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US-Präsident Donald Trump fordert von der amerikanischen Zentralbank die Senkung der Leitzinsen, um die Konjunktur anzukurbeln.

Analyse

Geld und Politik: Warum Trump und Erdogan Zinssenkungen fordern

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Trump und Erdogan fordern niedrigere Leitzinsen. Beide Fälle scheinen ähnlich, sind aber grundverschieden.

An den Finanzmärkten werden viele Risiken gehandelt. Als größtes Schreckgespenst jedoch gilt derzeit weniger der Geschäftsgang der Unternehmen, also das Risiko einer Rezession, sondern die Politik. Inzwischen scheint auch das Allerheiligste der Wirtschaft, das Geld selbst, gefährdet: Ökonomen warnen vor einer „Politisierung der Zentralbanken“, also vor einer Geldpolitik, die nicht den Gesetzen der Stabilität folgt, sondern politischen Präferenzen. Ob es solche Gesetze wirklich gibt, sei dahingestellt. Allerdings zeigen die Warnung und ihre Anlässe einiges über die Machtverteilung in der Welt und welche Rolle das Geld dabei spielt.

Den ersten Anlass für die Warnung bietet US-Präsident Donald Trump. Er fordert von der amerikanischen Zentralbank (Fed) seit langem die Senkung der Leitzinsen, um die Konjunktur anzukurbeln, was seiner Beliebtheit bei den Wählern sicher nicht schaden würde. Als die Fed sich weigerte, ließ Trump laut Medienberichten sogar seine Möglichkeiten zur Absetzung ihres Chefs Jerome Powell prüfen. Inzwischen hat sich die US-Zentralbank wohl zu einer Zinssenkung Ende Juli durchgerungen, und damit wird der Verdacht laut, Powell beuge sich damit dem Druck Trumps.

Nur scheinbar ähnliche Fälle

Den zweiten Anlass bietet die Türkei. Auch dort fordert das Staatsoberhaupt Recep Tayyip Erdogan Leitzinssenkungen, aus dem gleichen Grund wie in den USA. In der Währungskrise im September 2018 hatte die türkische Zentralbank den Zinssatz auf satte 24 Prozent angehoben, um die Kapitalflucht aus dem Land und den Absturz der türkischen Lira zu stoppen. Das hat die hoch verschuldeten Unternehmen und Haushalte hart getroffen, die Wirtschaftsleistung schrumpfte zuletzt. Da die Währungshüter den Wünschen des Präsidenten nicht nachkamen, feuerte Erdogan ihren Chef. Am Donnerstag tritt die Zentralbank nun zusammen – eine Zinssenkung wird erwartet.

Beide Fälle scheinen ähnlich, doch sind sie grundverschieden. Der türkische Wirtschaftsboom ist abhängig vom steten Zufluss ausländischen Kapitals. Um dieses Kapital anzulocken, müssen ihm ansprechende Zinsen geboten werden – Zinsen, die hoch genug sind, um eine Inflationsrate von derzeit 15 Prozent und ein permanentes Abwertungsrisiko der Lira gegenüber Dollar und Euro auszugleichen. Ist die reale Rendite zu niedrig, flieht das Kapital aus der Türkei, die Währung fällt, die Inflation steigt, was noch mehr Anleger zur Flucht animiert.

Grundproblem der Türkei und anderen „Weichwährungsländern“ ist die Tatsache, dass ihre Währungen für Anleger nur ein Durchgangsstadium sind: Internationale Investoren halten ihren Reichtum in Euro oder Dollar, sie investieren in Lira, tauschen dann zurück harte Währung und schauen am Ende, was übrig bleibt.

Ganz anders ist die Lage in den Heimatländer des Finanzkapitals: Die USA oder die Euro-Zone verfügen über weltweit gültiges Geld, sie genießen immer Kredit und können daher ihre Zinsen nach Maßgabe der heimischen Konjunktur variieren. Der Rest der Welt muss zuschauen, wie er in dieser Konkurrenz um Kredit mithalten kann.

Und daher gefährdet eine Leitzinssenkung in der Türkei den gesamten Aufschwung. In den USA dagegen führt die Aussicht auf eine Leitzinssenkung nur zu Rekorden an der Aktienbörse.

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