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437.500 Dollar wert: Diesen Preis erzielte ein Paar „Moon Shoes“ der Firma Nike bei einer Auktion in New York.

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Geldanlage: Fünf überraschende Alternativen zu Aktien

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  • Rolf Obertreis
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Aktien versprechen gute Renditen, werden von vielen Bürgern aber abgelehnt – die FR stellt fünf überraschende Alternativen vor.

„Die Leute wissen nicht, wie wenig sie wissen müssen.“ Michael Grote, Professor an der Frankfurt School of Finance and Management, spricht von einer „eigentlich paradoxen“ Lage. Die Deutschen, sagt er, hätten ein falsches Bild von der Geldanlage in Aktien und hielten sich – abgesehen von ihrer großen Risikoscheu – deshalb mit dem Kauf der Papiere zurück.

Das ist ein zentrales Ergebnis der Studie „Zum Rätsel der Aktienmarktteilnahme in Deutschland“, die Frankfurt School, Goethe-Universität und die Deutsche Börse am Montag vorstellten. Es bleibt nach Ansicht der Studienautoren ein Dilemma, dass sich die Bundesbürger nicht für die langfristige Geldanlage in Aktien erwärmen können. 2018 hatten nur 16,8 Prozent und damit 10,3 Millionen einen Teil ihres Geldes in Aktien oder Aktienfonds angelegt. Im Vergleich zu 2011 hat sich wenig verändert, trotz des Niedrigzinsumfeldes und der wachsenden Anforderung zur privaten Altersvorsorge. Damals waren 10,1 Millionen Bundesbürger am Aktienmarkt investiert. Zum Vergleich: In den USA liegt die Quote bei 54 Prozent.

Deutsche kaufen keine Aktien - wegen Angst vor Verlusten und Börsencrash

Für die Studie wurden rund 2800 Bundesbürger befragt. Als wichtigsten Grund gegen ein Investment nennen zwei Drittel der Nicht-Aktienbesitzer die Angst vor hohen Verlusten und vor einem Börsencrash. Ebenso viele glauben, dass ihnen das notwendige Geld fehlt. Als besonders relevant für die Ablehnung sind nach Ansicht von Grote aber die Angst vor der falschen Aktienauswahl.

„Viele glauben auch, dass sie die Bilanzen der Unternehmen genau lesen und verstehen müssten“, sagt Mitautorin Christine Laudenbach von der Goethe-Universität. Dabei ist dies nach Ansicht der Wissenschaftler gar nicht nötig. Schließlich gehe es um eine auf verschiedene Aktien oder in Fonds gestreute, langfristige Geldanlage und nicht um tägliches Handeln. „Viele Nicht-Aktienbesitzer haben ein falsches Bild und setzen die Hürde für den Kauf von Aktien oder Fonds viel zu hoch an“.

Langfristiges Sparen in Aktien hat sich in der Regel ausgezahlt

Freilich mangelt es der Studie zufolge durchaus an grundsätzlichem Wissen. 41 Prozent wissen nicht, dass in einem Aktienfonds das angelegte Geld auf viele Aktien verteilt und damit das Risiko gestreut wird. Auch die über die Jahre mögliche Wahrscheinlichkeit von Verlusten ist ihnen nicht klar.

Dabei gilt: Je länger der Anlagezeitraum, desto wahrscheinlicher ist eine deutlich positive Wertentwicklung. Das Deutsche Aktieninstitut rechnet vor, dass sich langfristiges Sparen in Aktien in den vergangenen 50 Jahren in der Regel ausgezahlt hat. Selbst, wer im Jahr der Finanzkrise 2008 eingestiegen ist, und die Aktien bis Ende 2018 hielt, erzielte in den zehn Jahren demnach im Schnitt 8,2 Prozent Rendite pro Jahr.

Aber auch jenseits des Aktiensparens gibt es attraktive Alternativen, Geld gewinnbringend anzulegen. Fünf überraschende Alternativen zu Aktien:

Geld in Bildung stecken rentiert sich mittel- und langfristig

Es kann sich mittel- und langfristig sehr rentieren, das Geld in die eigene Bildung – oder die der Kinder oder Enkelkinder – zu stecken. Ein Bachelor-Studiengang dauert drei Jahre, danach kann man sich direkt ins Arbeitsleben stürzen – oder noch einmal Zeit und Geld investieren, und einen zweijährigen Master draufsetzen. Die Online-Jobplattform Stepstone hat in ihrem Gehaltsreport 2018 ermittelt, dass Berufseinsteiger mit einem Bachelor durchschnittlich 40 553 Euro im Jahr verdienen, mit einem Master dagegen 46 199 Euro und damit 14 Prozent mehr. In einigen Berufen fällt das Plus sogar noch deutlich höher aus.

Auch im Handwerk kann es sich lohnen, sich weiterzubilden. Die Ausbildung zum Meister kostet zwar je nach Handwerk etwa 5000 bis 10 000 Euro. In einigen Berufen hat man das aber schnell wieder herausgeholt. So können Elektroniker laut einer Erhebung des Portals gehalt.de ihr Gehalt mit einem Meistertitel von durchschnittlich 36 043 Euro auf 44 700 Euro – also um 24,3 Prozent – anheben.

