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Über der Schaeffler-Gruppe sind düstere Wolken aufgezogen. Die Pleite droht.

Schaeffler/Conti

Gegen das Handaufhalten

Die IG Metall fordert eine staatliche Bürgschaft statt einer Kapitalspritze für Schaeffler/Conti. Von Thomas Magenheim

Von THOMAS MAGENHEIM

München. Im Ringen um Staatshilfen für das hoch verschuldete Kfz-Zulieferduo Schaeffler/Continental befürwortet Bayerns IG Metall-Chef Werner Neugebauer staatliche Bürgschaften. Damit solle Zeit für die Suche nach einem privaten Investor gewonnen werden.

Eine direkte Kapitalspritze und damit der Einstieg des Staats sei dagegen wegen einer "drohenden Kettenreaktion" völlig undenkbar. Die Firmengruppe stehe mit rund 100 Autozulieferern in Konkurrenz, die dann ihrerseits beim Staat die Hand aufhalten würden, fürchtet Neugebauer. Auch Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) lehnt eine staatliche Beteiligung an Schaeffler ab.

Wenn Schaeffler Staatsbürgschaften erhält, die Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) dem Vernehmen nach im Umfang von fünf Milliarden Euro in Aussicht gestellt hat, müsse das an Auflagen wie die Einführung innerbetrieblicher Mitbestimmung oder ein Kündigungsverbot geknüpft werden, sagt Neugebauer.

Als Vorbereitung auf den Einstieg eines Investors wird nun die Werthaltigkeit von Schaeffler ermittelt. Wirtschaftsprüfer von PWC sind beauftragt, die Situation unter die Lupe zu nehmen. Der fränkische Familienkonzern hat als kleineres Unternehmen die weit größere Conti übernommen, die an der Börse nur noch zwei Milliarden Euro wert ist. Die Schulden des Duos mit 218 000 Beschäftigten liegen bei 23 Milliarden Euro.

Bücher werden geprüft

Insider malen ein verzweifeltes Bild: Schaeffler benötige vier Milliarden Euro Eigenkapital, um eine Überschuldung zu vermeiden. Angesichts massiv verfallener Firmenwerte bedeute der Einstieg eines Investors in dieser Dimension eine Mehrheitsübernahme. Hauptfrage sei, ob es überhaupt Interessenten gibt, die derzeit Milliarden investieren wollen oder können.

Schaeffler selbst nimmt zu dieser Einschätzung keine Stellung. Allerdings versprach ein Konzernsprecher, man werde in den nächsten Wochen ein tragfähiges Konzept vorlegen, das den Steuerzahler nicht belastet. Bei den Staatshilfen gehe es nur um eine zeitliche Überbrückung.

Im Umfeld des Konzerns ist man sich der Dramatik bewusst. "Es geht darum, dass deutsche Firmenwerte nicht ins Ausland verschleudert werden", sagt ein Kenner der Szene. Ohne einen Geldgeber sei der Weg von Schaeffler vorgezeichnet, sagt ein anderer Experte: Er führe in die Pleite. Dann würden die Banken die an sie verpfändeten Firmenanteile von Conti und Schaeffler übernehmen und die Unternehmen ohne Rücksicht auf Verluste verwerten.

Leitinstitut des Mammutkredits, mit dem Schaeffler für elf Milliarden Euro Conti übernommen hat, ist die Royal Bank of Scotland, die voriges Jahr 31 Milliarden Euro Rekordverlust verbucht hat und nur per Teilverstaatlichung Schlimmerem entronnen ist. Solche Banken müssten sich selbst retten und können nicht auf Befindlichkeiten in Deutschland Rücksicht nehmen, warnt ein Insider.

Auch die Autoindustrie ist aufgeschreckt. "Wenn ein Schwergewicht wie Schaeffler/Conti über die Wupper geht, trifft das alle von BMW bis VW", heißt es. Der Staat könne im Ernstfall nicht zusehen, wie der nach Bosch zweitgrößte Zulieferer unter die Räder kommt und zerschlagen wird.

In der Zulieferbranche gilt das Firmenduo als systemrelevant. Conti, öffentlich vor allem als Reifenhersteller bekannt, baut viele elektronische Komponenten für das Kraftstoffsystem, Airbag-Steuerungen, Sensoren oder Navigationssysteme. Schaeffler ist Spezialist für Mechanik und fertigt Ventile, Lager oder Kupplungen. Ein anderer Teil der Herzogenauracher Firmengruppe liefert auch der Luft- und Raumfahrt oder dem Maschinenbau zu.

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