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Welches Produkt bringt die beste Rendite?

Geldanlage

Wem das Geld anvertrauen?

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Lebensversicherung, Aktien oder Fonds: Wie man seriöse Produkte und Anbieter erkennt.

Überdurchschnittlich hohe Rendite bei Risiken die gegen Null gehen – wird ein Geldanlageprodukt auf diese Weise beworben, ist etwas faul. „Immer wenn hohe Renditen versprochen werden, ist damit auch ein höheres Risiko verbunden“, sagt Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. „Rendite und Risiko hängen untrennbar miteinander zusammen. Das gilt für alle Anlagen.“ 

Dennoch gibt es immer mal wieder Skandale um sogenannte „Schneeballsysteme“. Anbieter locken mit beeindruckenden Gewinnspannen bei gleichzeitig scheinbar geringem Risiko. Doch die Investitionen werden nicht angelegt, sondern zur Ausschüttung oder Rückzahlung an frühere Anleger verwendet. Am Ende profitieren nur die, die von Anfang an dabei waren. Im schlimmsten Fall verlieren alle anderen ihren Einsatz. 

Nun muss es sich nicht gleich um solch ein extremes Beispiel handeln. Auch ein Geldanlage-produkt, was mit guten Absichten verkauft wurde, kann sich als unpassend herausstellen, weil man schlecht beraten wurde. Doch woran erkennt man seriöse Anbieter, die im Sinne des Kunden handeln? Und woran das passende Rentenprodukt, das richtige Festgeldkonto oder das Fondsprodukt, das der eigenen Risikoneigung entspricht?

„Es kommt in erster Linie darauf an die richtigen Fragen zu stellen“, sagt Rolf Tilmes. Er ist Vorstandsvorsitzender des Financial Planning Standards Board Deutschland (FPSB), einem internationalen Netzwerk, welches Personen im Bereich der Finanzplanung und Finanzberatung zertifiziert. 

Angehende Zertifikatsträger müssen eine Ausbildung machen, Prüfungen ablegen und Berufserfahrung vorweisen – alle zwei Jahre werden die Qualifikationen überprüft. Weltweit haben 175 000 Personen ein Zertifikat des FPSB, in Deutschland gerade einmal um die 1 500. Es ist hierzulande keine verbreitete Praxis oder Pflicht als Finanzberater ein Zertifikat vorzuweisen, die Berufsbezeichnung ist nicht geschützt.

Bank-, Finanzdienstleistungs- und Versicherungsgeschäfte zwar nur mit Erlaubnis der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) betrieben werden. Die Bafin prüft bei den Produkten aber nur, ob die gesetzlich geforderten Mindestangaben genannt und verständlich wiedergegeben werden. „Die Bafin hat jedoch nicht die Aufgabe, die Seriosität und die Solvenz des Emittenten zu prüfen oder das Produkt zu kontrollieren“, stellt die Aufsichtsbehörde selbst klar. 

Umso wichtiger, sagt Tilmes, ist es den Finanzberater genau zu prüfen. Was ist seine Qualifikation? Wie wird er bezahlt, bekommt er für die Vermittlung beispielsweise Provisionen und berät damit unter Umständen nicht mehr unabhängig, sondern vermittelt Produkte bestimmter Anbieter, an denen er selbst am besten verdient? 

Verstehe ich, was der Berater sagt? 

Und wenn es dann um die konkrete Beratung geht: Verstehe ich, was mir der Berater erläutert? Hört er mir überhaupt zu? Stellt er die richtigen Fragen? Dazu gehört zuallererst die nach dem Anlageziel. Warum, wie viel und wie lange soll das Geld angelegt werden? 

„Es sind in der Branche sicherlich schwarze Schafe dabei. Aber vielfach kaufen Leute auch Produkte, die gar nicht zu ihrem Anlageziel passen, weil sie sich nicht genügend mit dem Thema beschäftigen“, sagt Tilmes. 

Um ein tatsächlich unseriöses Angebot handele es sich, wenn die Rendite nicht der normalen Markterwartung entspreche. „Ein guter Aktienfonds kann ohne Probleme auf längere Sicht sechs Prozent an Rendite produzieren, vielleicht auch acht. Wenn jemand zweistellige Renditen verspricht, ist das unseriös“, so Tilmes. Bei sicheren Anlagen, wie Festgeld, Tagesgeld und Sparbrief liegt der Zins momentan bei null bis ein Prozent. Wenn mehr versprochen wird, ist Vorsicht geboten. Wie auch dann, wenn Zeitdruck bei der Entscheidung ausgeübt wird.

Sollten Anleger dann am besten nur auf die Hausbank vertrauen, bei der man den Bankberater kennt? Verbraucherschützer Nauhauser beantwortet die Frage mit einem klaren „Nein“. „Die Hausbank verkauft nur Produkte, an denen sie selbst Geld verdient“, sagt Nauhauser. Eine unabhängige und bedarfsgerechte Beratung könne allenfalls ein Experte geben, der kein Verkaufsinteresse habe. Das sind insbesondere Honorarberater, die man für ihre Beratung in Cash bezahlt. Sie leben nicht von den Provisionen der Anbieter von Finanzprodukten und sind auch nicht bei einem Finanzinstitut angestellt, das bestimmte Verkaufsziele vorgibt. Damit vermeiden sie Interessenkonflikte und können wirklich im Sinne des Kunden beraten.
Direktbanken können etliche Produkte, insbesondere Investmentfonds, etwas günstiger verkaufen, da ein teures Filialnetz und teures Verkaufspersonal wegfällt. Tilmes aber warnt, viele Anleger würden im Onlineformular daran scheitern, ihre Risikobereitschaft richtig einzuschätzen. „Da kann ein Bankberater im Zweifel eine große Hilfe sein“, sagt er. 

Vor dubiosen Produkten sind allerdings auch Kunden von namhaften Banken nicht gefeit. „Auch Hausbanken haben schon hochriskante Fonds und Pleite Anlagen verkauft“, sagt Nauhauser. Sein Rat: Angebote generell meiden, bei denen das Risiko nicht breit gestreut ist. Also keine Einzelaktien, keine Zertifikate, keine Beteiligungen. Wer sich unsicher ist, ob er einem Angebot trauen kann, kann bei der Verbraucherzentrale nachfragen. Die Stiftung Warentest veröffentlicht außerdem regelmäßig eine Liste unseriöser Anbieter.

Wer doch an ein Produkt geraten ist, welches sich als völlig unpassend herausstellt, kann prüfen, ob ein Widerruf noch möglich ist, ob ein Kündigungsrecht existiert oder ob ein Verkauf oder eine Rückgabe möglich ist. Bei Verdacht auf Falschberatung besteht die Möglichkeit, Ansprüche gegen den Berater zu prüfen und Schadenersatz geltend machen. „Aber dann muss zum einen schon ein Schaden eingetreten sein und zum anderen muss man einen Fehler des Beraters nachweisen können. Und das ist erfahrungsgemäß schwierig“, sagt Verbraucherschützer Nauhauser.

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