+
Recep Tayyip Erdogan und Fayez as-Sarraj haben ihre Wirtschaftszonen abgesteckt.

Erdgasvorkommen

Wem gehört das Mittelmeer?

  • schließen

Konflikt um die Wirtschaftszonen spitzt sich zu. Türkei und Libyen schließen Bündnis.

Die Türkei will ihre Einflusssphäre im östlichen Mittelmeer vergrößern, vor allem auf Kosten Griechenlands und Zyperns. Dabei geht es um Öl- und Erdgasvorkommen, aber auch um Europas Energieinteressen.

Maiza Gzllal, Botschafter Libyens in Griechenland, muss das Land verlassen. Es sei denn, er legt bis Freitag im Außenministerium in Athen den Text jenes Papiers vor, das Libyens Präsident Fayez as-Sarraj in der vergangenen Woche in Istanbul mit dem türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan unterzeichnete.

Die Vereinbarung betrifft die militärische Zusammenarbeit und die Abgrenzung der Wirtschaftszonen zwischen beiden Ländern. Einzelheiten sind noch nicht bekannt. Unklar ist auch, ob es sich um einen Vertrag oder lediglich um eine Absichtserklärung handelt. Darüber verlangt das griechische Außenministerium jetzt Auskunft. Wenn Botschafter Gzllal den Text nicht vorlege, „werden wir ihn am Freitag zur unerwünschten Person erklären, und dann wird er gehen“, kündigte Außenminister Nikos Dendias an.

Die Türkei entsendet in jüngster Zeit immer häufiger Bohrschiffe ins östliche Mittelmeer, die dort nach Erdgas suchen – auch in der exklusiven Wirtschaftszone des EU-Landes Zypern, das die Türkei nicht als Staat anerkennt. Nun dehnt die Türkei ihre Ansprüche auch nach Westen aus. Ankara beansprucht das Seegebiet von Zypern im Osten bis zu den griechischen Inseln Rhodos und Kreta im Westen. Nach griechischer Auffassung verletzt die Türkei damit die griechische Wirtschaftszone südlich und östlich von Kreta. Ankara hingegen argumentiert, dass die griechischen Inseln, wie auch Zypern, keine eigenen Wirtschaftszonen beanspruchen können, da sie sich auf dem türkischen Festlandssockel befinden.

Mit der Vereinbarung meldet Ankara jetzt erstmals konkrete Ansprüche gegenüber Griechenland an. Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis türkische Bohrschiffe vor den Küsten von Rhodos oder Kreta aufkreuzen. Dann könnte eine militärische Konfrontation der beiden zerstrittenen Nato-Partner drohen, wie zuletzt 1996 im Streit um die Imia-Inseln in der Ägäis.

Diesmal sind auch Europas Interessen direkt tangiert: Mit der Absteckung ihrer Ansprüche durchkreuzt die Türkei die Pläne zum Bau der East-Med-Pipeline, die Erdgas quer durchs Mittelmeer nach Italien bringen soll. Damit würde Europa unabhängiger von russischen Gaslieferungen. Griechenland hofft deshalb auf Rückendeckung der Europäischen Union.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare