Pflegende Berufe

„Gehalt viel zu niedrig“

  • vonMax Hempel
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Eine Umfrage zeigt: Für rund ein Viertel der Jugendlichen sind Berufe in Pflege und Erziehung durchaus attraktiv. Problematisch finden sie vor allem die Rahmenbedingungen.

Rund jeder vierte Jugendliche kann sich vorstellen, später einmal in der Pflege oder in der Kinderbetreuung zu arbeiten. Zu diesem Ergebnis ist eine repräsentative Umfrage des Sinus-Instituts gekommen, die Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) am Dienstag in Berlin vorgestellt hat. „Ich freue mich, dass sich so viele Jugendliche für einen Beruf in der Alten- und Krankenpflege oder als Erzieher interessieren“, sagte Giffey. Die Studie zeige aber auch, an welchen Stellen noch Handlungsbedarf bestehe, so die Ministerin weiter. „In Zukunft müssen wir den jungen Menschen mehr Gehalt, bessere Arbeitsbedingungen und Aufstiegsmöglichkeiten bieten.“

Seit Mai 2018 stehe im Familienministerium ganz oben auf der Agenda, mehr junge Menschen für eine Ausbildung in Pflege- und Erziehungsberufen zu bewegen, betonte Giffey. Nun gibt es belastbare Daten, die zeigen, welche Rahmenbedingungen verbessert werden müssen. Die Forderungen der Befragten gegenüber Politik und Arbeitgebern sind nicht unbedingt neu.

Für das Bild, das sich die Jugendlichen von sozialen Berufen machen, sind die Erfahrungen aus ihrem sozialen Umfeld ausschlaggebend. Wie berichten Freunde oder Verwandte, die in den Bereichen arbeiten, von ihrem Berufsalltag? Der Eindruck, der daraus entstehe, sei durchaus realistisch, erklärte Silke Borgstedt vom Sinus-Institut. „Drei Viertel der Befragten halten die Arbeit für anspruchsvoll. Gleichzeitig sagen rund 80 Prozent der Jugendlichen, das Gehalt sei jedoch zu gering für das, was die Menschen leisten. Ebenso schlecht wurden die Aufstiegsmöglichkeiten von den Jugendlichen eingeschätzt.“ Ein weiteres Ergebnis der Studie: In den Augen vieler Jugendlicher sind Pflege- und Erzieherberufe immer noch stark klischeebehaftet und gelten als Frauenberufe.

Daher ist die Gruppe derer, die solche Berufe wirklich ins Auge fassen, immer noch sehr gering. Nur sechs Prozent der Befragten erwägen eine berufliche Laufbahn in der Kinderbetreuung und nur vier Prozent in der Pflege – die meisten von ihnen sind junge Frauen. In den kommenden Jahren will der Bund vor allem an der Stellschraube Gehalt drehen, um soziale Berufe attraktiver zu machen. Ein erster Schritt sei es gewesen, das Schulgeld für die Pflegeausbildung abzuschaffen und eine generelle Vergütung einzuführen, sagte Giffey.

Azubis verdienen seit Januar nun 1140 Euro (brutto) im ersten Lehrjahr und 1202 Euro beziehungsweise 1303 Euro in den folgenden Jahren. Nachholbedarf gebe es jetzt bei den Erzieherinnen, räumte Giffey ein. Dort sind die Bestimmungen über Schulgeld beziehungsweise Ausbildungsvergütung Ländersache und somit nicht einheitlich geregelt.

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