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Der Containervermieter P&R in München ging vor anderthalb Jahren in die Insolvenz.

Gastwirtschaft

Geldanlage als Blind Date

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Wenn das Vertrauen der Investoren ausgenutzt wird.

Allein schon der Begriff macht diese Form der Geldanlage verdächtig. Blind Pool - das klingt ein wenig nach Darkroom oder Blind Date. Jedenfalls werden die wenigsten Menschen wissen, worum es sich handelt, wenn ihnen ein Blind Pool als „lukratives Investment“ angeboten wird. Und mit dem Nichtwissen treffen sie sogar den Nagel auf den Kopf. Denn ein Blind Pool ist eine Art Fonds, bei dem zum Zeitpunkt der Investitionen noch nicht feststeht, in was genau das Geld angelegt wird. Intransparent, undurchschaubar und verdächtig – so sieht das jetzt auch die Politik. Finanz- und Justizministerium haben kürzlich ein Paket zur weiteren Regulierung des Grauen Kapitalmarktes geschnürt. Jetzt soll es den Blind Pools unter den sogenannten Vermögensanlagen an den Kragen gehen. Nur: Sind Blind Pools wirklich ein so großes Problem?

Wenn Anleger wüssten, worauf sie sich bei ihren Investments wirklich einlassen, wäre viel gewonnen. Da gehört sicher Transparenz dazu und man sollte einen Blind Pool nicht als Immobilieninvestment verkaufen – ohne zu sagen, dass die konkreten Objekte noch gar nicht feststehen. Wenn man sich jedoch die großen Skandale und Insolvenzen am Grauen Kapitalmarkt anschaut, dann stellt man fest, dass zumindest das Investitionsobjekt in diesen Fällen bekannt war.

Unsere tägliche Kolumne von Gastautorinnen und Gastautoren im Wirtschaftsteil. Heute: Wolf Brandes, Teamleiter „Marktwächter Finanzen“ bei der Verbraucherzentrale Hessen.

Jüngstes Beispiel ist der Containervermieter P&R in München, der vor anderthalb Jahren in die Insolvenz ging. Der Anbieter verkaufte Container als Direktinvestment – und keine Blind Pools. Dass sich das Geschäft später zu großen Teilen als Betrug herausstellte – verkauft wurden Container, die es gar nicht gab –, hatte nichts damit zu tun, ob vor Abschluss das Anlageobjekt klar beschrieben war oder nicht. Trotzdem wussten auch in diesem Fall viele Verbraucher wohl nicht, worauf sie sich eingelassen hatten: eine Geldanlage mit Totalverlustrisiko.

Sicherlich ist es richtig, Anbieter zu Disziplin und Transparenz zu zwingen und einen strengen Rahmen vorzugeben – wenn man denn so etwas wie einen Grauen Kapitalmarkt haben will. Wichtiger als die Anbieterseite ist aber möglicherweise die Vertriebsseite. Wenn bei Geldgeschäften im privaten oder beruflichen Umfeld das Vertrauen weiterhin ausgenutzt wird, um Container oder Blind Pools zu verkaufen, 

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