Gesetzliche Rente ist „sicherer als jede Lebensversicherung“

Die gesetzliche Rentenversicherung war lange Zeit verschrien. Dort mehr einzuzahlen als unbedingt notwendig, wäre wohl kaum jemandem in den Sinn gekommen. Doch die Zeiten ändern sich. Inzwischen empfehlen viele Rentenexperten, zusätzliche freiwillige Beiträge an die Rentenversicherung zu entrichten – und damit entweder Abschläge im Falle eines früheren Renteneintritts zu kompensieren oder aber schlichtweg eine höhere Rente zu erhalten. „Die gesetzliche Rente ist auf jeden Fall renditestärker als viele private Produkte wie Lebensversicherungen“, sagt Axel Kleinlein, Vorstandschef beim Bund der Versicherten. 

Die Furcht vieler Versicherten, dass politische Entscheidungen die gesetzliche Rente negativ beeinflussen könnten und ihre freiwilligen Beiträge somit quasi vernichtet würden, kann Kleinlein zwar nachvollziehen. „Aber die gesetzliche Rente ist sicherer als jede Lebensversicherung. Die Versicherer können auch ihre Berechnungsgrundlagen ändern und tun das auch ständig“, meint er. Wer Geld übrig habe, für den lohnten sich freiwillige Beiträge. „Wer allerdings mit seinen Rentenansprüchen unterhalb der Grundsicherung liegt, sollte das nicht machen. Dann kassiert nämlich vor allem der Staat“, warnt Kleinlein. 

Crowd-Investing: Teilhabe an einem Start-up kann hohe Rendite bringen

Sogenannte Start-ups – frisch gegründete Firmen mit innovativen Geschäftsideen – sind momentan in aller Munde. Wer will, kann auch selbst Teilhaber eines solchen Unternehmens werden. Das kann hohe Renditen bringen – vor allem auch, wenn eine Firma eine so gute Geschäftsidee hat, dass sie irgendwann von einem alteingesessenen größeren Unternehmen übernommen wird. Doch ein Investment birgt auch viele Risiken, die jedem Anleger klar sein müssen. Wer auf sein Geld dringend angewiesen ist, sollte nicht in Start-ups investieren. Wen das Risiko – selbst eines möglichen Totalverlusts – aber nicht schreckt, kann sich über verschiedene Crowdfunding-Plattformen Projekte aussuchen.

Die Verbraucherzentralen mahnen aber, dass man sich auch diese Vermittlungs-Plattformen genau anschauen sollte. Solange die für das Projekt erforderliche Summe nicht eingesammelt sei, werde das Geld häufig von der Plattform auf einem Konto verwahrt. Daher sei es wichtig zu klären, ob und wie das Geld im Falle einer Insolvenz der Plattform oder gegen Veruntreuung geschützt sei und ob der Anleger seine gesamte Anlagesumme zurückbekommt, sollten sich für das Projekt nicht genügend Investoren finden. Zudem sollten Anleger genau hinschauen, ob die Plattform unabhängig ist oder selbst finanzielle Interessen an dem beworbenen Projekt hat.

Bei dem Projekt selbst sollten Investoren natürlich ohnehin genau hinschauen. Was ist die Laufzeit eines Investments? Kann der Anleger vorzeitig aussteigen und falls ja, zu welchen Bedingungen? Wie hoch sind die Kosten des Unternehmens sowie die Rendite- und Gewinnziele - und hört sich das realistisch an? Ist die Geschäftsidee nachvollziehbar? Projekte, die man nicht versteht, sollte man nicht anfassen.

Sanierung: Wärmedämmung, Heizungsanlage oder neue Fenster

Wer ein Haus oder eine Wohnung besitzt, für den könnte es sich lohnen, sein Eigentum auf Vordermann zu bringen. Laut dem Finanzportal der Sparkassen spart die Wärmedämmung der Außenfassade bis zu 25 Prozent der Energiekosten, eine Wärmedämmung des Dachs bis 15 Prozent. Eine neue Heizungsanlage mit Wärmepumpe, Brennwerttechnik oder Holzpelletofen könne die Energiekosten um circa 30 Prozent senken, heißt es dort. Zudem steigert man durch eine Sanierung den Wert der eigenen Immobilie.

Eine energetische Sanierung kann je nach Zustand des Gebäudes natürlich sehr teuer werden. Eine Heizungsanlage etwa kostet durchschnittlich 10 000 Euro, so die Sparkassen, für ein neues Fenster müsse man jeweils 500 Euro rechnen. Allerdings gibt es verschiedene Fördermöglichkeiten von der Förderbank KFW.

Auch eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach lohnt sich finanziell fast immer. So hat die Stiftung Warentest verschiedene Beispiele durchgerechnet, darunter die Anschaffung einer Fünf-Kilowatt-Anlage mit einem Kaufpreis von 7000 Euro. Es wurde ein Eigenverbrauch von 25 Prozent unterstellt. Für den dadurch eingesparten Strom wurde ein Bezugspreis von 26 Cent pro Kilowattstunde angenommen. In 20 Jahren beläuft sich der Eigenverbrauch dann auf 23 500 Kilowattstunden (entspricht 6110 Euro), eingespeist werden 70 500 Kilowattstunden (entspricht 8601 Euro). Dem finanziellen Gesamtertrag 14 711 Euro stehen in der Beispielrechnung die Anschaffungskosten von 7000 Euro sowie geschätzte Betriebskosten von 120 Euro pro Jahr, also insgesamt 2400 Euro, gegenüber. Es verbleibt also ein Überschuss von 5311 Euro.

Fazit der Stiftung Warentest aus dem Jahr 2018: „Die Photovoltaikanlage auf dem Dach ist wieder eine rentable Geldanlage für Hausbesitzer – wenn diese einen möglichst hohen Teil des erzeugten Stroms selbst verbrauchen. Berechnungen von Finanztest zeigen: Bei den aktuellen Anlagepreisen haben Hauseigentümer gute Chancen, in den nächsten 20 Jahren eine Rendite von mehr als fünf Prozent zu erzielen.“

Sneaker: Limitierte Editionen sind ein begehrtes Anlageobjekt

Die Zeiten, in denen man einzig und alleine Turnschuhe kaufte, um sie dann beim Sport am Fuß zu tragen, sind lange passé. Sneaker sind längst zu Schuhen für den alltäglichen Gebrauch geworden – und seit einigen Jahren auch zum begehrten Anlageobjekt. Die Sportschuh-Hersteller geben regelmäßig limitierte Editionen besonderer Schuhe heraus, auf die dann ein Run entsteht. In diesem Sommer versteigerte das Auktionshaus Sotheby’s „Moon Shoes“ von Nike aus dem Jahr 1972 für 437 000 Dollar – laut Sotheby’s der höchste Preis, der jemals bei einer Auktion für ein paar Turnschuhe erzielt worden ist.

Solche Verkaufspreise sollten Sammler nicht zu unrealistischen Vorstellungen verleiten – aber mit den richtigen Paar Schuhen sind ordentliche Renditen drin. Um eine Vorstellung zu bekommen, was einzelne Schuhe momentan wert sind, kann man die Internetseite der Handelsplattform stockx.com besuchen. Dort wurde etwa der Sneaker „Nike Air Yeezy Pure Platinum“ in der Größe 40 – Originalpreis im Jahr 2012 waren 250 US-Dollar - zuletzt für knapp 4500 Dollar verkauft. Der Schuh „Kobe 1 Protro Undefeated Flight Jacket“, 2018 für 180 Dollar im Geschäft zu haben, wurde auf stockx in den vergangenen zwölf Monaten zu einem Durchschnittspreis von 3250 Dollar verkauft.

Das Problem ist allerdings abzuschätzen, welche Schuhe eine Wertsteigerung erfahren werden. Dafür braucht es neben Glück – denn Trends ändern sich schnell – auch Marktkenntnisse. Zudem müssen Interessierte wissen, wann man die limitierten Schuhe wo erwerben kann. Viele Sneaker-Fans campen vor den Geschäften, um morgens bei Ladenöffnung das begehrte Stück zu bekommen.

Auch der richtige Zeitpunkt für einen Verkauf ist entscheidend. Oft verkaufen sich die Schuhe direkt nach der Herausgabe durch den Hersteller am besten – Fans, die am Verkaufstag leer ausgegangen sind, wollen die Sneaker dennoch möglichst schnell bekommen. Wer auf eine langfristige Wertsteigerung hofft, muss die Sneaker außerdem richtig lagern: Möglichst trocken, dunkel und kühl. Wer in Sneaker investieren möchte, sollte sich also mit dem Markt beschäftigen, Spaß am Objekt haben und zwar auf eine schöne Rendite spekulieren – auf diese aber nicht angewiesen sein.

Tragen sollten Anleger die Sneaker übrigens nicht, unbenutzt verkaufen sie sich am teuersten. Wer von Sneakern keine Ahnung hat, aber Sachwerte dennoch als Anlageobjekte interessant findet, könnte auch in Wein, Oldtimer, Lego, Comics, Uhren oder Kunst investieren. Mit all diesen Dingen lassen sich durchaus hohe Wertsteigerungen erzielen. Gewisse Marktkenntnisse sind allerdings immer von Nöten.

Weitere Tipps und Tricks rund um das Thema Geldanlage und Vermögensaufbau

Vermögensaufbau war lange ein männerdominiertes Thema. Doch immer mehr Banken und Finanz-Plattformen umwerben Frauen.

Die gesetzliche Rente reicht nicht aus, um den gewohnten Lebensstandard zu sichern. Schon junge Leute sollten deshalb über eine langfristige Vermögensbildung und Altersvorsorge nachdenken.

Geldanlage ist ein Thema, bei dem vor allem junge Leute sich gerne bei Youtube informieren. ImInternet gibt es seriöse Angebote - und dubiose Anbieter.

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