+
Schauspielerin Uzo Aduba ist durch die auf Netflix gesendete Serie „Orange is the New Black“ zum Star geworden.

Streaming

Das Geheimnis von Netflix

  • schließen

Der Internet-TV-Sender Netflix findet immer mehr Nutzer. Was ist das Erfolgsgeheimnis des Streamingdienstes, und was bedeutet das für die Zukunft des Fernsehens?

Der Siegeszug des ersten globalen Internet-TV-Senders geht weiter. Netflix hat nun weltweit 65,6 Millionen Nutzer. Für viele Experten ist es nur eine Frage der Zeit, bis die 100-Millionen-Grenze erreicht wird. Die FR erläutert, was das Erfolgsgeheimnis des Streamingdienstes aus den USA ist und was das für die Zukunft des Mediums Fernsehen bedeutet.

Was bietet Netflix eigentlich an?
Netflix ist nichts anderes als eine Online-Videothek für Filme und Serien. Der Zuschauer abonniert diesen Dienst gegen eine monatliche Gebühr und kann dann unbegrenzt viele Streifen mit dem Streaming-Verfahren anschauen: Daten werden direkt aus dem Internet geladen und nicht auf dem Computer oder dem Smart-TV gespeichert. Das Unternehmen aus Kalifornien produziert auch eigene Filme. Am bekanntesten ist die Serie „House of Cards“ mit Kevin Spacey in der Hauptrolle. Sie kam nicht nur bei den Zuschauern gut an, sondern heimste auch viele Preise ein. Derzeit feiert vor allem in den USA die Frauen-Gefängnis-Serie „Orange is the New Black“ große Erfolge.

Was zeigen die aktuellen Zahlen?
Das Unternehmen ist auf dem heimischen US-Markt groß geworden. Dort gibt es jetzt 42 Millionen Abonnenten. In allen anderen Ländern sind es insgesamt nur 23,2 Millionen. Doch das Wachstum findet international statt. Denn hier hat es binnen Jahresfrist ein Plus von rund zehn Millionen gegeben. Möglich war dies, weil das Management viel Geld ins Marketing gesteckt hat. Deshalb schreibt Netflix mit seinen Aktivitäten außerhalb der USA auch hohe Verluste. Das hält Unternehmenschef Reed Hastings aber nicht davon ab, die Expansion fortzuführen. Im Laufe des Jahres sollen so wichtige Länder wie Japan, Spanien und Italien hinzukommen. Ende 2016 will Netflix in 150 Ländern aktiv sein, auch in China, dem bevölkerungsreichsten Land der Welt.

Wie sieht es in Deutschland aus?
Netflix nennt für sein Deutschlandgeschäft, das im September 2014 startete, keine Zahlen. Der Branchendienst Digital TV Research geht davon aus, dass es in Deutschland zum Jahresende 1,2 Millionen Abonnenten sein werden. Der wichtigste europäische Markt ist mit großem Abstand Großbritannien. Die Marktforscher erwarten hier knapp fünf Millionen Nutzer im Dezember. Dass Netflix hierzulande im TV-Geschäft bislang nur eine untergeordnete Rolle spielt, hat einerseits mit dem großen Angebot an frei empfangbarem Fernsehen zu tun. Aber es ist auch typisch für den Streamingdienst, dass er erst einmal langsam startet, nach einer gewissen Zeit beginnt er aber, massiv zuzulegen. So war es beispielsweise in Brasilien, das inzwischen mit 3,3 Millionen Nutzern die Nummer drei im internationalen Geschäft ist.

Verdient Netflix Geld mit seinen Diensten?
Netflix verdient zwar Geld. Der Profit ist im zweiten Quartal aber gesunken, und zwar um zwei Drittel auf 26,3 Millionen Dollar. Zu den Kosten für die internationale Expansion kommen Ausgaben für neue Film-Lizenzen und Eigenproduktionen. Da will das Management auch in der Zukunft jede Menge investieren. Im nächsten Jahr sollen für den Ankauf von Filmen und für eigene Produktionen rund fünf Milliarden Dollar ausgegeben werden.

Was treibt das Management an?
Die Konkurrenz ist groß. In den USA ist es vor allem der Bezahlsender HBO. Doch inzwischen sind überall Online-Videotheken am Start. Deshalb geht es wie immer bei international agierenden Internetfirmen darum, sich möglichst große Marktanteile zu sichern, das Geldverdienen ist zweitrangig. Konkurrenten versuchen, die Erfolgsstory von Netflix nachzuahmen. Deshalb ist eine große Dynamik und eine permanente Weiterentwicklung des Geschäftsmodells gefragt. So wird im Oktober mit „Beasts of No Nation“ der erste selbstproduzierte Film präsentiert, der gleichzeitig im Kino und auf der Internetplattform von Netflix starten wird. Das Gleiche soll im Dezember mit „The Ridiculous Six“ von dem renommierten Regisseur Adam Sandler geschehen.

Was ist der Grund für den Erfolg der Eigenproduktionen?
Netflix ist nicht nur eine Internet-TV-Firma, sondern auch ein Datenanalyse-Unternehmen. Geliefert werden die Daten von den Nutzern. Ihr Sehverhalten wird genau analysiert. Dabei geht es nicht nur darum, welche Filme und Serien abgerufen werden. Auch das Suchverhalten in der Videothek wird auseinandergenommen. Netflix weiß auch, an welchen Stellen der Zuschauer beim Anschauen eines Filmes aussteigt oder wann er das Streaming unterbricht. Daraus lassen sich einerseits präzise Empfehlungslisten erstellen, die der Nutzer gezeigt bekommt, wenn er Netflix aufruft. Je häufiger er schaut, umso besser werden die Empfehlungen. Das bindet den Nutzer immer enger an das Streaming-Portal – übrigens nutzt Apple das gleiche Prinzip für seinen neuen Musikstreamingdienst. Die Auswertung der Daten hat daneben den Vorteil, dass es damit möglich wird, die Vorlieben von Millionen von Nutzern zu erfahren. Daraus lässt sich prognostizieren, was erfolgreich sein wird.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare