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Vom Wassermangel bedroht: Kartoffelernte in Ägypten.
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Vom Wassermangel bedroht: Kartoffelernte in Ägypten.

Lebensmittelversorgung

Gefahr für Kartoffeln vom Nil

  • Joachim Wille
    VonJoachim Wille
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Deutschland importiert viel Obst und Gemüse. Doch in den Anbauländern verschärfen sich die Wasserprobleme.

Die vergangenen drei Jahre waren wegen Trockenheit schwierig für die Bauern in Deutschland, besonders das extreme Dürrejahr 2018 ließ die Erträge sinken. Die Probleme könnten sich häufen, da Klimamodelle deutlich trockenere Sommer (und feuchtere Winter) voraussagen. Doch die Wasserrisiken bei der Versorgung mit Lebensmitteln steigen auch, weil Deutschland große Mengen Obst und Gemüse aus dem Ausland einführt. Es sind oftmals Regionen, in denen der Klimawandel Wetterextreme besonders verstärkt. Das zeigt eine Analyse, die die Umweltstiftung WWF zum heutigen Weltwassertag veröffentlicht hat.

Der Selbstversorgungsgrad bei Obst und Gemüse ist hierzulande gering, er beträgt nur 22 beziehungsweise 36 Prozent. Zum Teil, weil Produkte beliebt sind, die hierzulande gar nicht wachsen, zum Beispiel Bananen oder Avocados, zum Teil aber auch, um außerhalb der Saison etwa Tomaten oder Erdbeeren essen zu können. In vielen Anbauländern werden die Klimaprobleme laut dem WWF-Bericht spürbar zunehmen. Demnach würden zum Beispiel Kartoffelfelder in Ägypten sowie Avocadoplantagen in Chile und Peru zukünftig unter Wasserknappheit leiden, Bananenplantagen in Lateinamerika hingegen wären häufiger von Überschwemmungen und die Menschen vom Verlust ihrer Ernte bedroht.

Auch in den deutschen Supermärkten werde sich das bemerkbar machen, warnt der WWF. „Wasserrisiken haben einen Dominoeffekt auf die globalen Lieferketten des Lebensmitteleinzelhandels“, sagte Expertin Juliane Vatter. Nach Ernteausfällen durch Dürren oder Überschwemmungen sinke die Verfügbarkeit bestimmter Produkte und die Preise im Handel stiegen. „Die Verbraucher sehen die Folgen der Wasserrisiken also auch in ihrem Einkaufskorb“, so Vatter.

Die WWF-Studie behandelt im Detail fünf umweltrelevante Agrarprodukte, die bei deutschen Verbraucherinnen und Verbrauchern besonders populär sind, und deren wichtigste Anbauregionen. Bei den Produkten handelt es sich um Bananen, Zitrusfrüchte, Trauben, Kartoffeln und Avocados. Einige ihrer Anbauregionen sind laut der Analyse einem überdurchschnittlich hohen Wasserrisiko ausgesetzt. Besonders stark treffe das auf die Kartoffelanbauregion im Nildelta in Ägypten zu, von wo Deutschland zwischen Dezember und Mai Kartoffeln importiert, wenn keine frische Ware aus heimischem Anbau verfügbar ist. „Das in dieser Region bereits heute hohe Wasserrisiko könnte in einem pessimistischen Szenario bis 2050 sogar um weitere 20 Prozent steigen“, so der WWF. Weiteres Beispiel: Die jetzt schon hohe Wasserknappheit in spanischen Anbaugebieten für Zitrusfrüchte drohe in den nächsten 30 Jahren um weitere zehn Prozent zu wachsen. Doch auch zu viel Wasser kann Probleme machen. So könnten die Bananenanbaugebiete in Ecuador und Kolumbien unter den Bedingungen eines pessimistischen Szenarios bis 2050 fünf Mal häufiger überflutet werden.

Laut dem Report werden Mitte des Jahrhunderts rund 46 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung aus Regionen mit hohem Wasserrisiko stammen. Expertin Vatter betonte daher, der Lebensmitteleinzelhandel müsse erkennen, wie sich Wasserrisiken auf seine Waren auswirkten und wie diese sich veränderten. Gemeinsam mit Zulieferern, Produzenten und anderen Wassernutzer:innen vor Ort müssten verantwortungsvolle Wasserlösungen entwickelt werden. „Dabei dürfen sie nicht an den Toren der eigenen Farmen stehen bleiben, sondern müssen das jeweilige Flussgebiet als Ganzes betrachten“, so Vatter. „Nur so gelingt es, widerstandsfähige Lieferketten aufzubauen.“

Der WWF rät Unternehmen, ihr Wassermanagement schon jetzt zu überdenken, um in Zukunft wirtschaftlich zu bleiben: „Mit einem nachhaltigen Wassermanagement sind sie besser gegen erhöhte Wasserrisiken gewappnet.“ Bei einem gemeinsamen Zitrus-Anbauprojekt von WWF und der Edeka-Kette in Andalusien sei es zum Beispiel gelungen, durch eine nachhaltige Bewässerung rund 1,5 Millionen Kubikmeter Wasser einzusparen – und die Betriebe so widerstandsfähiger gegen Dürre zu machen.

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