Daimler-Chef Dieter Zetsche im Januar 2015 während der North American International Auto Show in Detroit.
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Daimler-Chef Dieter Zetsche im Januar 2015 während der North American International Auto Show in Detroit.

Pkw-Markt

Gefährliche PS-Seligkeit

  • Frank-Thomas Wenzel
    vonFrank-Thomas Wenzel
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Die Autobauer sind optimistisch und zeigen Muskeln. Sie setzen auf mehr PS, schwerere und teurere Fahrzeuge. Doch diese Hochstimmung dürfte nicht von Dauer sein. Eine Analyse.

BMW präsentiert mit dem M2 ein Kompaktauto mit 370 PS. Mit mehr Motor-Wucht und noch mehr Assistenzsystemen zeigt Mercedes die neue E-Klasse. Vom VW-Konzern fährt als Highend-Sportwagen der Porsche 911 Turbo in seiner aufgefrischten Version vor, mit noch mal etwas mehr Leistung. Zu bestaunen gibt es diese Fahrzeuge auf der North American International Auto Show vom 11. bis 24. Januar in Detroit. Das ist die erste wichtige Automesse des Jahres. Sie ist zugleich Gradmesser für die Stimmung der Branche. Schon jetzt ist ein Trend zu erkennen: Die Autobauer sind optimistisch und zeigen Muskeln, setzen auf mehr PS, schwerere und teurere Fahrzeuge, was auch die Renditen steigern soll. Gleichwohl: Langfristig kommt einiges auf die Konzerne zu, besonders auf die deutschen.

Zur guten Laune in den Führungsetagen der Konzerne passen die Prognosen der Experten. Die Autoanalysten der UBS-Bank etwa erwarten, dass der globale Pkw-Markt im nächsten Jahr um 3,5 Prozent wächst. Um etwa einen Prozentpunkt geringer fallen die Vorhersagen der Autoprofessoren Stefan Bratzel und Ferdinand Dudenhöffer aus. Was macht alle so optimistisch? Vor allem China, der weltgrößte Automarkt. Da lahmte es im Frühjahr. Dann hat die Regierung Mehrwertsteuernachlässe für Autos mit maximal 1,6 Liter Hubraum erlassen. Das Programm läuft bis Ende 2016.

Frank Schwope, NordLB-Analyst, erwartet ein Absatzplus in der Volkrepublik von fünf bis zehn Prozent im nächsten Jahr. Und damit steckt er die Bandbreite ab, in der sich auch die Vorhersagen seiner Kollegen bewegen. Trifft dies ein, werden in China erstmals mehr als 20 Millionen neue Pkw in einem Jahr auf die Straße kommen. Dabei spielt eine große Rolle, dass nun auch in vielen kleineren Städten aus der neuen Mittelschicht eine große Nachfrage kommt, obwohl das Wirtschaft insgesamt nicht mehr so stark wächst wie noch vor zwei oder drei Jahren.

Massive Investitionen notwendig

Auch für die USA wird übereinstimmend ein „Ever high“ mit knapp 18 Millionen Neuwagen erwartet. Allerdings dürfte sich hier ein Effekt weiter abschwächen. Die in der Finanzkrise aufgeschobenen Autokäufe sind nun fast alle nachgeholt. Gleiches gilt in der EU. Gut möglich, dass sich Zuwachsraten bei lediglich zwei bis drei Prozent einpendeln. Vieles spricht dafür, dass Deutschland noch dahinter zurückbleibt. Hierzulande wurden die Verkäufe in den vergangenen Monaten mit Rabatten wie sonst nirgendwo aufgeblasen. Die Frage ist, wie lange die Autobauer das noch durchhalten. Nehmen sie die Nachlässe zurück, könnte der Absatz sogar leicht zurückgehen.

Ob die Hochstimmung tatsächlich von Dauer sein wird, darf bezweifelt werden. Zumindest für die deutschen Autobauer. Als Folge des VW-Skandals werden die Vorschriften bei Abgastests für Diesel-Pkw verschärft. Genau auf diese Antriebsart haben aber hiesige Hersteller in der Vergangenheit gesetzt. Jetzt muss massiv in neue aufwendige Abgasreinigungstechnik investiert werden. Die Diesel-Dominanz der Premiumhersteller BMW, Audi und Mercedes könnte da zur Belastung werden. Bei kleinen und kompakten Pkw könnte der Selbstzündermotor wegen hoher Kosten für die Reinigungssysteme ganz verschwinden. Die Gefahr besteht darin, an asiatische Hersteller Marktanteile zu verlieren, die mit Diesel noch nie viel am Hut hatten. Langfristig sind zudem verstärkte Investitionen in Elektromobilität dringend nötig – vor allem, um in China zu bestehen. Die deutschen Autobauer müssen aufpassen, vor lauter PS-Seligkeit den Anschluss nicht zu verlieren.

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