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Der Euro - bald auch digital?

Zahlungssystem

Ruf nach dem digitalen Euro: Politiker, Unternehmer und Banker fordern ein innovatives Zahlungssystem

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Die Einführung eines digitalen Euro hört sich nicht schwierig an, ist aber äußerst komplex.

Der Lastwagen ist klug und ziemlich autonom. Wenn der Elektrowagen merkt, dass seine Batterie langsam zur Neige geht, kontaktiert er die Ladesäule. Er organisiert sich einen Aufladetermin und verhandelt den Preis für die Dienstleistung. Nach dem Termin zahlt der LKW automatisch mit dem digitalen Euro. „Der LKW kann eine aktivere Rolle in der Logistik übernehmen und Aufgaben übernehmen, die heute noch bei Spediteur und Fahrer liegen“, sagt Helge Königs, Projektleiter Truck Wallet bei Daimler Trucks.

Königs hat sich am Mittwoch als Redner in eine Telefonkonferenz des Bundesverbands deutscher Banken (BdB) für Journalisten eingewählt, um an einem Beispiel zu erläutern, wozu ein digitaler Euro gut sein kann. Denn genau das fordert der BdB: Die Einführung einer elektronischen Währung. „Das ist der Appell, der Aufruf, das Angebot an alle Interessierten, darüber nachzudenken, wie wir da weiterkommen. Wir haben keine Zeit zu verlieren, denn wir wissen, dass andere Player in der Welt weiter sind als wir“, sagte Andreas Krautscheid, Hauptgeschäftsführer des BdB.

China arbeitet an eigener Digitalwährung

Die chinesische Regierung arbeitet tatsächlich bereits seit mindestens fünf Jahren an einer eigener an den Yuan gebundenen Digitalwährung und will diese neuesten Äußerungen zufolge eher früher als später starten. Wie genau diese ausgestaltet sein wird, ist allerdings noch geheim. Europa dürfe nicht zulassen, dass es irgendwann von womöglich problematischen ausländischen Dienstleistern abhängig sei, sondern müsse eine eigene Infrastruktur aufbauen, so Krautscheid.

Der BdB steht mit seiner Forderung nicht alleine da. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) plädierte kürzlich in einem Interview mit der „Wirtschaftswoche“ für die Einführung eines E-Euro. „Ein solches Zahlungssystem wäre gut für den Finanzplatz Europa und seine Einbindung ins Weltfinanzsystem“, sagte er. Auch andere Bundestagsabgeordnete haben sich dementsprechend geäußert. Allerdings ist unklar, was sie jeweils genau damit meinen.

BdB-Experte Krautscheid begann seine Erklärungen zum E-Euro zwar am Mittwoch mit dem Verweis auf Libra – die digitale Währung, die Facebook einführen will. Der Segen an Libra sei, dass das Thema digitales Geld nun eine sehr hohe Aufmerksamkeit erhalte, die Menschen endlich wach geworden seien, so Krautscheid: „Bis vor kurzem war das noch ein Delikatessenthema.“ Tatsächlich aber hat die BdB-Idee eines E-Euro wenig mit Libra gemein.

Umstrittene Libra soll ein internationales Zahlungsmittel für jedermann werden

Die hoch umstrittene Libra soll ein internationales Zahlungsmittel für jedermann werden. Der digitale Euro dagegen ist vor allem für die Industrie gedacht und soll dort Prozesse beschleunigen und vereinfachen – indem Maschinen automatisch miteinander kommunizieren, Verträge abschließen und dann eben auch sicher Geld transferieren. Wie eben bei Daimler Trucks, wo derzeit bereits mit den klugen LKWs experimentiert wird. „Für unsere Kunden ist die rechtliche Sicherheit wichtig, die wollen keine Grau- und Schattenbereiche“, so Projektleiter Königs. Daher sei auch ein digitaler Euro das richtige Zahlungsinstrument – nicht irgendeine Kryptowährung.

Das E-Geld sollte weiterhin bankbasiert sein, wünscht sich der BdB. Verständlich. Eine private Währung wie Libra würde die Banken viel Geschäft kosten. Sie könnten etwa die Bepreisungsmodelle für die verschiedenen Dienstleistungen übernehmen und die Kreditwürdigkeit der Akteure überprüfen, so Krautscheid.

Für Laien hört sich die Einführung eines digitalen Euro nicht schwierig an. Tatsächlich aber ist es komplex: Neben den rein technischen Fragen geht es etwa um Probleme rund um die Identitätsprüfung der Teilnehmer, des Datenschutzes und der Regulierung.

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