+
Die Einkommenslücke zwischen den Geschlechtern ist seit Jahren nicht kleiner geworden.

Gender Pay Gap

77 Tage ohne Lohn

  • schließen

Am Dienstag ist wieder Equal Pay Day. Die Einkommenslücke zwischen Frauen und Männern ist seit Jahren nicht kleiner geworden. Vorsorge ist für die Benachteiligten deshalb wichtig.

Insgesamt 77 Tage haben Frauen in diesem Jahr im Schnitt umsonst gearbeitet. Darauf macht das Aktionsbündnis Equal Pay Day aufmerksam. Bis zu diesem Dienstag, so die Initiatoren, hätten Frauen ohne Bezahlung gearbeitet, wenn man davon ausginge, dass Frauen und Männer in Deutschland den gleichen Stundenlohn bekämen. Männer wären hingegen schon seit dem 1. Januar bezahlt worden. Der Tag wird jährlich anhand der geltende Lohnungleichheit bestimmt, um den Gehaltsunterschied symbolisch zu verdeutlichen. Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes beträgt die Lohnlücke zwischen den Geschlechtern, der sogenannte „Gender Pay Gap“ durchschnittlich 21 Prozent – über alle Berufsgruppen und Positionen hinweg.

„Es ist erschreckend zu sehen, dass sich der Wert seit Jahren nicht verändert hat“, sagt Sally Peters, Geschäftsführerin des Instituts für Finanzdienstleistungen (iff) in Hamburg. Und auch das letzte Mal, als sich die Lücke rechnerisch ein wenig weiter schloss – das war 2015 – hat sich der Gender Pay Gap nur um einen Prozentpunkt von 22 auf 21 Prozent verringert.

Betrachtet man lediglich die bereinigte Lohnlücke, also den Gehaltsunterschied zwischen weiblichen und männlichen Arbeitnehmern, der sich ergibt, wenn man ausschließlich Gehälter auf vergleichbaren Positionen und in vergleichbaren Berufen gegenüberstellt, ergibt sich nach einer Auswertung des Statistischen Bundesamts von 2014 immer noch ein Gender Pay Gap von sechs Prozent. Neuere Berechnungen liegen nicht vor.

Was das konkret für Frauen bedeutet, lässt sich an einem Beispiel verdeutlichen, das der Sparkassenverband aufgestellt hat: Ein Mann verdient über 35 Berufsjahre hinweg durchschnittlich 3500 Euro brutto im Monat, im Jahr ergibt sich daraus ein durchschnittliches Bruttogehalt von 42 000 Euro. Eine gleich qualifizierte Frau würde nach dem bereinigten Gender Pay Gap für die gleiche Arbeit sechs Prozent weniger bekommen. Das sind konkret 210 Euro monatlich und 2520 Euro jährlich weniger, als das, was der männliche Kollege verdient. Noch eindringlicher wird der Wert, wenn man ihn auf die gesamten 35 Jahre hochrechnet. Dann nämlich machen die sechs Prozent Lohnlücke insgesamt 88 200 Euro aus, die die Frau im Beispiel weniger verdient hat.

Die Auswirkungen: Frauen haben nicht nur während ihres Arbeitslebens weniger Geld zur Verfügung, sondern auch im Rentenalter – wer weniger verdient, zahlt weniger ein.

Vergleich mit Kollegen

Das Entgelttransparenzgesetzgibt Beschäftigten seit Juli 2017 das Recht, beim Arbeitgeber eine Auskunft über Kriterien und Verfahren der Entgeltfindung und Angaben zur Höhe der durchschnittlichen Bruttovergütung von Kollegen in vergleichbaren Positionen im Betrieb zu erfragen.

Nicht alle Arbeitnehmerkönnen allerdings von diesem Recht Gebrauch machen. So greift das Gesetz nur für Arbeitnehmer und Beamte in Betrieben mit mehr als 200 Mitarbeitern. Wer in kleineren Unternehmen tätig ist, kann die Vergütung gegebenenfalls durch Gewerkschaften, dem Betriebs- oder Personalrat prüfen lassen. thd

„Oftmals sind Frauen aber gar nicht in der Lage, in gleicher Position wie die Männer arbeiten zu können oder die gleiche Menge an Berufsjahren anzusammeln“, sagt Peters vom iff. Die Lebensrealität in vielen Familien sieht immer noch so aus, dass Frauen länger für die Kindererziehung oder Pflege von Angehörigen zu Hause bleiben oder in Teilzeit arbeiten. Auch werden generell schlechter bezahlte Berufe häufiger von Frauen ausgeübt. Daraus ergibt sich eine noch größere Gehaltslücke.

Wobei hier Unterschiede zum Tragen kommen: So ist der Gender Pay Gap im Osten mit sieben Prozent viel geringer als der im Westen mit 22 Prozent. Das hat zu Teilen damit zu tun, dass im Osten mehr Mütter in Vollzeit arbeiten als im Westen. Nicht bedeutet es aber, dass Frauen hier auch mehr verdienen, im Gegenteil: Laut dem Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung seien eher auch die Löhne der Männer im Osten geringer. Aufgrund dessen ist zwar die Gehaltslücke zwischen Männern und Frauen kleiner als im Westen, mehr Geld haben sie aber nicht zur Verfügung. Vorsorge ist also nötig.

Doch was kann man nun gegen die Lohnlücke tun? Der diesjährige Equal Pay Day steht unter dem Motto „Auf Augenhöhe verhandeln“. Frauen sollten selbstbewusst und regelmäßig in Gehaltsverhandlungen mit ihrem Arbeitgeber treten. Genauso sei aber der Arbeitgeber gefragt, Vorurteile und eingefahrene Strukturen aufzugeben. So haben Studien ergeben, dass in Betrieben, in denen mehr als 60 Prozent Frauen arbeiten, das Gehaltsniveau sinkt.

Neben dem Kampf um eine bessere Bezahlung im Job sollte der Verhandlungsbegriff aber auch auf das Private ausgedehnt werden, sagt Uta Zech, Präsidentin des Verbands Business and Professional Women und Schirmherrin des diesjährigen Equal Pay Days. „Frauenkarrieren enden oft, wenn das erste Kind kommt.“ Eine egalitäre Aufteilung von Erwerbs- und Familienarbeit sei deshalb unabdingbar. „Auch Ausgleichszahlungen für die Zeiten der Kinderbetreuung sollten mit dem Partner besprochen werden“, rät Peters. Damit der Partner, der sich um den Nachwuchs kümmert, und in dieser Zeit kein reguläres Gehalt erhält, nicht benachteiligt ist – auch für die späteren Rentenbezüge.

„Wichtig ist, dass sich Frauen bewusst machen, was ein geringeres Gehalt auch in späteren Lebensjahren für Auswirkungen hat“, so Peters. Zwar können gerade die, die weniger verdienen, zwangsläufig auch weniger Geld sparen oder anlegen, aber sich überhaupt mit dem Thema zu beschäftigen, ist gerade deshalb umso wichtiger.

Viele Arbeitnehmer können bei ihren Arbeitgebern außerdem erfragen, wie hoch das durchschnittliche Gehalt von Kollegen ist, die in vergleichbaren Tätigkeiten eingesetzt werden, um möglicherweise auf dieser Grundlage zu verhandeln. Allerdings gilt das Entgelttransparenzgesetz nur für Betriebe mit mehr als 200 Mitarbeitern.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare