+
Geldanlage: Das Geld lieber ins Schließfach legen oder doch anlegen? Youtube-Videos versprechen Tipps - doch es gibt auch dubiose Anbieter.

Geldfragen im Internet

Geldanlage: Vorsicht bei Youtube-Channeln für das schnelle Geld

  • schließen

Geldanlage ist ein Thema, bei dem vor allem junge Leute sich gerne bei Youtube informieren. Im Internet gibt es seriöse Angebote - und dubiose Anbieter.

Das Video „Investieren lernen: Zwölf Tipps für Anfänger!“ hat bereits über 200 000 Klicks auf Youtube, „Zehn Tipps um einfach reich zu werden!“ kommt auf gut die doppelte Anzahl. Die Videos stammen von „Finanzfluss“, einem der erfolgreichsten deutschen Youtube-Kanäle zum Thema Geldanlage. Gesteuert wird der Kanal von Thomas Kehl und Arno Krieger. Seit drei Jahren produzieren sie wöchentlich ein Video. Kehl hat eine Ausbildung als Bankkaufmann, Betriebswirtschaftslehre studiert und in den vergangenen zwei Jahren bei einer Investmentbank gearbeitet, Krieger arbeitete bis zuletzt beim Londoner Fintech Transferwise. Beide haben kürzlich ihre Jobs gekündigt, um sich „Finanzfluss“ hauptberuflich widmen zu können.

Geldanlage für junge Leute: 72 Prozent nutzen Youtube

„’Zehn Tipps um einfach reich zu werden‘ ist sicherlich eines unserer erfolgreichsten Videos, weil es durch den Titel besonders viele Menschen zu Klicks animiert, mehr als wenn wir über Derivate und Anleihen reden“, sagt Kehl. „Aber auch in diesem Video betonen wir, dass es uns nicht darum geht, unseriöse Tipps zu geben, wie man besonders schnell reich wird, sondern, dass man sich überhaupt erst einmal mit seinen Finanzen beschäftigen muss, um die für sich richtige Geldanlage zu finden.“

Daneben haben Kehl und Krieger eine Reihe von Videos veröffentlicht, in denen sie Finanzbegriffe erklären, erläutern wie die Börse funktioniert oder welche Kriterien bei der Auswahl von ETFs, sogenannten Indexfonds, zu beachten sind.

Über 215.000 Abonnenten hat Finanzfluss mittlerweile. Andere erfolgreiche Kanäle heißen etwa „Aktien mit Kopf“, „Finanzwesir“ oder „Finanzrocker“, auch Banken selbst sind mehr und mehr auf Youtube aktiv. Das Interesse an der Video-Plattform als Geldanlage-Informationsportal spiegelt auch die diesjährige Jugendstudie der Comdirect-Bank wieder: Die Mehrheit von 72 Prozent der Befragten zwischen 16 und 25 Jahren nutzen am liebsten Youtube, wenn sie sich online zum Thema Geldanlage informieren.

Geldanlage-Tipps: Bei Youtube prüft niemand die Seriosität der hochgeladenen Videos

Doch kann auf Youtube jeder Videos hochladen, niemand prüft Seriosität, Wahrheitsgehalt oder Unabhängigkeit. Wie kann ein Nutzer sich also sicher sein, richtig und gut informiert zu werden? Birgit Happel, Vorständin des Präventionsnetzwerks Finanzkompetenz, beschäftigt sich seit Längerem mit Finanztipps über soziale Medien. „Finanztipps auf Youtube können sehr wertvoll für die Informationsbeschaffung sein. Gerade wenn jemand beim Thema Finanzen noch am Anfang steht, können Erklärvideos eine Alternative zu Präsenzseminaren sein“, sagt Happel. „Aber ob offline oder online, es sollte immer geprüft werden, wer der Anbieter ist und welche Absicht hinter dem Angebot steht.“ So sollten sich Nutzer mit dem Geschäftsmodell des Anbieters vertraut machen und prüfen, womit dieser sein Geld verdient. Sogenannte Affiliate-Links, über die die Zuschauer zu Produkten anderer Anbieter gelangen – wofür der Affiliate eine Provision bekommt – sollten deutlich kenntlich gemacht werden.

