Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

München, 23.8.2006 / Foto: Robert Haas
+
München, 23.8.2006 / Foto: Robert Haas

GASTWIRTSCHAFT

Wem gehört die Stadt?

  • Christa Müller
    VonChrista Müller
    schließen

Wem an einer demokratischen Stadtgesellschaft gelegen ist, der sollte bezahlbaren Wohnraum nicht gegen grüne Freiflächen ausspielen.

Dass der Berliner Prinzessinnengarten jüngst noch auf der Seoul Biennale für Architektur und Urbanismus als Beispiel für eine demokratische, koproduzierte Stadt gefeiert wurde, bedeutet nicht, dass das international bekannte Leuchtturmprojekt eine sichere Zukunft hätte. Die Biennale widmete sich dem Thema „Imminent Commons“, also den Gemeingütern, die von neuen stadtpolitischen Akteuren weltweit in den von Privatisierung bedrohten öffentlichen Räumen geschaffen und bewirtschaftet werden. Als Berliner Beitrag war eine gemeinschaftlich errichtete Hocharchitektur im Prinzessinnengarten zu sehen, die als neuartiger Debattenraum die Frage „Wem gehört die Stadt?“ durch das Okular öffentlicher Initiativen betrachtet.

Vor ihnen macht der „Ausverkauf der Stadt“, wie es auf einer Kundgebung am vergangenen Samstag in Berlin hieß, keineswegs halt. Unter dem Motto „Grüne Freiräume erhalten“ rief das Netzwerk Urbane Gärten Berlin dazu auf, die jahrelange Stadtteilarbeit der bedrohten Gartenprojekte wie „Prachttomate“ in Neukölln oder „Himmelbeet“ im Wedding zu erhalten. Auch in München musste das bundesweit bekannte Projekt „o‚pflanzt is!“ kürzlich seine gemeinnützigen Aktivitäten einstellen – weil auf dem Areal Wohnungen gebaut werden.

Viele der rund 650 urbanen Gärten sind zu Schlüsselinstitutionen in ihren Stadtteilen geworden – sie bieten visuelle Kontrapunkte zur dominanten Konzernästhetik, sie schaffen Zugang zu Stadtnatur und Raum zum Selbermachen für alle, sie beleben Nachbarschaften, bringen Menschen unterschiedlichster Sozialmilieus zusammen und leisten unverzichtbare Beiträge zur Umweltgerechtigkeit.

Vielen droht nun das Aus. Wie kaum ein Zweiter hat der renommierte Stadtforscher David Harvey die spezifisch kapitalistische Form der Urbanisierung analysiert. Er prognostiziert, dass sich künftige urbane Aufstände nicht mehr an den Lebensverhältnissen des klassischen Fabrikproletariats entzünden, sondern an Fragen des Wohnraums, des Rechts auf Stadt und der ökologischen Zerstörung. Wem an einer demokratischen Stadtgesellschaft gelegen ist, sollte bezahlbaren Wohnraum nicht gegen grüne Freiflächen ausspielen – und den öffentlichen Raum freihalten für vielversprechende Formen neuer urbaner Allmenden.

Die Autorin ist Soziologin und Leiterin der Forschungsgesellschaft Anstiftung.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare