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Ein Mann und eine Frau sitzen an einem Schreibtisch mit Ordnern und einem Taschenrechner.
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Bei einer Finanzberatung hat man das Recht auf angemessene und transparente Informationen. (Symbolbild)

Finanzen

Geldanlage: So schützen Sie sich vor falschen Beratungen – Experte gibt Tipps

  • vonMechthild Hennecke
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Wer Geld anlegen möchte, sucht oft Hilfe bei Banken und unabhängigen Finanzberater:innen. Um sich vor falschen Empfehlungen zur Geldanlage zu schützen, können Verbraucher:innen aber einiges tun.

  • Laut Gesetz gibt es bei einer Finanzberatung Anspruch auf angemessene und transparente Informationen.
  • Immer wieder kommt es jedoch bei Geldanlagen zu Falschberatungen.
  • Experten geben Tipps, worauf Kund:innen achten sollten, bevor sie ihr Geld anlegen.

Frankfurt - Enttäuscht und verärgert hat kürzlich ein Brandenburger Ehepaar die Rechtsberatung der Verbraucherzentrale Brandenburg aufgesucht. Rund drei Jahre zuvor wollte es eine sichere Geldanlage in Form einer Anleihe oder Schuldverschreibung abschließen. Der Bankberater empfahl ein Zertifikat als Aktienanleihe auf die Lufthansa. Nach starken Kursverlusten der Aktie wurde das Zertifikat beziehungsweise die Anleihe in Aktien umgewandelt und diese fanden sich im Depot des Ehepaars wieder.

„Dass die Zertifikate in Aktien umgewandelt werden, hatten die beiden nicht erwartet. Das verkaufte Produkt entsprach nicht den Wünschen des Paares. Das Risiko der Zertifikate wurde in einem Schriftstück der Bank zunächst als niedrig eingestuft“, sagt Erk Schaarschmidt von der Verbraucherzentrale Brandenburg.

Geld anlegen: Falschberatung durch Finanzberater:innen kein Einzelfall

Kein Einzelfall der Falschberatung. Anleger:innen wenden sich mit ihrem ersparten Geld an Fachleute in der Bank oder an freie Finanzanlagenberater:innen – und erhalten nicht, was sie suchen. Um sich vor falschen Empfehlungen zur Geldanlage zu schützen, können Verbraucher:innen aber einiges tun.

Beschäftigte von Banken beraten zu Finanzen auf der Basis ihrer Fachausbildung und internen Schulungen. Wer als freier Finanzanlagenberater oder -beraterin am Markt tätig sein möchte, muss eine Erlaubnis der IHK erhalten. Dafür muss er oder sie vier Kriterien erfüllen: Zuverlässigkeit, geordnete Vermögensverhältnisse, Sachkunde und das Vorhandensein einer Berufshaftpflicht. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) führt ein Online-Verzeichnis für Vermittler:innen, in dem Interessierte nachschauen können, ob ein Berater oder eine Beraterin eine Erlaubnis besitzt.

Finanzberatung zu Geldanlagen: Keine Klarheit bei Qualifikation der Berater:innen

Bei Finanzanlagenvermittler:innen wird im Verzeichnis auf die „Erlaubnis nach Paragraf 34f Gewerbeordnung (GewO)“ verwiesen. In Deutschland gibt es zurzeit rund 38.000 eingetragene Vermittler:innen. Ein weiterer Berufszweig, die Honorar-Finanzanlagenberater:innen, benötigen die Erlaubnis nach Paragraf 34h GewO. Zurzeit gibt es 208 registrierte Fachleute, die bei der Geldanlage beraten dürfen.

BerufsbezeichnungAnzahl an registrierten Vermittler:innen
Finanzanlagenvermittler:innen 38.000
Honorar-Finanzanlagenberater:innen208

Für Vermittler:innen von Versicherungen und Immobiliendarlehen gelten eigene Paragraphen, die die Zulassung regeln. Für die Verbraucher und Verbraucherinnen ist es aufgrund der vielen Bestimmungen schwer, schnell Klarheit über die Qualifikation von Berater:innen zu erhalten.

Geld anlegen mithilfe von Finanzberater:innen: Experte kritisiert Regulatorik

Das kritisiert Arndt Stiegeler, Vorstandsmitglied des FPSB Deutschland (Financial Planning Standards Board), ein Berufsverband professioneller Finanzplaner:innen. „Die Regulatorik ist zu kleinteilig“, sagt er. Ihm fehlt der „ganzheitliche Ansatz“. Außerdem lasse die Registrierung allein keine Rückschlüsse auf die Qualität der Beratung zu. Wie breit ist die Produktpalette? Arbeitet jemand mit einer oder mehreren Investmentgesellschaften zusammen? Das seien wichtige Fragen, auf die Ratsuchende, die ihr Geld anlegen wollen, selbst die Antworten finden müssen.

Die Kontrolle freier Finanzanlagenberater:innen soll nach dem Willen der Bundesregierung in Zukunft die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) übernehmen. Aktuell befindet sich der Gesetzentwurf im parlamentarischen Verfahren, teilte das Finanzministerium auf Anfrage mit.

Falsche Beratung zu Geldananlagen vermeiden: Geeignetheitserklärung gut lesen

Stiegeler hat gemeinsam mit anderen Fachleuten eine DINNorm erarbeitet. Die DIN 77230 „Basis-Finanzanalyse für Privathaushalte“ ist die erste Norm für Finanzdienstleistungen. „Sie umfasst einen Analyseprozess des Anlegers mit 41 Prüfschritten, die verbindlich vorgeschrieben sind und abgearbeitet werden müssen“, sagt Stiegeler. Die Norm sei noch nicht sehr verbreitet, doch in Fachkreisen sei sie anerkannt. Einige Finanzberater:innen werben im Internet bereits damit, nach ihr vorzugehen. Die Bloggerin Madame Moneypenny hilft sie Frauen dabei, richtig mit Geld umzugehen und finanziell unabhängig zu werden. Sie hatte sich zuvor als Opfer von Finanzberater:innen gefühlt.

Der Gesetzgeber schreibt seit 2018 für Finanzberatungen ein Instrument vor, mit dessen Hilfe der Beratungsprozess dokumentiert und rechtssicher gemacht werden soll: die Geeignetheitserklärung. Sie ersetzt das frühere Beratungsprotokoll. Auf mehreren Seiten sollen in dieser Erklärung der Bedarf der Anleger:innen, aber auch ihr Einkommen, ihre Ersparnisse und Rücklagen dargestellt werden. Wenn Kund:innen die Erklärung unterschreiben, segnen sie damit den Beratungsprozess ab. Ein juristisches Vorgehen wegen einer falschen Beratung wird damit erschwert oder sogar unmöglich. Verbraucherschützer Schaarschmidt rät deshalb, die Erklärung in Ruhe zu lesen, am besten, bevor etwas gekauft wird.

Geld in Wertpapieranlagen investieren: Prospektprüfung durch Bafin ist kein Gütesiegel

Generell müssen Berater:innen Anleger:innen zu jeder Wertpapieranlage einen Informationsprospekt vorlegen. „Häufig erhält der Kunde jedoch ein ganzes Buch oder 400 Seiten als PDF und weiß nicht, welche Seiten für ihn die richtigen sind“, sagt Schaarschmidt und empfiehlt: „Die Anlagen nicht tätigen, bevor man zumindest die für das zu kaufende Produkt betreffende Risikobeschreibung im Prospekt gelesen – und verstanden hat.“

Die Bafin ist dafür zuständig, Prospekte „zu billigen“. Sie prüft, ob der Prospekt regelkonform und verständlich ist. Das heiße aber nicht, dass der Prospekt oder das dazugehörige Produkt seriös seien, betont die Bafin in ihrem Informationsblatt „Geldanlage“. „Die Prospektprüfung ist kein Gütesiegel“, sagt eine Sprecherin. Zusätzlich zum Prospekt gibt es manchmal Hochglanzbroschüren. Um sich von diesen nicht verführen zu lassen, rät die Bafin, sich mit dem Produkt auseinanderzusetzen und sich „nicht von Fantasietiteln und geschönten Grafiken verleiten“ zu lassen.

Geld sicher anlegen: Unabhängige Berater vor großen Investitionen hinzuziehen

„Wir wünschen uns, dass die Anleger die richtigen Fragen stellen“, sagt Schaarschmidt. Die Verbraucherzentralen haben auf ihrer Webseite ein „kleines Einmaleins der Geldanlage“ veröffentlicht. Schaarschmidt nennt zum Beispiel: nicht allein zur Beratung gehen, Notizen machen und die Entscheidung vor allem bei größeren Beträgen überschlafen. Wer noch wenig Erfahrung habe, solle sich nicht an spezielle Produkte wie Zertifikate wagen. Geschlossene Fonds sind immer abzulehnen. „Und der Kunde sollte sein Geld in mehrere Anlagen streuen und vorab wissen, wie viel Verlust er sich leisten kann und will.“

Vor größeren Investitionen sollte außerdem der Rat eines unabhängigen Experten oder einer Expertin eingeholt werden, empfiehlt er. Das können die Verbraucherzentrale, aber auch eine Juristin, ein Jurist mit entsprechendem Fachwissen zu Geldanlagen oder auf Stundenhonorar arbeitende unabhängige Berater:innen sein. (Mechthild Hennecke)

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