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Facebook-Chef Zuckerberg.

Digitalwährung

Gegenwind für Zuckerberg

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Zu dominant? Zu neugierig? Zu gefährlich? Die EU-Kommission nimmt die geplante Facebook-Währung Libra unter die Lupe.

Jetzt nimmt sich die EU-Kommission die von Facebook-Chef Mark Zuckerberg geplante Digitalwährung Libra vor. Die Brüsseler Wettbewerbsexperten untersuchen unter anderem, ob eine Einführung des Kryptogelds Wettbewerbsbeschränkungen bringen kann. Auch gehe es darum, wie Informationen mit den verschiedenen Diensten von Facebook ausgetauscht und wie mit Nutzerdaten umgegangen werden soll – in dem Bereich ist Facebook bereits mehrfach bei schweren Verstößen erwischt worden.

Experten hatten erwartet, dass sich die Kommission sehr genau anschauen wird, was der Internetkonzern im Schilde führt. Der Finanzdienst Bloomberg berichtet, die Untersuchungen seien derzeit noch in einem frühen Stadium. An Facebook sei ein für solche Fälle obligatorischer Fragebogen verschickt worden.

Zuckerberg hatte Mitte Juni seine Pläne für ein weltweites Onlinebezahlsystem vorgestellt, das mittels der elektronischen Währung funktionieren und im nächsten Jahr eingeführt werden soll. Libra soll Nutzern über digitale Portemonnaies zur Verfügung gestellt werden, die mit Computern und Smartphones verwaltet werden. Physisches Geld in Form von Münzen und Scheinen wird es dabei nicht geben. Die Facebook-Manager planen, gemeinsam mit großen Internetkonzernen und mit Zahlungsdienstleistern die Libra-Association zu gründen, die das Digitalgeld an die Nutzer verteilen soll.

Um die Stabilität der Währung zu gewährleisten, ist vorgesehen, die Zahl der ausgegebenen Einheiten zumindest vorerst mit konventionellem Geld etablierter Währungen abzusichern, und zwar in Form von Bargeld und Staatsanleihen mit kurzer Laufzeit. Zuckerberg hat angekündigt, Libra nur dann einzuführen, wenn wichtige Aufsichtsbehörden weltweit zugestimmt haben.

Das Libra-Projekt hat es in sich. Es geht um eine globale Währung in privater Hand, die von den staatlichen Hütern des Gelds nur sehr bedingt kontrolliert werden kann. Kryptowährungen erleben einen Aufschwung, die bekannteste ist Bitcoin. Möglich geworden sind sie durch das Blockchain-Verfahren, das sichere Onlinetransaktionen ermöglicht. Experten sind sich einig, dass am neuen Geld aus Bits und Bytes kein Weg vorbeiführt. Allerdings wird heftig diskutiert, wer die Kontrolle darüber hat.

Noch mehr Daten sammeln

Gegen Facebook gibt es Bedenken, denn der Konzern verfügt bereits mit seinen Plattformen, zu denen auch Whatsapp und Instagram gehören, über eine enorme Macht in der weltweiten Kommunikation. Sie würde durch eine Integration von Libra in die bestehenden Dienste erheblich erhöht. So könnte Facebook nicht nur die Menge der Daten, die ständig gesammelt und analysiert werden, steigern. Der Zuckerberg-Konzern hätte auch die Möglichkeit, die Libra-Association für unliebsame Rivalen unzugänglich zu machen.

Die Art und Weise, wie dieses Steuerungsinstrument der Digitalwährung arbeiten soll, steht auch im Mittelpunkt der Untersuchungen der EU-Kommission. Sollte Libra ein Erfolg werden, könnte der Konzern womöglich Unternehmen, die im Internet aktiv sind, dazu zwingen, ausschließlich das Zahlungssystem aus dem eigenen Haus zu nutzen.

Doch die Befürchtungen gehen noch viel weiter: Mit Libra könnte Facebook zu einem extrem mächtigen Akteur im weltweiten Finanzsystem werden, der nicht nur Notenbanken, sondern auch Staatsregierungen beeinflusst. Gleich einer Zentralbank könnte Facebook über die Geldmenge und die Zinsen bestimmen – mit allen volkswirtschaftlichen Auswirkungen.

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