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Gastwirtschaft

An Geiz ist gar nichts geil

  • Heinz-Josef Bontrup
    VonHeinz-Josef Bontrup
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Dumpingpreise gibt es nicht umsonst. Es sind die Beschäftigten, die dafür bezahlen, dass Unternehmen mit Niedrigstpreisen locken können.

Wer bezahlt eigentlich den Flug von Düsseldorf nach Mallorca für 29,50 Euro und wer das T-Shirt für 5,10 Euro, wer die Heckklappenscharniere im Auto für 5,70 Euro das Stück oder den Burger für 2,90 Euro, den Joghurt für 0,14 Euro den Becher und die Pizza für 3,50 Euro – ins Haus gebracht natürlich – und so weiter, und so weiter? „Geiz ist Geil“ lautet gesellschaftlich der hohle und neoliberale Spruch. Hier endet die Geschichte aber nicht. Jetzt fängt sie ökonomisch erst an, weil die oben angeführten Preise sämtlich die wirklichen Produktionskosten nicht annähernd decken.

Wir brauchen also einen Finanzier für das alltäglich gewordene Preisdumping. Den finden wir schnell. Es sind die Beschäftigten, die diese Niedrigpreise finanzieren müssen, ansonsten macht der Unternehmer keinen Profit, auf den er selbstverständlich auch bei Dumpingpreisen nicht verzichten will. Seine abhängig Beschäftigten zahlen mit ihren Niedrigstlöhnen die Niedrigstpreise. Und sie zahlen sogar zweimal. Einmal heute sofort und später im Rentenalter mit einer mickerigen Rente noch einmal. Denn wer heute nichts verdient, den schicken wir wissentlich in die Altersarmut.

Die Zahl der Hartz-IV-Empfänger, zurzeit sechs Millionen betroffene Menschen, ist nicht gesunken, stellt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin fest. Trotz Mindestlohn sinkt die Zahl der arbeitenden Menschen kaum, die ihren Verdienst mit Hartz-IV-Leistungen aufstocken müssen. Ja, diese Menschen sind auf niedrigste Preise zum Überleben angewiesen. Hier zeigt der Kapitalismus dann seine ganze Flexibilität und gleichzeitig seine hässliche Fratze, indem er selbst die längst vom System „Externalisierten“ noch abkassiert. Das geht natürlich nur mit ganz kleinen Preisen und einer zusätzlichen Unterstützung von „Suppenküchen“ und „Tafeln“.

Dann schließt sich zumindest ökonomisch der Kreislauf. Die dadurch entstehenden gesellschaftlichen Probleme mit am Ende womöglich katastrophalen politischen Ergebnissen – die Vorboten sind bereits da, – werden dagegen einen sehr hohen Preis haben. Übrigens, über die in den Niedrigpreisen auch nicht abgebildete beziehungsweise internalisierte Umwelt haben wir bei dem Ganzen noch gar nicht gesprochen. Ist Geiz jetzt immer noch geil?

Der Autor ist Professor für
Wirtschaftswissenschaft an der Westfälischen Hochschule.

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