Transaktionen

Der Geist des Gegebenen

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Besser wieder zurück zum gemeinschaftlichen Netz.

Aus der Mythologie der Maori, dem indigenen Volk Neuseelands, das ursprünglich die polynesische Inselwelt bewohnte, stammt diese Geschichte aus dem 13. Jahrhundert: Angenommen ein Maori besaß einen Gegenstand, nennen wir ihn „taonga“, den er hingab, ohne dafür – was durchaus üblich war – einen Preis festzusetzen oder darum zu handeln. Die beschenkte Person reichte den Gegenstand zu einem späteren Zeitpunkt an jemanden drittes weiter. Sie wiederum gab etwas als Bezahlung. Ein Gegengeschenk.

Behielt der Empfänger die Vergütung für sich, hatte das bei den Maori empfindliche Konsequenzen zur Folge. Es war ihnen Pflicht und Wunsch zugleich, das zur Begleichung Erhaltene an den ursprünglichen Geber weiterzureichen. In der Moderne ersetzten wir diesen „Geist der Gabe“ durch Kalkulation und Berechnen, mit Geld als Instrument, handelnd auf dem Marktplatz von Angebot und Nachfrage.

Die Maori nannten ihr verbindendes Element „hau“. Hau wanderte mit persönlichem Eigentum mit. Das konnten Gegenstände jeglicher Art oder die Gaben der Natur sein. Hau war allgegenwärtig. Es beschützte den individuellen Akt im Eingebettetsein in die Ganzheit. Dadurch entwickelte sich ein Beziehungsnetz, dessen Wert die Summe der einzelnen Tauschakte – heute würde man sagen: Transaktionen – überstieg. Ein ständig präsentes Verbundenheitsgefühl, sowohl zur empfangenen Materie, als auch zu dem damit auf unauslöschliche Weise verbundenen Geist. Im Ergebnis führte das zu einem komplexen, dynamischen Netz, indem Geben und Nehmen mehr war als der Tausch von Leistung und Gegenleistung.

Der moderne Mensch befreite sich von derlei Gruppenzwang. Moral und Ethik in der Neuzeit treten eher individuell auf als gemeinschaftlich verbindend oder verpflichtend. An die Stelle des omnipräsenten „hau“ trat die Philosophie der Geschäftswelt. Berechnende Vernunft ist das Gemeinsame.

Sie fordert uns auf zum Tanz ums Goldene Kalb. Was investiert wird, will belohnt sein. Geld muss arbeiten. Wer von der Hand in den Mund lebt, nährt den Geist des Kapitalismus, wer reich an monetären Überschüssen ist, zehrt von ihm. Die langfristigen Folgen treten merklich zutage: Spaltung der Gesellschaft und Zerstörung der Umwelt. Es ist mal wieder an der Zeit, uns zu befreien.

Der Autor ist Redakteur der Zeitschrift „Humane Wirtschaft“.

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