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Bei Wirecard sind binnen kurzer Zeit zwei gegensätzliche Kurstreiber zum Tragen gekommen.

Dax-Neuling

Geldsegen dank Wirecard

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Wer schon länger Wirecard-Aktien besitzt, kann ordentlich Gewinn einstreichen. Doch die Eigner brauchten 2018 auch starke Nerven. Die Analyse.

Wenn eine im Dax notierte Aktie binnen weniger Wochen mehr als ein Drittel ihres Werts verliert, ist das normalerweise kein Grund zum Feiern. Der Anteilsschein von Wirecard hat seit Anfang Oktober einen solchen Absturz hinter sich. Seit Ende Dezember hat das Papier wieder etwas zugelegt, aber im Vergleich zum Herbst liegt das Minus immer noch bei etwa 30 Prozent.
Dennoch konnten die Eigner des Dax-Neulings an Silvester die Korken knallen lassen.

Voraussetzung ist, dass sie schon mindestens seit Anfang 2018 Aktionäre sind. Denn auf zwölf Monate betrachtet hat das Papier trotz jüngster Talfahrt um die 45 Prozent zugelegt und damit mehr als jeder andere Anteilsschein eines Dax-Konzerns. Für rund 135 Euro wurde das Papier am Mittwoch gehandelt.

Nervenzehrendes Auf und Ab bei Wirecard

Schaut man nur auf die Zeit seit Ende September, sieht die Bilanz ganz anders aus; das Auf und Ab war nervenzehrend. „Nachdem Wirecard in den Dax gekommen ist, sind Technologiewerte kurz darauf stark unter Druck geraten“, sagt Mirko Maier, Analyst für Technologieaktien – und dazu zählen die Wirecard-Papiere – bei der Landesbank Baden-Württemberg. Dazu kommt, dass Ausschläge bei Technologiewerten grundsätzlich heftiger ausfallen als in traditionellen Branchen. Gleichzeitig ist eine bevorstehende Aufnahme in den Dax kurstreibend, weil Fondsmanager so ein Papier unbedingt haben müssen.

Bei Wirecard sind also binnen kurzer Zeit zwei gegensätzliche Kurstreiber zum Tragen gekommen. Aber das sind nicht die einzigen Einflussfaktoren, weshalb die Achterbahnfahrt der Dax-Aktie eine stetige war. Um das zu verstehen, muss man das Geschäftsmodell des Finanzdienstleisters kennen. Das erst 16 Jahre alte Vorzeige-Fintech mit Sitz in Aschheim bei München wickelt zwischen Banken, Händlern und deren Kunden digitale Zahlungen ab. Über 90 Milliarden Euro wurden von Wirecard voriges Jahr bewegt, was 1,5 Milliarden Euro an Gebühren und damit entsprechend Umsatz gebracht hat.

Wirecard rechnet mit Vervielfachung des Geschäfts bis 2025

Weil im globalen Maßstab immer mehr online oder mobil bezahlt wird, operiere das Unternehmen in einem Wachstumsmarkt wie es nur wenige gebe, so Maier. Bis 2025 rechnet Wirecard mit einer Vervielfachung des Geschäfts. Läuft die Konjunktur, wird viel bezahlt und Wirecard profitiert extra. Zeichnet sich eine Flaute ab, geht es für das Unternehmen ohne eigenes Zutun in die andere Richtung. Gleiches gilt, wenn das Smartphone mit Bezahlfunktion eines großen Herstellers nicht ankommt. Als dagegen jüngst das von Wirecard unterstützte Apple Pay eingeführt wurde ist, kletterte die Aktie der Aschheimer um einige Prozent.

Sie reagiert also bei weitem nicht nur bei eigenen Unternehmensnachrichten. „Das bleibt eine volatile Geschichte“, schätzt Maier auch deshalb die weitere Entwicklung des Papiers ein. Grundsätzlich zweifelt auch er nicht an einem verlässlichen Trend zum Online-Bezahlen. Anderseits stecke in der Wirecard-Aktie einiges an Erwartungen. Sie müsse erst in ihre hohe Bewertung hineinwachsen.

Viele seiner Kollegen sind optimistischer. Die meisten sprechen Kaufempfehlungen aus. Experten der Investmentbank Morgan Stanley haben die Wirecard-Aktie für das neue Jahr als nur eines von zwei Papieren zum „Top Pick“ erklärt. Sie trauen dem Anteilsschein einen Kurs von 225 Euro zu.

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