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Wie geht es mit Eon weiter?

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Von: Frank-Thomas Wenzel

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Der Energieriese Eon fährt mit Miesen von 6,1 Milliarden Euro den größten Verlust in der Unternehmensgeschichte ein. Das ist das Ergebnis einer verfehlten Konzernstrategie, die zu lange auf Atomkraft und Stromerzeugung mit Gas und Kohle gesetzt hat. Wir erläutern, wie es mit Eon weitergehen kann.

Wie haben sich die Einnahmen entwickelt? Erstaunlicherweise hat der Konzern in den ersten neun Monaten den Absatz bei Strom und insbesondere beim Gas deutlich gesteigert. Das  Plus von sage und schreibe 76 Prozent bei dem leicht flüchtigen Brennstoff hat seine Ursache darin, dass in ganz Europa Anfang des Jahres die Temperaturen deutlich niedriger lagen als im Vorjahr. Auch deshalb sind Einnahmen des Konzern um fünf Prozent auf 84 Milliarden Euro geklettert. 

Wie sieht es mit den Gewinnen aus? Der Gesamtgewinn des Konzerns aus dem eigentlichen Geschäft ging um fast ein Viertel zurück. Der Profit aus dem Kerngeschäft – das ist die Stromerzeugung mit Atom-, Kohle- und Gaskraftwerken - brach um ein Drittel ein.  Branchenkenner hatten diese wenig erfreuliche Zahlen erwartet. Die Ursache dafür sind die sinkenden Strompreise an den Börsen. An der Leipziger EEX etwa haben sich die Notierungen in den vergangenen vier Jahren halbiert. 

Warum sinkt der Börsenpreis für Strom? Durch den Ausbau der erneuerbaren Energien sind Überkapazitäten entstanden – nicht nur in Deutschland, sondern auch in fast allen Industrienationen; Eon ist auch stark in Großbritannien, Schweden, Tschechien, Ungarn und Russland engagiert. Das Plus beim Öko-Strom-Angebot wurde nicht durch eine Stilllegung von konventionellen Erzeugungskapazitäten in gleichem Maß ausgeglichen. Deshalb verdient Eon mit seinen Kraftwerken immer weniger. Viele Anlagen machen sogar Miese. Stilllegungen drohen. Der größte Brocken bei der Erzeugung sind Erdgas- und Ölkraftwerke im Ausland. Es folgen deutsche Atomkraftwerke und ausländische Steinkohle-Meiler. 

Ist diese Tendenz aufzuhalten? Dieser Prozess ist nicht mehr aufzuhalten, selbst wenn weltweit die staatliche Förderung der Erneuerbaren komplett gestoppt würde. Denn insbesondere die Preise für die Erzeugung von Windstrom sind inzwischen vielerorts wettbewerbsfähig oder sogar günstiger als für neue Kohlekraftwerke. Dies wird sich mit dem technischen Fortschritt auch bei der Solarenergie weiter verstärken. 

Was bedeutet das für Eon? Die Antwort gibt die Zahl 8,1 Milliarden Euro. Das ist die Höhe der Abschreibungen, die Eon für das laufende Geschäftsjahr hinnehmen muss. Dahinter steckt, dass Konzernchef Johannes Teyssen den Konzern in zwei Teile zerlegen will. Dafür muss der Wert der Anlagen des Unternehmens neu festgestellt werden. Bei diesem sogenannten Impairment-Test wurden Annahmen über die künftigen Strompreise gemacht. Hinzu kam eine Einschätzung der politischen Rahmenbedingungen. Das Ergebnis ist, dass die Kraftwerke auf längere Sicht tendenziell immer weniger verdienen werden. Das gilt auch für die zweite wesentlich kleinere Säule des Konzerns: das Öl- und Gasgeschäft. Eon hat doppelt Pech, weil hier die massiv gefallenen Notierungen vor allem für Rohöl durchschlagen. Unterm Strich verzeichnet Eon einen Verlust von 6,1 Milliarden Euro, das ist der höchste Fehlbetrag in der Unternehmensgeschichte. 

Ist das Unternehmen akut gefährdet? Nein. Die gigantische Abschreibung fällt nur einmal an. Rechnet man alle außergewöhnlichen Effekte der vergangenen neun Monate aus der Bilanz heraus, fällt immer noch ein sogenannter nachhaltiger Konzernüberschuss von fast einer Milliarde Euro an. 

Warum zerlegt Eon sich selbst? Mit dem neuen Jahr wird das Unternehmen mit dem Namen Eon sich mit 43 000 Beschäftigten um lukrative Energie-Dienstleistungen, Netze und um erneuerbare Energien kümmern – die bislang eine untergeordnete Rolle spielen. Das  soll die Zukunft des Konzerns mit einem nachhaltig profitablen Geschäftsmodell sein. Unter Namen Uniper geht eine Firma mit 14 000 Mitarbeitern an den Start, die sich mit Energiehandel und den alten Gas- und Kohlekraftwerken beschäftigt, die noch viele Jahre Strom produzieren werden, allerdings mit mutmaßlich sinkenden Mengen und Margen. 

Wo sind die Atomkraftwerke? Teyssen wollte sie eigentlich Uniper zuordnen. Jetzt bleibt das AKW-Geschäft als weitgehend selbstständige Tochter mit dem Namen Preussen-Elektra bei Eon. Dabei spielen die immensen Kosten für die Stilllegung und den Rückbau der Atomkraftwerke eine Rolle. Die AKW bei Uniper – das  könnte bedeuten, dass das Unternehmen zu schwach auf der Brust ist, um den viele Milliarden Euro schweren Ausstieg zu stemmen. Eon könnte sich damit aus der Verantwortung für den Rückbau der Anlagen und die Endlagerung des Atommülls stehlen. Dies will die Bundesregierung mit dem „Nachhaftungsgesetz“ vermeiden. Deshalb bleiben die AKW bei Eon. 

Kann Eon den überhaupt des Atomausstieg stemmen? Darüber gehen die Meinungen weit auseinander. Im aktuellen Geschäftsbericht sind dafür Rückstellungen von rund 18 Milliarden Euro ausgewiesen. Diese Summe kann künftig aber schrumpfen, da das Geld für die Rückstellungen auch in Kapitalanlagen und in Kraftwerke investiert wurde, die an Wert verlieren können. 

Wie wird sichergestellt, dass Eon und nicht der Steuerzahler für die Kosten aufkommt? Darüber wird heftig diskutiert. Die Bundesregierung will im Januar ein Konzept dafür vorlegen. Kürzlich wurde bereits ein Gutachten publik, demzufolge die Rückstellungen der vier AKW-Betreiber – insgesamt 39 Milliarden Euro - zwar für den Rückbau, aber nicht für die Endlagerung des Atommülls reichen, sofern das Niedrigzinsniveau zu einem Dauerphänomen wird. Teyssen hat indes anlässlich der Neun-Monats-Zahlen indirekt schon einmal wegen staatliche Hilfe angeklopft: „Staat und Unternehmen sind gemeinsam in die friedliche Nutzung der Kernenergie in Deutschland eingestiegen, und jetzt tragen sie auch sie auch eine gemeinsame Verantwortung für den Ausstieg“, schreibt der Manager in einem Brief an die Aktionäre. (dpa)

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