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13 640 Punkte schaffte der Dax am Mittwoch – das war der höchste Stand seit der Einführung des Aktienindex im Jahr 1988.

Rekord

Der Dax geht ab

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Der deutsche Leitindex hat seine alte Bestmarke geknackt. Die niedrigen Zinsen belasten Sparer und treiben die Börse. Ein Ende des Booms ist nicht absehbar.

Das billige Geld der Notenbanken und die zumindest zeitweilige Beruhigung im Nahen Osten: Das sind die wichtigsten Komponenten, die den Deutschen Aktienindex (Dax) am Mittwoch auf einen neuen Rekordwert getrieben haben. Er stieg bis auf rund 13 640 Punkte und ließ damit seine zwei Jahre alte bisherige Bestmarke von 13 596,89 Zählern hinter sich.

Der Leitindex profitierte massiv von der Entspannung der Handelsstreitigkeiten, erklärte Maximilian Kunkel, Anlagestratege der schweizerischen Bank UBS. Im Dax sind Unternehmen mit hohem Exportanteil überdurchschnittlich stark vertreten. Christoph Ohme, Fondsmanager bei der Deutsche-Bank-Tochter DWS, betonte: Im aktuellen Niedrigzinsumfeld seien Aktien weiter eine sehr attraktive Anlageklasse, da es nur wenige „renditestarke Alternativen“ gebe. Hinzu komme, dass politische Risiken abgenommen hätten. So gebe es zwischen den USA und China zumindest Gesprächsbereitschaft. Dennoch müssten geopolitische Risiken, wie der Konflikt zwischen den USA und Iran, weiter genau beobachtet werden. „Langfristig bleiben Aktien jedoch alternativlos“, betonte der Experte für hiesige Dividendenpapiere.

Marktexperte Andreas Büchler vom Börsenstatistik-Dienst Index-Radar sieht nun sogar Luft bis in den Bereich um die 14 500 Punkte. Allerdings dürfte es nicht geradlinig nach oben gehen. Der Dax zeigte auch schon am Mittwoch Ermüdungserscheinungen: Am Nachmittag drehte er sogar zeitweilig leicht ins Minus.

Anders als wichtige US-Indizes fehlte dem Dax, in dem die 30 wichtigsten börsennotierten Unternehmen notiert sind, lange Zeit die Kraft für einen Sprung in neue Sphären. Das lag vor allem an den von Donald Trump angezettelten Handelskonflikten, die stark auf Auto- und Chemiewerten lasteten. Mittlerweile haben China und die USA aber zumindest ein Teilabkommen unterzeichnet. Damit wurden erst einmal geplante Strafzölle ausgesetzt, die die globale Wirtschaft vermutlich stark belastet hätten. Auch aus diesem Grund ist an den Märkten wieder Konjunkturoptimismus aufgekommen.

Darüber hinaus scheint auch die unmittelbare Gefahr eines neuen Krieges im Nahen Osten gebannt, nachdem die zu Jahresbeginn verschärften Spannungen zwischen dem Iran und den USA zumindest nicht weiter eskalierten. Die USA hatten zwar als Reaktion auf iranische Vergeltungsschläge neue Wirtschaftssanktionen gegen das Land verhängt, aber keine weiteren Militäraktionen unternommen. „Es scheint fraglich, ob US-Präsident Donald Trump im Wahljahr einen Krieg vom Zaun brechen will“, schrieb Analyst Martin Utschneider vom Bankhaus Donner & Reuschel. Das amerikanische Volk sei „erwiesenermaßen kriegsmüde“.

Als Schmiermittel für die Börsen erweist sich indes besonders die Aussicht auf eine weiterhin extrem lockere Geldpolitik der Notenbanken. Erst bei einem „signifikanten“ Anstieg der Teuerung werde eine Leitzinserhöhung notwendig, hatte der Chef der US-Notenbank Fed, Jerome Powell, jüngst gesagt. Die niedrigen Zinsen treiben Anleger in Aktien, festverzinsliche Wertpapiere werfen kaum noch Rendite ab.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat zudem ihren Krisenmodus verschärft und damit die Börsen weiter angetrieben. So will die EZB mit der Neuauflage der Käufe von Staats- und Unternehmensanleihen der Konjunktur und Inflation zusätzlich auf die Sprünge helfen. In der Eurozone liegt die Teuerung nach wie vor weit von dem Zielwert nahe zwei Prozent entfernt. Die neue EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat zudem bereits angekündigt, in diesem Jahr die Nullzinsstrategie ihres Vorgängers Mario Draghi fortzuführen.

Die Französin will 2020 für eine Standortbestimmung der Notenbank nutzen. Es soll vor allem geklärt werden, wie relevant die Entwicklung der Preise noch für die Strategie am Geldmarkt ist. Klar ist aber schon jetzt, dass auch 2021 die geldpolitischen Zügel bestenfalls vorsichtig angezogen werden. „Die Aussicht auf jahrelange Nullzinsen am Kapitalmarkt und für Spareinlagen bei gleichzeitiger stabiler weltweiter Konjunktur ist für Aktien ein ideales Umfeld“, erklärte Dekabank-Chefvolkswirt Ulrich Kater.

Allerdings warnen auch viele Experten, dass eine abermalige Verschlechterung der internationalen Handelsbeziehungen, ein drastischer Abschwung der chinesischen oder amerikanischen Wirtschaft oder eine starke Aufwertung des Euro die Aktienkurse einbrechen lassen könnten.

Als neuer Risikofaktor kommt nun auch noch das Coronavirus in China hinzu. Milan Cutkovic, Marktanalyst vom Handelshaus AxiTrader, sagte aber der Nachrichtenagentur Reuters: „Die Anleger zeigen sich mit dem Krisenmanagement der chinesischen Regierung zufrieden, und die Furcht vor einer massiven Ausbreitung des Virus hat nachgelassen.“ Experten befürchten eine schnelle Ausbreitung des grippeähnlichen Erregers durch Massenveranstaltungen im Rahmen der Feierlichkeiten zum chinesischen Neujahr. (mit dpa)

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