wir haben in den letzten sechs, sieben Jahren schon einen Riesensprung gemacht bei den Flugsicherheitsassistenten. Ich war ja mal Arbeitsdirektor der Frasec, also der Tochter der Fraport AG. Als ich 2014 angefangen habe, lagen die Löhne bei rund elf Euro, und das ist dann in Frankfurt bis heute auf 17,13 Euro gestiegen. Ich habe das Gefühl, die Gewerkschaften denken, das kann jetzt immer so weitergehen. 

Aber die Lebenshaltungskosten steigen ja auch. In Frankfurt kostet der Quadratmeter im Durchschnitt 8,1 Prozent mehr Miete als noch vor vier Jahren. 
Wir streiten nicht ab, dass das Leben teurer wird, und dass wir da was drauflegen müssen. Und wir sind ja auch bereit, unser letztes Angebot nochmal zu überdenken und da vielleicht noch was draufzulegen. Aber das kann nicht in so exorbitante Höhen gehen, die Steigerungen in den letzten Jahren waren schon überproportional. Schauen Sie, die eigenen Sicherheitsassistenten der Fraport, die im öffentlichen Dienst angestellt sind, bekommen in den höchsten Altersstufen 17,43 Euro die Stunde. Und die haben jetzt fürs Jahr 2019 nochmal eine Steigerung von drei Prozent ausgehandelt. Wenn man das vergleicht, ist die Forderung von Verdi völlig überzogen. 

Die nächste Verhandlungsrunde ist für den 23. Januar angekündigt. Wird Ihr neues Angebot deutlich über dem letzten liegen?
Wir sind grundsätzlich bereit, uns zu bewegen, aber dann erwarten wir dasselbe auch von Verdi. Verhandlungen können nicht so laufen, dass nur eine Seite etwas auf den Tisch legt und die andere den Kopf schüttelt. Vor allem erwarten wir, dass Verdi jetzt mit diesen als Warnstreik bezeichneten Aktionen Schluss macht…

…das heißt, Sie erkennen diese „Aktionen“ gar nicht als Warnstreiks an?
Also, wenn man sich anguckt, dass am Dienstag ganztägig acht Flughäfen bestreikt wurden, nein. Warnstreiks sollten den Charakter haben, die Streikbereitschaft der Gewerkschaften deutlich zu machen. Das Arbeitsgericht hat dazu mal gesagt, sie dürfen nicht unverhältnismäßig sein. Und wir kommen jetzt an die Grenze, wo wir sagen: Das ist wirklich unverhältnismäßig. Wir glauben, es ist genug der Dinge, wir haben verstanden. 

Interview: Alicia Lindhoff

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