Steuern

Gegen den Flächenfraß

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Ökologisch wertvolles Land wird weiterhin in rasendem Tempo in Bauland und Verkehrsflächen umgewandelt. Höchste Zeit für eine Bodenwertsteuer.

Zu Recht wird seit Jahren kritisiert, dass Arbeit zu stark besteuert wird. Der Staat finanziert sich zu fast zwei Dritteln aus Steuern und Abgaben auf menschliche Tätigkeit. Umwelt- beziehungsweise Ressourcenverbrauch werden dagegen nur mit rund fünf Prozent belastet. Umweltschädigendes Verhalten und Konsumieren kostet bei uns leider fast nichts.

Die ökologische Steuerreform kommt seit Jahrzehnten kaum voran, weil Wirtschaft und Bürger weitere Belastungen befürchten. Dabei geht es doch eigentlich um eine Umschichtung der Steuer- und Abgabenlast.

Mit der Grundsteuerreform, die bis Ende 2019 gesetzlich geregelt sein muss, bietet sich nun die Chance für einen Richtungswechsel in der Steuerpolitik! Bürger, denen die Umwelt am Herzen liegt, sollten diese historische Chance nicht verschlafen. Sie dürfen sich nicht einschüchtern lassen durch die Stimmungsmache der Bodenlobby. Die will natürlich, dass der in Vergessenheit geratene Faktor Boden ihr weiterhin als Quelle leistungsloser Einkommen erhalten bleibt. Das ist unsozial!

Dagegen wären steigende Grundsteuern keineswegs unsozial. Wer Grundstücke in wertvoller Lage besitzt, sollte für diesen Vorteil auch entsprechend bezahlen, denn die gute Lage beruht nicht auf eigener Arbeitsleistung. Wenn die Grundsteuer (auf Bodeneigentum) steigt, könnte perspektivisch die Lohnsteuer (auf Arbeit) sinken.

Das wäre nachhaltige Politik. Eine Bodenwertsteuer bewirkt, dass Grundstücke gemäß der städtischen Planung möglichst optimal genutzt werden. Spekulation mit Baugrundstücken wird unattraktiv. Innerstädtische Baulücken werden geschlossen, bevor grüne Wiesen mit Neubaugebieten zugepflastert werden. Bereits bebaute Grundstücke werden durch Umbaumaßnahmen wie Dachausbauten besser genutzt.

Der durchschnittliche Flächenverbrauch lag von 2013 bis 2016 immer noch bei 62 Hektar pro Tag, was rund 90 Fußballfeldern entspricht. Ökologisch wertvolle Flächen werden weiterhin in rasendem Tempo in Bauland und Verkehrsflächen umgewandelt. Zukunftsfähig handeln heißt dagegen, endlich den knappen Faktor Boden zu schützen. Wenn die Regierung ihr selbst gestecktes 30-Hektar-Ziel der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie ernst nimmt, muss sie jetzt in Richtung Bodenwertsteuer umsteuern!

Die Autorin ist stellvertretende Vorsitzende der Initiative für Natürliche Wirtschaftsordnung.

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