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Die Restaurantkette Coa lockt nicht nur mit verführerischen Gerichten, sondern auch mit hohen Zinsen.
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Die Restaurantkette Coa lockt nicht nur mit verführerischen Gerichten, sondern auch mit hohen Zinsen.

Geldanlage

Wo Geld wie Honig fließt

  • Martin Brust
    VonMartin Brust
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Immer öfter gehen Firmen auf der Suche nach Kapital direkt auf Anleger zu. Sie drehen tolle Videos und versprechen eine goldene Zukunft. Davon sollte man sich nicht blenden lassen.

Die Kellnerinnen und Kellner servieren Thai-Enten-Salat, vietnamesische Sommerrollen und koreanische Glasnudelsuppe, zur Nachspeise werden Tempura-Banane mit Ingwer-Honig-Eis oder ein Grüntee-Cheesecake gereicht. Das Interieur ist aufwendig mit vielen asiatischen Elementen gestaltet, der Blick in die offene Küche offenbart emsiges Treiben.

Mit ihrer Frankfurter Gastronomiekette Coa, kurz für Cuisine of Asia, versuchen die Brüder Alexander und Constantin von Bienenstamm, geboren und aufgewachsen in Hongkong, ihr Glück als Unternehmer. Und wie alle Unternehmer brauchen sie hin und wieder eine Kapitalspritze. Die hat Coa vor einigen Wochen bekommen – auf noch immer relativ ungewöhnlichem Weg, per Crowdfinanzierung.

Über die Internetplattform Kapilendo bot Coa Anlegern an, in die weitere Expansion seines asiatischen Systemgastronomiekonzeptes zu investieren. Bereits nach 24 Stunden war die Finanzierungsschwelle von 500 000 Euro übertroffen, bis zu zwei Millionen Euro wollte das Unternehmen innerhalb der knapp 30-tägigen Kampagne einsammeln, gut 1,5 Millionen Euro haben 724 Anleger schlussendlich dem Unternehmen anvertraut. Dieses verspricht ihnen dafür einen Festzins von 7,5 Prozent über eine Laufzeit von fünf Jahren und zusätzlich einen Erfolgszins von bis zu zwölf Prozent. Der Zuschlag ist abhängig vom Erreichen bestimmter Umsatzziele innerhalb der Finanzierungslaufzeit. Die Zinssätze sind attraktiv in Zeiten, in denen Banken für Tagesgeldkonten nur knapp über null Prozent Zinsen zahlen und manche sogar bereits negative Zinsen berechnen – faktisch Gebühren für die Aufbewahrung des Ersparten.

Die Plattform Kapilendo, über die Coa seine Finanzierungskampagne verbreitet hat, nennt sich Marktführer „im Premiumbereich der digitalen Mittelstandsfinanzierung in Deutschland“, es gibt aber zahlreiche ähnliche Plattformen, teils mit höheren Finanzierungsvolumina. Denn Crowdinvesting ist einfach und geradezu auf private Geldgeber zugeschnitten, die es vielleicht zu mühsam finden, sich mit klassischen Anleihen zu beschäftigen.

Die Geldanlage sei kostenfrei, biete einen Festzins und die Emittenten der Schuldtitel seien erfolgreiche Unternehmen, wirbt Kapilendo. Es gebe keine Kursschwankungen wie bei Aktien, die Firmen seien in einem mehrstufigen Verfahren geprüft und würden sich per Video vorstellen, so dass Anleger leicht verstehen, wem sie eigentlich ihr Geld anvertrauen. Der Einstieg ist schon ab 100 Euro möglich, also praktisch mit dem Inhalt des Sparschweins – aber volljährig muss man schon sein. Ein eigenes Rating-Team bewertet die Firmen und legt die Konditionen fest.

Für die Unternehmen liege der Vorteil gegenüber der klassischen Finanzierung über eine Bank in der Einfachheit und in der mit den Kampagnen – im Idealfall – verbundenen zusätzlichen Öffentlichkeit. Von einer Spedition über einen Wohnmobilhändler und einen Reiseveranstalter bis zum bekannten Fahrradverleiher Next Bike reicht die Liste der durch Crowdfunding finanzierten Firmen, selbst der Fußballverein Hertha BSC ist darunter.

Wer sich über ein Investment informieren will, kommt allerdings auch am Risikohinweis nicht vorbei, dem zufolge der Totalverlust des eingesetzten Vermögens drohen kann. Und genau damit sollten sich Anleger unbedingt beschäftigen, denn der einfache Zugang zu einem Direktinvestment verführt leicht dazu, die Risiken zu übersehen – die es natürlich auch bei einem Investment am Aktienmarkt oder in eine klassische Firmenanleihe gibt.

Die Brüder von Bienenstamm haben ihr erstes Coa-Restaurant 2005 in Frankfurt gegründet. Inzwischen hat die Kette 15 Filialen und will mit dem Geld aus der Finanzierung 2018 vier weitere eröffnen. Langfristig sollen es 40 in ganz Deutschland sein. Sie sind klar auf Wachstum ausgerichtet.

Gegessen wird immer, mag man sich als Anleger denken. Aber sich mit den Zahlen zu beschäftigen, schadet nicht: Die drei Coa-Gesellschaften, die im Bundesanzeiger ihre Geschäftszahlen veröffentlichen, haben für 2016 (neuere Daten liegen nicht vor) fast drei Millionen Euro Verlust gemeldet. Zusammen kommen sie auf 14,3 Millionen Euro Schulden, hinzu kommt eine laufende Finanzierung von 5,7 Millionen Euro. Zudem hat das Unternehmen die eigenen Wachstumsprognosen der Vergangenheit nicht eingehalten. In einer Pressemitteilung von November 2016 wurde angekündigt, Ende 2017 an 20 Standorten Restaurants zu betreiben. Das Ziel wurde verfehlt, was keine Schande ist, aber gut illustriert, welche Risiken mit Unternehmertum, Prognosen und Investitionen verbunden sind.

In keinem der drei Jahresabschlüsse von Coa werden Angaben zum erzielten Umsatz gemacht. Laut den bei Kapilendo veröffentlichten Geschäftszahlen betrug der Umsatz in der Coa Holding GmbH – in diese haben die Anleger investiert – 2017 knapp 15 Millionen Euro und der Verlust lag bei knapp einer Million. Dort wird für die Laufzeit der Kapilendo-Finanzierung bis 2023 starkes Wachstum sowie 2019 das Erreichen der Gewinnzone prognostiziert. Ein Versprechen.

Hoher Zins, hohes Risiko, so einfach ist die Welt. Wer sich für das direkte Investieren über Plattformen wie Kapilendo interessiert, kann durch niedrige Mindestbeträge sein Kapital – und damit sein Risiko – breiter streuen als bei vielen anderen Anlagen. Da geht vielleicht mal ein Unternehmen pleite, ein anderes entpuppt sich dafür womöglich als Volltreffer und spielt das verlorene Geld wieder rein.

Grundsätzlich ist es aber klug, sich nicht von schönen Videos und tollen Versprechungen blenden zu lassen, sondern ins Kleingedruckte zu schauen und sich zu überlegen, ob die beschriebene Wachstumsstory plausibel klingt. Investieren sollte nur, wer sich den Verlust des eingesetzten Kapitals leisten kann. Wer auf sein Geld angewiesen ist, legt es besser zu niedrigeren Zinsen, dafür aber sicher an.

Gerade bei Crowdfunding sind die Rechte der Geldgeber oft besonders schlecht. Laut Crowdfunding.de handelt es sich bei fast 75 Prozent der Investitionen um nachrangige Darlehen ohne jegliche Besicherung. Das bedeutet konkret: Im Falle des Scheiterns ist man der letzte in der Schlange der Gläubiger.

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