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Der Wertpapierkredit ist günstiger als ein Dispokredit, hängt aber vom Aktienkurs ab.

Wertpapierkredite

Geld leihen aufs Depot

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Wertpapierkredite ermöglichen, kurzfristig und kostengünstig an Bares zu kommen.

Wertpapierdepots bieten ihren Besitzern einen – häufig wenig bekannten – Vorteil: Sie können beliehen werden. Mit dem Geld können nicht nur weitere Wertpapiere gekauft, auch der finanzielle Spielraum insgesamt kann erweitert werden – für den Kauf eines Autos oder Fernsehers zum Beispiel. Der große Vorteil: Der Wertpapierkredit ist günstiger als ein Dispokredit. Er hat aber auch Nachteile: Wenn die Aktien fallen, muss der Kreditnehmer Geld aus anderen Quellen nachschießen. 

Wer kann einen Wertpapierkredit erhalten? 
Grundsätzlich kann jeder, der ein Wertpapierdepot hat, einen Wertpapierkredit, auch Effektenlombardkredit genannt, erhalten. Einige Banken räumen diesen bereits ab 1000 Euro Depotwert ein. Maximilian Kleyboldt, stellvertretender Direktor der Bethmann Bank in Frankfurt am Main, die ebenfalls Wertpapier- beziehungsweise Lombardkredite ausgibt, sagt: „Ein solcher Kredit ist für Kunden interessant, wenn der Mehrwert durch den Kredit höher ist als die Kreditzinsen, die für den Kredit in Rechnung gestellt werden.“ Das sei zum Beispiel der Fall, wenn jemand Aktien kauft, deren Wert anschließend stark ansteigt.

Was muss ich tun, um einen Wertpapierkredit zu erhalten?
Die Kredite aufs Depot funktionieren ähnlich wie Dispo-Kredite: Das heißt, der Depotinhaber wendet sich an seine Bank und beantragt einen Wertpapierkredit auf sein Depot. Die Bank räumt den Kredit anschließend ein. Der Depotinhaber kann jetzt flexibel auf das Geld zurückgreifen: Er kann einen Teil des Geldes nutzen, die volle Summe oder gar nichts. „Der Vorteil dieses Kredits liegt darin, dass kurzfristig für die Erweiterung des finanziellen Spielraums Gelder bereitgestellt werden können, für Wertpapierkäufe oder auch für sonstige Zwischenfinanzierungen, wenn Kapital benötigt wird“, sagt Kleyboldt. 

Muss ich den Kredit bei der Bank nehmen, wo mein Depot liegt? 
„Da der Wertpapierkredit eine Verpfändung des Depots darstellt, wäre es grundsätzlich denkbar, einen solchen Kredit auch bei einer anderen als der depotführenden Bank zu bekommen“, erklärt Jürgen Kurz, Pressesprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) in Düsseldorf. Damit sei jedoch ein hoher bürokratischer Aufwand verbunden. In der Praxis dürfte es deshalb kaum vorkommen, dass ein Wertpapierkredit bei einer fremden Bank beantragt wird.

Wie hoch kann der Kreditrahmen sein? 
„Grundsätzlich gilt: Je geringer das Verlustrisiko, desto höher der Beleihungswert“, erklärt Kurz. Während Aktien meist bis zu 70 Prozent beliehen werden könnten, wären etwa deutsche Staatsanleihen mit bis zu 90 Prozent beleihbar. Die Banken entscheiden selbst über die Höhe der jeweiligen Beleihungswerte. Auch die Risikoklassen der Fonds können dabei eine Rolle spielen. Je höher die Risikoklasse, desto eher sind Kursverluste möglich.

Wie viel Zinsen werden auf Wertpapierkredite erhoben? 
Zurzeit liegt der Zinssatz bei 3,5 bis fünf Prozent bei Direktbanken, bei Privatbanken auch deutlich darunter – und ist damit niedriger als beim Dispokredit (etwa acht bis neun Prozent). „Je größer das Wertpapierdepot ist, desto größer kann der Kreditrahmen aufgrund des zugrundeliegenden Beleihungswertes und desto niedriger der Zins sein“, sagt Kleyboldt. Vereinzelt erheben Banken eine Bearbeitungsgebühr oder Bereitstellungszinsen. Diese können ein Prozent des Kreditrahmens betragen.

Wie wird ein Wertpapierkredit zurückgezahlt? 
Der Depotinhaber kann selbst entscheiden, wann er den Kredit zurückzahlt. Es handelt sich ja nicht um einen befristeten Kredit wie den Ratenkredit. Die Zinsen werden in der Regel vierteljährlich erhoben. Kleyboldt empfiehlt: „Man sollte die Rückzahlung und die Gesamtvermögensverhältnisse immer im Auge behalten.“ Wer mit Aktien spekuliere und von weiteren Kurssteigerungen ausgehe, nutze Gewinne dagegen häufig auch zum Kauf neuer Wertpapiere, eine Praxis, die jedoch sehr risikobehaftet sei.

Was passiert mit meinem Kredit, wenn die Aktienkurse fallen? 
„Fällt der Wert des geliehenen Depots unter den Beleihungswert, droht meist zunächst eine Zinserhöhung“, sagt DSW-Sprecher Kurz. Sollte das nicht ausreichen, müsse der Kunde Geld nachschießen. Wenn das nicht möglich ist, habe die Bank in der Regel das Recht, Aktien zu veräußern. Sollte trotz des Verkaufs noch ein Kreditbetrag übrigbleiben, müsse der Kreditnehmer diesen ebenfalls tilgen. „Wenn es zu großen Marktturbulenzen kommt, kann das mühsam Ersparte verlorengehen“, warnt Kleyboldt. Im schlimmsten Fall drohe Totalverlust. Er empfiehlt deshalb vor Abschluss eines Wertpapierkredits genau zu prüfen, wie sich die Bank verhält, wenn Kursverluste eintreten. 
Da die Entwicklung des Aktienmarkts schwer voraussehbar ist, sollten Wertpapierkredite laut den Experten deshalb nicht zu umfangreich im Verhältnis zum Gesamtvermögen sein. Der Depotanbieter Maxblue von der Deutschen Bank rät in seinem Infoblatt zum Depotkredit den Kunden zur Vorsicht: „Selbst wenn Sie sehr risikofreudig sind, sollten Sie außerhalb Ihres Maxblue Depots noch in ausreichendem Umfang über liquide Mittel verfügen und darauf achten, dass Ihre spekulativen Engagements nur einen geringen Teil Ihres gesamten Kapitalvermögens ausmachen.“ 

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