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Die Zukunft von Ratiopharm ist offen.

Merckle-Imperium

Geld kommt, Ratiopharm geht

Zwei Tage nach dem Freitod von Konzernchef Merckle ist sein schwer angeschlagenes Firmenimperium vorerst gerettet. Aber die Gläubiger-Banken nennen Bedingungen.

Frankfurt a.M. Die Familie des verstorbenen Pharma-Unternehmers Adolf Merckle bekommt von ihren Banken den dringend benötigten Kredit für ihr finanziell angeschlagenes Firmenimperium.

Zur endgültigen Rettung der Gruppe wird die Familie aber um harte Schritte nicht herumkommen. So ist ein Verkauf des von Merckle gegründeten Arzneimittelherstellers Ratiopharm bereits ausgemachte Sache.

Das Geld sei überwiesen, bestätigte die Merckle-Vermögensverwaltung VEM. "Wir sind sehr froh, eine Lösung gefunden zu haben", sagte Merckles-Sohn Ludwig. Der Liquiditätsengpass sei abgewendet, die langfristige Sanierung gesichert.

Finanzkreisen zufolge beläuft sich der Überbrückungskredit auf rund 400 Millionen Euro. Damit gewinnt die Familie nun Zeit, um die erforderliche Sanierung und Umschuldung der Gruppe anzugehen.

Der geplante Verkauf von Ratiopharm soll über einen Treuhänder erfolgen, der von den Banken und VEM gemeinsam bestimmt werde. Die Ratiopharm-Geschäftsführung werde den Verkauf steuern. Mit den Banken wurde zudem vereinbart, dass sich Merckles Sohn Ludwig aus der Geschäftsführung von VEM zurückzieht.

Ratiopharm geht davon aus, dass der Verkauf mehrere Monate in Anspruch nehmen wird. Experten rechnen damit, dass der Deal mit Ratiopharm, zuletzt mit einem Jahresumsatz von etwa 1,8 Milliarden Euro, angesichts der Finanzkrise schwierig wird. Als Kaufpreis nennen Banker zwei bis drei Milliarden Euro.

Adolf Merckle hatte sich am Montag das Leben genommen. Als Beweggrund führte die Familie die wirtschaftliche Notlage seiner Firmen an, die durch die Finanzkrise verursacht worden sei. Merckle hatte in den vergangenen Jahren ein riesiges und schwer durchschaubares Firmenkonglomerat aufgebaut, zu dem neben dem Baustoffkonzern Heidelberg-Cement und Ratiopharm auch der Pharmahändler Phoenix gehört.

Die Merckle-Gruppe erwirtschaftete zuletzt mit rund 100.000 Mitarbeitern einen Umsatz von etwa 30 Milliarden Euro. Die Rettung der Gruppe ließ die Aktien von Heidelberg-Cement um mehr als fünf Prozent in die Höhe schnellen.

Umfassende Sanierung

In den nächsten Monaten wird es darum gehen, die milliardenschwere Schuldenlast der Firmengruppe mit einer umfassenden Umschuldung zu verringern. Insbesondere Heidelberg-Cement steht nach dem Kauf des britischen Konkurrenten Hanson mit mehreren Milliarden Euro in der Kreide.

Der Börsenwert des Unternehmens verringerte sich seitdem im Zuge der eingebrochenen Baukonjunktur erheblich. Die Kreditgeber fordern daher frisches Kapital. Verschärft wurden die Finanznöte Merckles noch durch Fehlspekulationen mit VW-Aktien.

In Bankenkreisen erwartet man durch den Tod keine größeren Auswirkungen auf die Sanierung. Merckle, der als kantig und als harter Verhandlungspartner galt, hatte in den Gesprächen mit den rund 30 Gläubigerbanken unter anderem mit der Insolvenz seines Firmengeflechts gedroht.

Unklar ist allerdings, wie sich Regelungen zu Nachlass, Erbfolge und die damit verbundenen steuerrechtlichen Konsequenzen auf den Sanierungsplan auswirken. Positiv wird gesehen, dass Merckle selbst noch das Rahmenabkommen unterzeichnet hat. Dieses sieht unter anderem den Verkauf von Ratiopharm vor. "Die Banken gehen davon aus, dass diese Zusagen auch weiter gelten", sagte eine mit der Situation vertraute Person. (rtr)

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