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Zebras im botswanischen Teil des Okavango Delta.
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Zebras im botswanischen Teil des Okavango Delta.

Suche nach Erdöl

Gefahr für Wasser und Elefanten

  • Johannes Dieterich
    VonJohannes Dieterich
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Weltweit protestieren Umweltschutzorganisationen gegen die Erdölexploration im südlichen Afrika. Eine Förderung könnte das Weltnaturerbe Okavango-Delta nachhaltig schädigen.

Die Pläne der kanadischen Explorationsfirma „Reconnaissance Energy Africa“ (ReconAfrica), ein riesiges Erdölfeld in der Nähe des Okavango-Deltas im südlichen Afrika, einem der letzten intakten Naturregionen der Erde, zu erschließen, sind weltweit auf heftige Kritik gestoßen. Am Freitag gingen Umweltorganisationen in Berlin, London, Washington, Vancouver und Windhuk auf die Straße, um gegen das Vorhaben zu demonstrieren: Petitionen an die kanadische und namibische Regierung wurden eingereicht, um die Erdölgewinnung in unmittelbarer Nähe der von der Unesco zum Weltnaturerbe erklärten Region zu stoppen.

Unterdessen werden in der Presse immer neue Details über die korrupte Vorgehensweise der kanadischen Explorationsfirma bekannt: Sie vermochte im Verlauf dieses Jahres ihren Börsenwert von 191 Millionen auf über eine Milliarde US-Dollar zu steigern. Nach einem Bericht der kanadischen Tageszeitung „The Globe and Mail“ beschäftigte die Firma zeitweise einen Freund des namibischen Staatspräsidenten Hage Geingob, als „Kommunikationsberater“: Nach einigen der Öffentlichkeit zugespielten E-Mails soll sich der Geschäftsmann Knowledge Katti gegenüber ReconAfrica seiner „Insider-Kontakte“ zur namibischen Regierung und seiner Fähigkeit „Wunder zu vollbringen“ gerühmt haben.

Außerdem bezeichnen Naturschützer:innen die Studien der Firma zur Umweltverträglichkeit des Projekts als „völlig unzulänglich“. Und einer Beschwerde vor der New Yorker Börsenaufsicht SEC zufolge soll ReconAfrica seinen Börsenwert jüngst mit „unlauteren“ und „betrügerischen“ Mitteln in die Höhe getrieben haben.

Nach Angaben des Unternehmens haben sich die Hinweise erhärtet, dass sich im Kavango-Becken zwischen Namibia und Botswana eines der größten unerschlossenen Erdölvorkommen der Welt mit einem Volumen von 60 bis 120 Milliarden Fass Erdöl befindet. Die Firma, die für die Exploration einen Bohrturm von Texas nach Namibia verfrachtet hat, will noch eine dritte Probebohrung versenken, bevor mit unterirdischen akustischen Signalen der Umfang des Erdölfeldes bestimmt werden soll. Umweltexperten wie die namibische Forscherin Annette Hübschle geben zu bedenken, dass die seismischen Versuche die Verständigung der Elefanten stören würden: Die Dickhäuter pflegten sich mit dem Stampfen ihrer Füße sowohl über Gefahren wie über Wasser- und Nahrungsmittelvorkommen in Kenntnis zu setzen.

Das 35 000 Quadratkilometer große Explorationsgebiet zählt zu den letzten Regionen der Welt, in denen sich Elefanten über weite Strecken frei bewegen können. Mit rund 150 000 Exemplaren sind in der Großregion ein Drittel aller afrikanischen Jumbos beheimatet. ReconAfrica bestreitet indessen, dass die Dickhäuter von der Erdölförderung in Mitleidenschaft gezogen würden: Sie hielten sich selten und in kleiner Zahl in der für die Exploration identifizierten Region auf, teilte die Firma mit.

Hoch umstritten sind auch die Auswirkungen der Erdölgewinnung auf den Wasserpegel. Zwar ist das große Mengen an Wasser verbrauchende Fracking offenbar wieder vom Tisch, doch auch die herkömmliche Erdölförderung ist wasserintensiv und müsste aus dem Grundwasser gespeist werden. Dieses steht zumindest teilweise mit dem hochlabilen Binnen-Delta des Okavango-Flusses in Verbindung.

Während die kanadische Firma auf die Vorteile der Ölgewinnung auf das namibische Staatsbudget und die Arbeit suchende Bevölkerung verweist, machen Kritiker:innen auf das in allen afrikanischen Erdöl-Staaten zu beobachtende „Paradox of Plenty“ aufmerksam: Dass die Erdölgewinnung zwar einer kleinen Elite des Landes zugute kommt, die große Mehrheit jedoch stets in noch größerer Armut versinken lässt. Auch die Internationale Energie Agentur (IEA) dämpft die Erwartungen: Wolle die Welt ihre Ziele zur Ersetzung der fossilen Brennstoffe bis 2050 erreichen, genügten die in den OPEC-Staaten bereits bekannten Erdölvorräte zumindest mittelfristig aus.

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