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Gender Pay Gap ist international

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Von: Nina Luttmer

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Dass Frauen weniger verdienen als Männer, ist nicht nur ein deutsches Problem, wie eine Studie zeigt. Eine Rolle spielt dabei auch die „Mutterschafts-Strafe“.

Ja, ein bisschen deprimiert bin ich schon darüber“, sagt Halil Sabanci auf die Nachfrage einer Journalistin, ob ihn die Ergebnisse seiner Studie nicht bedrücken. Sabanci ist Professor für Management und Organisation an der Frankfurt School of Finance and Management. Und er hat kürzlich mit Wissenschaftler:innen aus verschiedenen Ländern eine Analyse zu den Gehaltsunterschieden zwischen Männern und Frauen veröffentlicht, zum Gender Pay Gap also. Die Ergebnisse: Eben deprimierend, zumindest wenn man die Meinung vertritt, dass Männer und Frauen in der Arbeitswelt gleichgestellt sein sollten.

Die Wissenschaftler:innen haben sich die Gehaltsstrukturen in 15 Industriestaaten angeschaut und dafür Hunderte Millionen öffentlich zugängliche wie private Daten, etwa Arbeitsverträge, ausgewertet. Das Resultat: Frauen verdienen in all diesen Ländern weniger als Männer.

Zwei Gründe haben die Autor:innen dafür ausgemacht. Zum einen arbeiteten Frauen grundsätzlich häufiger in Jobs, die schlecht bezahlt werden - etwa im Einzelhandel, im Pflege- und Erziehungsbereich. Zum anderen aber würden sie auch in ihren jeweiligen Jobs selbst schlechter entlohnt als die Kollegen - auch wenn sie die gleiche Ausbildung haben und die gleiche Arbeit entrichten. Und das in allen untersuchten Ländern, wenn auch in unterschiedlich starkem Ausmaß.

Die Studie basiert auf Zahlen von 2015, um alle Länder einbeziehen zu können. Seitdem hat sich sicherlich noch einiges geändert, „aber dramatische Bewegungen hat es nicht gegeben“, sagt Sabanci. Schaut man sich den durchschnittlichen Gehaltsunterschied auf dem Arbeitsmarkt insgesamt an, so sticht Südkorea mit einer Differenz von knapp 41 Prozent besonders negativ heraus - in Ungarn liegt er „nur“ bei knapp zehn Prozent. In Deutschland verdienen die Frauen demnach 24,1 Prozent weniger als die Männer.

Um diesem Problem beizukommen, müsste die Politik versuchen, mehr Frauen in besser bezahlte Jobs zu bringen, sie etwa ermutigen, Mathe oder Maschinenbau zu studieren, so Sabanci.

Betrachtet man den Unterschied im Gehalt, wenn Frauen und Männer bei gleicher Qualifikation den gleichen Job erledigen, so steht Japan mit einer Differenz von fast 26 Prozent am schlechtesten da, Frankreich und Dänemark glänzen mit „nur“ 6,5 beziehungsweise 7,2 Prozent. In Deutschland liegt die Lücke bei 13 Prozent.

Um in diesem Bereich Veränderungen zu bewirken, müsste die Politik Maßnahmen ergreifen, damit für die gleiche Arbeit auch der gleiche Lohn gezahlt werde, sagt Sabanci. Lohntransparenz sei dafür ein Schlüssel, das Entgelttransparenzgesetz, das Deutschland 2017 eingeführt hat, also ein richtiger Schritt.

Allen untersuchten Ländern sei gemein, dass es die Problematik einer „Mutterschafts-Strafe“ gebe – Frauen also nach der Geburt von Kindern auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt würden. Bessere Angebote für die Kinderbetreuung und flexiblere Jobs seien zentral. In Deutschland seien seit 2010 durchaus Fortschritte beim Gender Pay Gap erzielt worden. „Der Trend ist richtig, aber der Fortschritt kommt nur langsam“, sagt er.

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