Weltweite Finanzströme

Geldwäsche ist en vogue

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Illegale Zahlungsströme nehmen weltweit zu. Sicherheitsexperte Ischinger stellt fest: „Globalisierung hat böswillige Akteure mächtiger gemacht“.

Das Volumen der Gelder, das aus kriminellen Aktivitäten weltweit stammt und gewaschen wird, hat in den zurückliegenden zehn Jahren deutlich zugenommen. Für 2018 wird der globale Umfang von Geldwäsche auf bis zu 4,2 Billionen US-Dollar geschätzt. Das geht aus einem Bericht der Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) hervor, der dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) vorliegt. Der Bericht zum Thema illegale Handelsströme und deren Auswirkungen auf die internationale Sicherheit wird von der MSC am Freitag am Rande des Gipfels der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (Ecowas) in Nigeria vorgestellt.

Das Ausmaß der globalen Geldwäsche entspricht demnach bis zu fünf Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts. Selbst vorsichtigere Schätzungen, die von einem Geldwäsche-Umfang von 1,7 Billionen US-Dollar ausgehen, entsprächen der Höhe sämtlicher weltweit getätigten Rüstungsausgaben. Die Zahlen basieren auf einer Analyse der Beratungsgesellschaft Ernst & Young auf Basis von Daten des Internationalen Währungsfonds, des Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri, der International Air Transport Association und der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation.

Das gewaschene Geld entstammt meist organisierter Kriminalität, Steuerhinterziehung, terroristischen Organisationen sowie staatlichen Hacker-Aktivitäten, etwa in Russland oder Nordkorea. Neuartige, digitale Kryptowährungen erschwerten dem Bericht zufolge das ohnehin schwierige Aufspüren illegaler Geldströme zusätzlich. „Die Globalisierung hat unsere Welt bereichert, aber auch böswillige Akteure mächtiger gemacht: Terroristen, bewaffnete Gruppen und sogar manche Staaten profitieren davon, dass Geld, Güter und Daten sich immer einfacher durch die Welt bewegen können“, sagte Wolfgang Ischinger, Vorsitzender der Münchner Sicherheitskonferenz. „Um diesen illegalen Strömen entgegenzuwirken, muss die internationale Gemeinschaft dringend enger zusammenarbeiten. Andernfalls könnten wir bald vor einem unkontrollierbaren Problem stehen“, betonte Ischinger.

Illegale Finanzströme tragen der MSC-Studie zufolge erheblich zur Destabilisierung von Entwicklungs- und Schwellenländern bei. So seien den Staaten des afrikanischen Kontinents zwischen 2000 und 2015 allein durch die Angabe falscher Warenwerte pro Jahr durchschnittlich 73 Milliarden US-Dollar entgangen. Geld, das nicht in Bildung, Gesundheitsversorgung oder Infrastruktur investiert werden kann. So trügen illegale Finanzströme dazu bei, staatliche Autorität zu untergraben. Sie führten zu einem „Teufelskreis aus Gewalt, Korruption, Verbrechen und schlechter Regierungsführung“, schreiben die Autoren.

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