Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Eine Junge zertrümmert einen PC-Monitor auf der Müllhalde Agbogbloshie im ghanaischen Accra.
+
Eine Junge zertrümmert einen PC-Monitor auf der Müllhalde Agbogbloshie im ghanaischen Accra.

Elektroschrott

Gefahr für Kinder auf Müllkippen

  • Joachim Wille
    VonJoachim Wille
    schließen

Die Weltgesundheitsorganisation warnt vor illegal in armen Ländern entsorgten Elektrogeräten. Tatsächlich steigen die E- Schrott-Mengen weltweit rasant an - und nur ein Bruchteil davon landet in Recyclinganlagen mit gutem Standard.

Halden von Elektroschrott. Dazwischen auch Kinder und Jugendliche, die Computer, Bildschirme oder Handys auseinandernehmen. Oder die Geräte und Kabel verbrennen, um an das wertvolle Kupfer darin zu kommen, und dabei giftige Gase einatmen. Als 2018 erstmals Bilder von der Müllkippe Agbogbloshie im westafrikanischen Ghana international in den Medien erschienenen, war der Schock groß.

Doch Agbogbloshie ist kein Einzelfall, wie ein neuer Report der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zeigt. Weltweit arbeiten laut WHO-Schätzung rund 18 Millionen Kinder im „informellen“ Müllsektor in den Ländern des globalen Südens, zu dem auch die Elektroschrott-Entsorgung gehört, Die Chemikalien und Gase, mit denen sie dabei in Kontakt kommen, sind eine große Gesundheitsgefahr. Und die Schrottmengen wachsen.

Kleine Hände besser geeignet, um Bauteile zu trennen

Kinder in dem Sektor werden laut WHO oft von Eltern oder Betreuer:innen mit dem E-Schrott-Recycling beauftragt. Der Grund: Ihre kleinen Hände sind besser geeignet als die von Erwachsenen, um Bauteile zu trennen. Andere Kinder sind betroffen, weil sie in der Nähe von Recyclingplätzen leben, dort zur Schule gehen oder ihre freie Zeit verbringen. Hier herrschen oft hohe Konzentrationen giftiger Chemikalien.

Hohes Risiko

Abfallexporte in Staaten außerhalb der EU, bei denen der Auftraggeber dem Abnehmer Geld zahlt, sollten nach Ansicht des Grünen-Punkt-Chefs Michael Wiener unterbunden werden. „Solche Ausfuhren in Staaten außerhalb der EU bergen ein hohes Risiko für irreguläres Verhalten und bringen damit unsere Branche in Verruf“, sagte der Geschäftsführer der Duales System Holding (DSD), deren Unternehmensgruppe die Markenrechte am Grüner-Punkt-Symbol hält. Als sogenanntes duales System organisiert DSD die Abholung, Sortierung und Verwertung von Abfall in Deutschland.

Mit einem Exportstopp für besagten Abfall würde der Druck erhöht, damit in Deutschland selbst ausreichend Aufbereitungsanlagen gebaut werden, sagte der Manager. Zudem sollte die Industrie zum Einsatz von recyceltem Plastik insbesondere aus Gelber Tonne oder Gelbem Sack verpflichtet werden. dpa

Auch für Erwachsene bringt der unsachgemäße Umgang mit den E-Schrott große Risiken. Dabei können laut WHO mehr als 1000 Schadstoffe frei werden, darunter Blei, Quecksilber, Nickel, bromierte Flammschutzmittel und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK). Die Kinder sind jedoch aufgrund ihrer geringeren Größe, ihrer weniger entwickelten Organe und ihres Wachstums besonders anfällig für die Chemikalien. Sie nehmen im Verhältnis zur Körpermasse mehr Schadstoffe auf. Zu den Folgen zählen: beeinträchtigte Lungen- und Schilddrüsenfunktion, DNA-Schäden sowie ein erhöhtes Risiko für einige chronische Krankheiten im späteren Leben, darunter Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Auch für ungeborene Kinder sind die Risiken der WHO zufolge hoch, wenn Schwangere auf den Deponien arbeiten oder in der Nähe leben.

Die Höhe der Giftbelastung erläuterte Marie-Noel Brune Drisse, die Hauptautorin des WHO-Berichts, so: Ein Kind, das nur ein einziges Ei eines Huhns isst, das auf der Agbogbloshie-Deponie lebt, nehme damit das 220-fache des in der EU geltenden Tagesgrenzwerts für die Aufnahme von chlorierten Dioxinen auf. Das unsachgemäße Management des Elektronikmülls sei ein wachsendes Problem, das viele Länder noch nicht als Gesundheitsproblem erkannt hätten. „Handeln sie jetzt nicht, wird das verheerende gesundheitliche Folgen für viele Kinder haben und den Gesundheitssektor in den kommenden Jahren stark belasten.“

Herstellung langlebigerer Geräte fördern

Tatsächlich steigen die E- Schrott-Mengen weltweit rasant an. Laut dem „Global E-Waste Statistics Partnership“ betrugen sie 2019 rund 53,6 Millionen Tonnen, 21 Prozent mehr als 2014. Zur Veranschaulichung: Diese Menge entspricht dem Gewicht von 350 Kreuzfahrtschiffen, die aneinandergereiht eine 125 Kilometer lange Schlange bilden. Nur 17,4 Prozent landete in Recyclinganlagen mit gutem Standard, der Rest wurde illegal entsorgt, überwiegend in ärmeren Ländern.

Die WHO fordert wirksame Maßnahmen von Exporteuren, Importeuren und Regierungen, um eine umweltgerechte Entsorgung von Elektroschrott und damit die Gesundheit und Sicherheit der Arbeiterinnen, ihrer Familien und der Gemeinden zu gewährleisten. Außerdem müsse die Herstellung langlebigerer Geräte gefördert werden.

Der WHO-Report wurde jetzt auf einer internationalen Konferenz zu Chemikalien und Nachhaltigkeit in Berlin behandelt. Bundesumweltministerin Schulze (SPD) sagte dort: „Wir müssen dafür sorgen, dass Chemikalien so hergestellt werden, dass keine Risiken für die menschliche Gesundheit und die Umwelt davon ausgehen. Die Grünen kritisierten:„ „Die Bundesregierung kapituliert vor dem illegalen Export von giftigem Elektroschrott aus Deutschland.“ Es brauche eine personelle Stärkung des Zolls, um wirksame Kontrollen durchzuführen und Gesetzesverstöße konsequent zu ahnden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare