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Patchwork: Was neue Familien bei Geld, Sorgerecht und Rente beachten sollten

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Von: Mechthild Henneke

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Socken, Strümpfe, Wäsche trocknet im Winter auf einer Wäscheleine im Garten
Bei Patchworkfamilien kommen zwei Haushalte zusammen. Einiges beim Thema Finanzen und Recht sollten Paare beachten. © Imago

In Patchworkfamilien kommen zwei Haushalte und häufig Nachwuchs aus zwei Verbindungen zusammen. Dabei stellen sich viele finanzielle und rechtliche Fragen.

Frankfurt – Patchwork-Familien sind so wie die Decken, die ihnen den Namen geben: Sie sind bunt, denn sie bestehen aus Paaren, die nicht selten mehrere Kinder in die neue Familie mitbringen. Alle müssen lernen, zusammen zu leben. Neben den sozialen Fragen gibt es auch finanzielle und rechtliche Themen, die mit Patchworkfamilien zusammenhängen.

„Der Begriff Patchworkfamilie hat zwei Bedeutungen: Er meint sowohl verheiratete als auch unverheiratete Paare, die nach einer Trennung zusammenfinden und bei denen zumindest eine Seite ein Kind oder mehrere Kinder hat“, sagt Maren Lohrer, Autorin des Buchs „Patchworkfamilie“ aus München, das die Verbraucherzentrale herausgegeben hat. Im Englischen spricht man übrigens von „blended families“ – der Begriff Patchwork taucht hier nicht auf. Patchworkfamilien haben einen gemeinsamen Wohnsitz.

Rechte und Finanzen bei Patchwork-Familien: Das sollten Partner:innen beim Sorgerecht wissen

Sorgerecht
Patchworkeltern haben kein Sorgerecht für die Kinder des Partners. „Das Sorgerecht für die Kinder haben nur die leiblichen Eltern, daran ändert sich durch Wiederverheiratung oder Eintritt in eine neue Partnerschaft nichts“, sagt Rechtsanwalt und Notar Jürgen Doege aus Geesthacht. Abhilfe schafft eine Adoption – dieser müsste aber der zweite Elternteil zustimmen. „In der Praxis haben die meisten Partner daran kein Interesse.“ Eine Adoption hätte auch Auswirkungen aufs Erbe, denn adoptierte Kinder sind erbberechtigt. Strebt ein Paar eine Adoption an, werden auch die leiblichen Kinder des adoptierenden Teils gefragt, ob sie einverstanden sind. „Angehört werden die Kinder meist schon ab dem 14. Lebensjahr“, sagt Doege.

Bei Ärger in der Schule hat der Patchworkpartner also kein Recht, mit dem Direktor zu sprechen. Hier sind die Eltern gefragt. „Die Einschulung, ein operativer Eingriff oder der Wechsel des Aufenthaltsorts sind Beispiele für Angelegenheiten, die nur leibliche Eltern entscheiden dürfen“, sagt Doege.

Was Patchwork-Familien bei Steuern und staatlichen Leistungen beachten sollten

Steuern und staatliche Leistungen
Alleinerziehende haben Steuerklasse 2. Wer mit einem neuen Partner zusammenzieht, verliert diese Steuerklasse – und damit den Entlastungsbetrag für Alleinerziehende. Welche Steuerklasse gewählt wird, hängt von verschiedenen Voraussetzungen ab und sollte zwischen den neuen Lebenspartnern geklärt werden.

Beim Kindergeld müssen Patchworkeltern aufpassen, rät Ratgeberautorin Maren Lohrer. Bekommen sie gemeinsam ein Kind, ist es günstiger, wenn derjenige das Kindergeld beantragt, der schon Kinder hat. Der neue Nachwuchs wird dann als zweites oder drittes Kind gezählt, was ab dem dritten Kind ein höheres Kindergeld zur Folge hat.

In Patchworkfamilien haben nicht verwandte Betreuungspersonen auch einen Anspruch auf Krankengeld bei Erkrankung des Kindes, bestätigt ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums. Voraussetzung ist, dass das Kind jünger als zwölf Jahre „oder behindert und auf Hilfe angewiesen“ ist. Ein Arzt muss außerdem bestätigen, dass die Betreuung notwendig ist. Wegen Corona wurde der Anspruch für 2022 auf 30 Arbeitstage Krankengeld für die Betreuungsperson (Alleinerziehende: 60 Arbeitstage) erhöht.

Finanztipps für Patchwork-Familien: Bei Versicherungen den günstigsten Tarif wählen

Versicherungen
Lohrer empfiehlt, Versicherungsverträge zum Beispiel bei Hausrat und Haftpflicht anzuschauen, um den günstigsten Tarif zu wählen. „Doppelte Verträge sollten gekündigt werden. Ältere Policen kann man behalten und eventuell erweitern“, sagt Lohrer. Das wird zum Beispiel bei der Hausratversicherung notwendig, wenn der Wert des Hausstands sich nach dem Zusammenziehen erhöht hat. „Die Haftpflichtversicherung muss die Person abschließen, bei der die Kinder leben“, sagt sie. Wenn ein Kind also mehrheitlich beim Ex-Partner lebt und nur am Wochenende zur Patchworkfamilie kommt, muss hier keine eigene Haftpflichtversicherung abgeschlossen werden.

Ein besonderes Augenmerk sollte auch der Lebensversicherung gelten. „Viele gehen davon aus, dass der neue Lebenspartner oder die neue Lebenspartnerin das Geld bekommt, wenn dort der Ehepartner als Begünstigter vermerkt ist“, sagt Lohrer. Das sei aber falsch. Auch wenn das Patchworkpaar geheiratet hat, erhält der oder die Ex das Geld, denn er oder sie war mit dem Vertragsnehmer verheiratet, als der Vertrag geschlossen wurde. Der Versicherungsnehmer sollte den Vertrag ändern, wenn er möchte, dass sein aktueller Lebenspartner von der Versicherung profitiert.

Geld, sparsames Haushalten und Taschengeld: Besser drei Konten einrichten

Sparsames Haushalten
In Patchworkfamilien muss häufig gut gehaushaltet werden. Neben den Kosten für die eigene Familie sind nicht selten Unterhaltszahlungen zu leisten. „Außerdem haben die Partner oft unterschiedliche Vorstellungen übers Geld und übers Haushalten und je älter man wird, desto rigider wird man“, weiß Lohrer. Sie empfiehlt deshalb, dem Thema Geld Zeit zu widmen und sich ausführlich auszutauschen. „Wie bewerte ich Erziehungsaufgaben? Wie möchte ich das Geld kontrolliert sehen?“, seien wichtige Fragen. Ihr Tipp: drei Konten einrichten – jeder hat ein eigenes Konto und es gibt ein gemeinsames Konto für den Haushalt. „Davon wird alles bezahlt – von der Miete bis zum Essen.“ Ein Haushaltsbuch könne helfen, die Ausgaben zu kontrollieren und später zu klären, wo man nachjustieren kann.

Taschengeld
Ein wichtiges Thema ist das Taschengeld – „ein ewiger Zankapfel in vielen Patchworkfamilien“, wie Lohrer sagt. Im Ratgeber gibt es deshalb eine Taschenbuchtabelle mit Empfehlungen vom Vorschulalter (0,50 bis 1 Euro) bis zur Volljährigkeit (61 bis 76 Euro). Ihr Rat: „Alle Kinder altersabhängig gleichbehandeln, denn Kinder haben eine aufmerksame Sensorik für Ungerechtigkeit.“

Rente und Erben: Autorin gibt Finanztipps für Patchwork-Familien

Rente
Bei Patchworkpaaren, die nicht verheiratet sind, spart jeder für die eigene Rente. „Nur wenn ein Paar verheiratet ist, können zum Beispiel Kindererziehungszeiten angerechnet werden“, sagt Lohrer. Patchworkpartner werden vom Gesetzgeber erst dann als Angehörige betrachtet, wenn ein Trauschein vorliegt. Auch eine Pflegeunterstützungszeit oder ein Pflegezuschlag kann nur dann beansprucht werden.

Erben
In Patchworkfamilien erben die Partner für den Fall, dass sie verheiratet sind. Bei den Kindern ist das anders. Unabhängig davon, ob ein Paar verheiratet ist oder nicht, erben nur die leiblichen Kinder. „Stiefkinder haben nur ein Erbrecht, wenn das im Testament festgelegt wurde“, sagt Doege. Für den Fall, dass ein Testament geschrieben wird, in dem Patchworkkinder bedacht werden sollen, empfiehlt er, einen Notar hinzuzuziehen. (Mechthild Henneke)

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