Arbeitsmarkt

Geflüchtete ausbilden

Wir brauchen Fachkräftezuwanderung aus Ländern außerhalb der EU. Junge Migranten sind für Deutschland eine Chance

Von Franziska Schreyer

Eine Ausbildung erhöht bei Geflüchteten nicht nur die Beschäftigungs-, sondern auch die Aufenthaltschancen. Das kommt dem Arbeitsmarkt zugute, der zunehmend auf Zuwanderung aus Ländern außerhalb der Europäischen Union angewiesen ist.

Asylberechtigte und anerkannte Flüchtlinge haben zunächst eine Aufenthaltserlaubnis für drei Jahre. Anschließend können sie die unbefristete Niederlassung erhalten. Zu den Voraussetzungen zählen gutes Deutsch, ausreichender Wohnraum und dass sie den Lebensunterhalt überwiegend selbst bestreiten. Ausbildung und Beruf machen das leichter: Die Einbindung in Berufsschule und Betrieb verbessert das Deutsch und finanziert Wohnraum und Lebensunterhalt.

Abgelehnte Asylsuchende werden manchmal in Deutschland „geduldet“. Gründe dafür sind zum Beispiel kriegerische Konflikte im Herkunftsland oder familiäre Bindungen. Etwa 100 000 Menschen unter 30 Jahren leben mit Duldung bei uns. Bei Ausbildung können sie eine Duldung für drei Jahre erhalten. Finden sie danach qualifizierte Arbeit, bekommen sie eine Aufenthaltserlaubnis für zunächst zwei Jahre – diese „3+2-Regelung“ wird in den Regionen aber recht unterschiedlich umgesetzt. Nach fünf Jahren Aufenthaltserlaubnis kann für ehedem Geduldete die unbefristete Niederlassung möglich werden.

Längerfristige Perspektiven brauchen auch die Betriebe. Diese äußern oft die Sorge, Geflüchtete während und nach der Ausbildung nicht halten zu können. Die gesetzlichen Regeln ermöglichen es, dass Betriebe Geflüchtete langfristig beschäftigen können. Jetzt kommt es darauf an, dies flächendeckend umzusetzen.

Denn der Arbeitsmarkt floriert, es gibt 1,2 Millionen offene Stellen. Rund 150 000 Ausbildungsstellen waren im August unbesetzt. Schon bald wird das Erwerbspersonenpotenzial aus demografischen Gründen sinken. Dem können wir nur begrenzt entgegensteuern: Die Erwerbsbeteiligung der Frauen und Älteren ist bereits heute hoch, die Nachqualifizierung von Menschen ohne Ausbildung alleine reicht nicht und die Zuwanderung aus EU-Ländern wird zurückgehen.

Daher brauchen wir Fachkräftezuwanderung aus Ländern außerhalb der EU. Wir brauchen aber auch eine gute berufliche Bildung derjenigen jungen Menschen, die nach Deutschland geflohen sind.

Die Autorin ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg.

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