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Die Wirkung von gentechnisch verändertem Mais wird intensiv diskutiert.

Abstimmung über Maissorte

Genmais vor Zulassung in der EU

Mitten in der Genmais-Debatte stimmt die EU über die Erlaubnis einer weiteren Sorte ab. Der Zulassung steht wohl nichts mehr im Weg. Dabei streiten Experten heftig über mögliche Schäden durch Gen-Pflanzen.

Von Julian Mertens

Inmitten der Diskussion über die Gefahr von Genmais für die Gesundheit entscheiden die 27 EU-Länder über die Zulassung einer weiteren Genmais-Sorte. Dabei geht es um die Genmais-Sorte MIR162 des Agrarkonzerns Syngenta. Bei einer ersten Abstimmung am 10. September hatte es weder eine ausreichende Mehrheit für noch gegen die Zulassung zur Verwendung in Tierfutter und Lebensmitteln gegeben.

Bei der Abstimmung am heutigen Donnerstag droht nach Angaben von EU-Diplomaten ein Patt - und somit eine Zulassung durch die EU-Kommission. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) legt kommende Woche eine Bewertung der umstrittenen Studie zu der Wirkung von Genmais auf Ratten vor.

Deutschland nimmt keine klare Position ein. Der Vertreter aus dem Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz wird sich enthalten.

Patt führt zur Zulassung

Ergibt die Abstimmung erneut ein Patt, steht der Mais in der EU vor der Zulassung. Denn dann entscheidet die EU-Kommission. Und da laut EFAS kein Gesundheitsrisiko durch MIR162 besteht, ist grünes Licht der Kommission zu erwarten.

Allerdings ist Genmais derzeit heftig umstritten. Ein französisches Forscherteam veröffentlichte in der vergangenen Woche eine Studie, nach der mit Genmais gefütterte Ratten jünger starben und deutlich häufiger an Krebs erkrankten als Tiere, die herkömmliche Nahrung erhielten. Die Ratten wurden dabei mit Genmais der Sorte NK603 des US-Agrarkonzerns Monsanto gefüttert. Der ist in der EU nicht zum Anbau, jedoch zur Verwendung in Tierfutter und Lebensmitteln zugelassen.

Nicht nur in der EU erregte die Studie Aufsehen und löste eine Diskussion über die Zulassung von Genpflanzen aus. Russland stoppte laut der Nachrichtenagentur Dow Jones die Einfuhr von NK603. Der baden-württembergische Landwirtschaftsminister Alexander Bonde (Grüne) sprach sich für einen Importstopp von gentechnisch verändertem Mais aus.

Monsanto sieht keinen Zusammenhang

Ebenso wie die Bundesregierung gab die EU-Kommission eine Bewertung der Studie in Auftrag. Die EFSA will kommende Woche eine „vorläufige wissenschaftliche Bewertung“ vorlegen.
Der Monsanto-Konzern hatte die Studie scharf kritisiert. Die Untersuchung entspreche nicht den „akzeptablen Mindeststandards“ für wissenschaftliche Studien, die Ergebnisse würden durch die vorgelegten Daten nicht gestützt. Es gebe daher „keinen nachvollziehbaren Zusammenhang“ zwischen gentechnisch verändertem Mais und den von den Autoren der Studie formulierten Ergebnissen.

Aber auch in den Augen von Forschern ist die Studie umstritten. Der Direktor des Max-Plank-Instituts für Evolutionstheorie in Plön, Dietmar Tautz, sagte dem MDR, die Arbeit habe zwei große Mängel: „Zum einen ist der verwendete Rattenstamm ungeeignet für Langzeitstudien. Außerdem „waren die Kontrollgruppen auch für eine normale Studie viel zu klein“.

Tautz warf den Autoren „Sensationsmache“ vor. Es gebe derzeit über 20 Langzeitstudien zum Thema. In keiner sei der Hinweis zu finden, dass Genmais ein höheres Krebsrisiko zur Folge habe.

Christoph Then vom Institut für unabhängige Folgenabschätzung in der Biotechnologie hält derartige Reaktionen für „regelrechtes Mobbing“. Er sagte in einem Interview, die meisten Langzeituntersuchungen würden davon ausgehen, dass gentechnisch veränderten Pflanzen unschädlich seien. Die Mindeststandards würden grundsätzlich nicht ausreichen und würden deshalb in der EU gerade entwickelt, sagte Then dem Informationsdienst Gentechnik. (afp/jam)

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