Lesen Sie auch: Wie hoch wird meine Rente im Alter sein?

Auch „Finanzfluss“ finanziert sich über Affiliate-Links, außerdem über Werbung, die von Youtube vor einigen Videos platziert wird. Bald soll ein kostenpflichtiger Online-Kurs hinzukommen. Doch schon jetzt können die beiden Betreiber von den Einnahmen leben und weitere Mitarbeiter bezahlen, die die Videos schneiden oder Animationen erstellen. Welche Werbung gespielt wird, darauf haben sie laut eigener Aussage aber keinen Einfluss. „Ist das solche, hinter der wir nicht stehen, können wir die Werbung aber auch deaktivieren – und das machen wir teilweise auch.“

Geldanlage: Individuelle Anlageberatung nur mit Bafin-Genehmigung - auch auf Youtube

Sie selbst verstehen sich als reine Informationsplattform. Denn ein Youtube-Video kann keine individuelle Beratung leisten. Für Anlageberatung oder -vermittlung braucht es eine Genehmigung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) – auch wenn das Geschäft nur über Youtube betrieben wird. Die Bafin schreitet bei Verstößen dagegen ein – auch dann, wenn Youtuber Werbung für unerlaubt tätige Finanzdienstleister betreiben.

Die Gefahr von dubiosen Anbietern im Netz existiert. Gerade hat das Team Marktwächter Finanzen von der Verbraucherzentrale Hessen auf solche Unternehmen aufmerksam gemacht, die in der Vergangenheit unter anderem über Facebook, Instagram, aber auch Youtube Nutzer kontaktiert und undurchsichtige Produkte verkaufen wollten. „Die Unternehmen können über soziale Medien leicht Vertrauen aufbauen. Wenn dann noch die Filme gut gemacht sind und Emotionalität transportieren, so dass sich der Zuschauer angesprochen fühlt, haben sie häufig ein leichtes Spiel“, sagt Wolf Brandes, Teamleiter Grauer Kapitalmarkt beim Marktwächter Finanzen.

Geldanlage: So gerät man nicht an dubiose Anbieter

Seine Tipps, um nicht an dubiose Anbieter zu geraten: Prüfen, ob es ein deutsches Impressum gibt und jemanden, an den man sich wenden kann. Auch sollten bei Finanzprodukten Risiken und Rendite immer realistisch abgebildet sein. Ohnehin gelte online wie offline das Gleiche, schließlich könne auch der Anlageberater in der analogen Welt, der für jedes verkaufte Produkt eine Provision erhält, nicht als unabhängig gelten, sagte Brandes. Auch da sollte ein Angebot immer mit anderen verglichen werden.

Lesen Sie auch: Lohnt sich die Riester-Rente für mich? Und welche Form ist sinnvoll?

Verteufeln will der hessische Verbraucherschützer Youtube deshalb keinesfalls: „Die Plattform bietet mittlerweile viele Informationen und gute Erklärvideos, das ist sicherlich eine Bereicherung.“

Die Studie

Die Comdirect-Bank hat im Januar dieses Jahres 1600 Jugendliche und junge Erwachsene im Alter zwischen 16 und 25 Jahren zum Thema „Geld und Geldanlagen“ befragt. Die Haupterkenntnis: Jugendliche suchen ihre Informationen vor allem über das Internet und immer mehr über soziale Medien.

An erster Stelle steht mit 60 Prozent das Internet, an zweiter Stelle mit 51 Prozent Gespräche mit Freunden. Bei den Online-Quellen rangiert Youtube mit Abstand auf Platz eins. Erst wenn es um konkrete Bankprodukte geht, werden der Rat der Familie und der Weg in die Bankfiliale bevorzugt. 

Lesen Sie auch:

Spartipp: Geldanlagen für den Nachwuchs

Alternative Anlageprodukte: Immobilien, ETCs, Spar-CFD

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare