Vermögen

Wo das Geld hinfließt

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Für eine funktionierende Wirtschaft ist es nicht egal, wer das Geld hat. Das sollte bedenken, wer nun Steuersenkungen für Firmen fordert. Die Analyse.

Die Ungleichheit von Einkommen und Vermögen in Deutschland ist ein Dauerbrenner. In der Debatte kommen zahlreiche Vorschläge auf den Tisch, wie die Schere zwischen Arm und Reich zu schließen wäre – von Erbschaftssteuern über höhere Reichen- oder Kapitalertragssteuern. Weniger Aufmerksamkeit erhält jedoch die Korrektur der Markteinkommen, also der Einkommen vor staatlicher Umverteilung. Dabei liegt hier die Hauptquelle der wachsenden Ungleichheit, die der Staat mit Steuern, Abgaben und Sozialleistungen nur noch modifiziert.

Geht es um Ungleichheit, so wird meist die personelle Verteilung des Geldes thematisiert: Zum Beispiel durch einen Vergleich der reichsten zehn Prozent der Haushalte mit den ärmeren zehn, 50 oder 90 Prozent. Ein anderer Ansatz ist die Betrachtung der funktionalen Verteilung, also der Verteilung zwischen Kapital, Arbeit und den Grundeigentümern. Ihre Einkommen – Firmengewinn, Lohn und Bodenrente – sind die sogenannten Markteinkommen. Und hier hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan.

Die französische Bank Natixis hat ein paar aufschlussreiche Statistiken zur Entwicklung insbesondere von Lohn und Profit in den USA, der Euro-Zone, Großbritannien und Japan vorgelegt. So ist die Produktivität pro Kopf in dieser Ländergruppe seit 1990 um etwa 50 Prozent gestiegen, statistisch gesehen produzierte jeder Einwohner zuletzt also die Hälfte mehr als vor 28 Jahren. Gleichzeitig stieg der reale Lohn – also das, was die Arbeitnehmer für ihre Produktivität bekamen – nur halb so stark. In allen Ländern kam es damit zu einer Umverteilung zu Gunsten der Unternehmen, allerdings mit zwei Ausnahmen: Frankreich und Italien.

Die starke Marktposition der Unternehmen zeigt sich auch daran, dass die Unternehmen ihre Preise – also das, was sie für ihre Güter verlangen konnten – um über 60 Prozent erhöhten. Die Schwäche der Arbeitnehmer zeigt sich dagegen in einer Zunahme der Lohnstückkosten um nur etwa 35 Prozent. Insgesamt, so Natixis, legte die Lohnsumme in der Ländergruppe um rund 70 Prozent zu, die Gewinne nach Steuern und Zinszahlungen, aber vor Dividendenzahlungen, stiegen um das Doppelte. In Deutschland zum Beispiel ist der Anteil der Gewinne an der Wirtschaftsleistung in den letzten 20 Jahren von acht auf nun 13 Prozent gewachsen. Dazu haben die Regierungen aber auch kräftig beigetragen: So schrumpfte der Satz, zu dem Gewinne versteuert werden müssen, in der OECD von 42 auf nur noch 27 Prozent.

Was tun die Unternehmen mit dem vielen Geld? Ein Teil wird investiert. Der große Rest aber wird in Finanzwerten angelegt – die Unternehmen sind Netto-Sparer geworden und kaufen zum Beispiel (eigene) Aktien. So hielten die Unternehmen außerhalb des Finanzsektors vor 20 Jahren noch Aktien, deren Wert etwa 30 Prozent der Wirtschaftsleistung entsprach. Heute sind es über 60 Prozent.

Fazit von Natixis: Die Umverteilung zu Gunsten des Kapitals drückt die Löhne und damit die Nachfrage der privaten Haushalte. Dies wiederum führe dazu, dass die Unternehmen ihre zusätzlichen Gewinne nicht investierten, was volkswirtschaftlich ineffizient sei. Das scheint Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) nicht zu stören. Nach dem Konjunktureinbruch im dritten Quartal dringt er auf Steuererleichterungen für Unternehmen.

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